Carinthischer Sommer 2026: fern & nah

Eröffnung des Carinthischen Sommers 2026 am 4. Juli. Unter dem Motto „fern & nah“ begegnen Künstler:innen aus aller Welt dem Publikum in Villach, Ossiach und Klagenfurt. Musik – Literatur – Diskurs: Programmpunkte für jedes Alter und viele Interessen – Stadtfest Villach klingt bei freiem Eintritt am 18. Juli

In wenigen Wochen beginnt der Carinthische Sommer 2026: am 4. Juli erfolgt die offizielle Eröffnung mit Festakt und Eröffnungskonzert. Anlass, einen Blick auf einige Highlights im Programm des größten Kulturfestivals im Süden Österreichs zu werfen. Einen Monat lang, bis zum 2. August 2026, versammeln sich Künstler:innen aus aller Welt zu einem Festival der Begegnung unter dem heurigen Motto „fern & nah“ in Villach, Ossiach und Klagenfurt. Und in der Tat ist es die direkte, unmittelbare Begegnung mit den Künstler:innen, die einen wesentlichen Aspekt des Carinthischen Sommers ausmacht, der heuer in seine dritte Saison unter der Intendanz von Nadja Kayali geht.

Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien als FESTIVALORCHESTER

photo of Golnar Shahyar (c) Ina Aydogan
Golnar Shahyar (c) Ina Aydogan

Seit drei Jahren ist das ORF Radio-Symphonieorchester Wien das FESTIVALORCHESTER des Carinthischen Sommers. Das Motto „fern & nah“ wird im Eröffnungskonzert zur klingenden Wirklichkeit, mit der Österreichischen Erstaufführung Charles Koechlins Les Heures Persanes in impressionistischem Flair. Es rezitiert die Schauspielerin Petra Morzé, es singt Golnar Shahyar, eine der beiden heurigen FESTIVAL ARTISTS; zudem musiziert der persischstämmige Gitarrist Mahan Mirarab, und am Pult der designierte Chefdirigent des RSO, Markus Poschner (4. Juli, 19:20 Uhr, Congress Center Villach).

Ein mit Märchenzauber überschriebenes Konzert bietet die zweite Chance, das RSO zu erleben. Unter der Leitung der gefeierten Dirigentin Yi-Chen Lin geht die Reise durch die Welt der Märchen, unter anderem Nikolai Rimski-Korsakows berühmter Scheherazade. Und eine weitere, seltene Chance tut sich auf: jene, einem der ältesten Instrumente der Welt, der chinesischen Mundorgel Sheng mit ihrem virtuosen Interpreten Wu Wei in der Österreichischen Erstaufführung von Bernd Richard Deutschs Konzert für Sheng und Orchester zu begegnen (17. Juli, 19:30 Uhr, CCV).

Vienna Classical Players
Vienna Classical Players © Miriam Kaczor

fern & nah – Kinan Azmeh verkörpert das Motto des Festivals

Klarinettist Kinan Azmeh verkörpert das Motto des Festivals sowohl in seiner Biografie als auch in seiner Musik. Er verbindet Jazz, arabische Musik und westliche klassische Traditionen. Gemeinsam mit Martin Kerschbaum und seinen Vienna Classical Players führt er das Publikum in seine ganz besondere Klangwelt (Zwischenwelten, Freitag, 3. Juli, 19:30 Uhr, Stadtpfarrkirche St. Jakob, Villach).

Avi Avital, ein Tausendsassa und Visionär der Mandoline

Mit einem Orchester auf besondere Weise kommuniziert Avi Avital, ein Tausendsassa und Visionär der Mandoline. Avital, hat die Mandoline in die großen Konzertsäle gebracht. Das Programm, das er gemeinsam mit dem Kammerorchester Basel gestaltet, spannt einen faszinierenden Bogen durch die Welt der Mandoline, mit Musik von Debussy, Ravel, Haydn, Saint-Saëns, Edith Piaf u. a. (Montag, 27. Juli, 19:30 Uhr, Konzerthaus Klagenfurt)

Eine Königin aus Westafrika: Senny Camara

Eine faszinierende Stimme und eine Persönlichkeit, die aufhorchen lässt: Die westafrikanische Songwriterin Senny Camara ist erstmals mit ihrer Band in Kärnten zu erleben (Samstag, 25. Juli, 20:00 Uhr, Konzerthaus Klagenfurt). Als Kind verliebte sich Camara in die traditionelle westafrikanische Harfe Kora, die damals ausschließlich Männern vorbehalten war. Es sollte Jahre dauern, bis sie die Möglichkeit erhielt, ihr Trauminstrument tatsächlich zu erlernen. Heute ist sie eine Virtuosin auf ihrem Instrument und ein aufstrebender Star.

Anna Anderluh
Anna Anderluh © Marta Gillner/Carinthischer Sommer

Carinthischer Sommer goes Museum

Das Museum einmal ganz anders erleben: Räume werden von Musik erfüllt, Literatur und wissenschaftliche Impulse eröffnen neue Perspektiven, und eine Rätselrallye lädt zum Mitmachen ein. Auf dem Programm steht u. a.: die Uraufführung von Wolfgang Suppan und Slovalia (Auftragswerk des Carinthischen Sommers 2025). Mitwirkende bei Klang.Raum.Museum im kärnten.museum Klagenfurt (Sonntag, 12. Juli, 10:00 Uhr): Anna Anderluh, zweite FESTIVAL ARTIST des Carinthischen Sommers 2026, die Company of Music unter Johannes Hiemetsberger, Jaime Wolfson, Tara Meister, die FESTIVALSCHREIBERIN 2026, Tamara Štajner, Michael Schwarzenbacher, Brigitta Höpler und Franziska Fleischanderl. Ein Museumsbesuch, der zum Erlebnis wird und noch lange nachklingt.

Weltstar Hilary Hahn

Hilary Hahn vereint brillante Technik, höchste Virtuosität, feine Zartheit und leidenschaftliches Temperament in ihrem Spiel zu einer faszinierenden Mischung. Gemeinsam mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen baut sie eine musikalische Brücke zwischen den Kulturen. Aufgrund einer Anpassung der langfristigen künstlerischen Planung wird Hilary Hahn beim Carinthischen Sommer nicht das ursprünglich angekündigte Werk, sondern das Violinkonzert von Max Bruch interpretieren. In der Uraufführung des Doppelkonzerts für Violine und Akkordeon von Aziza Sadikova wird Dirigent Omer Meir Wellber selbst zum Soloinstrument greifen. Zum Finale: Schumanns Vierte Symphonie (Mittwoch, 22. Juli, 19:30 Uhr, CCV)

Rudolf Buchbinder feiert seinen 80. Geburtstag

Ein „Stammgast“ (und Ehrenmitglied des Festivals) kehrt auch heuer wieder – und feiert mit dem Carinthischen Sommer seinen 80. Geburtstag im Voraus: Rudolf Buchbinder, der mit ungebrochener Leidenschaft auf der Bühne agiert, besonders dann, wenn es um seinen musikalischen Lebenspartner“ Beethoven geht. Auf dem Programm diesmal stehen u. a. die Sturm-Sonate und die Appassionata (Samstag, 11. Juli, 19:30 Uhr, CCV).

Krönendes Finale mit Lukas Sternath und der Camerata Salzburg

Zum Finale erklingen zwei Klassiker der Musikgeschichte. Lukas Sternath, 24 Jahre junger gefeierter Star mit Kärntner Wurzeln, begeisterte bereits im Vorjahr das Publikum und kehrt mit Mozarts Klavierkonzert KV 466 zurück. Die Camerata Salzburg musiziert unter der Leitung des Dirigenten Antonello Manacorda, der 2025 sein gefeiertes Salzburger Festspieldebüt gab (Sonntag, 2. August, 19:30 Uhr, CCV).

Intime kulturelle Erlebnisse: die Projekte in Ossiach

Wer Musik und Literatur in intimeren Settings als im städtischen Umfeld erleben möchte, dem seien die Veranstaltungen in Ossiach ans Herz gelegt. Praktisch: Ein Shuttle bringt alle Besucher:innen kostenfrei hin und zurück (siehe unten).

Klarinette saitenweise heißt es im Kammerkonzert, wenn Klarinettistin Sharon Kam auf das Schumann Quartett trifft. Geheimtipp: Neben Mozart und Weber ist Musik der niederländischen Komponistin Henriëtte Bosmans (1895–1952) zu entdecken (Dienstag, 7. Juli, 19:30 Uhr,Stiftskirche Ossiach).

Bachs Goldberg-Variationen in so einem Arrangement haben die meisten wohl noch nie gehört: für Saxophon, Violoncello und Akkordeon, mit Asya Fateyeva, Eckart Runge (FESTIVALARTIST 2024) und Andreas Borregaard. Eine Entdeckung! (Mittwoch, 8. Juli, 19:30 Uhr, Stiftskirche Ossiach)

Viva Vivaldi: Die junge russische Sopranistin Julia Lezhneva, deren Karriere 2011 bei den Salzburger Festspielen mit einem regelrechten Paukenschlag begann, lässt gemeinsam mit Giovanni Antonini und seinem Ensemble Il Giardino Armonico Antonio Vivaldis Opernarien in neuem Glanz erscheinen (Mittwoch, 15. Juli, 19:30 Uhr, Stiftskirche Ossiach).

SR9 ist der Name eines französischen Schlagwerk-Trios, das atemberaubende Klänge auf Marimbas, Vibraphonen und weiteren Schlaginstrumenten erzeugt. Das Programm spannt einen Bogen von Barock- bis zur zeitgenössischen Musik (Marimba, mon amour, Donnerstag, 16. Juli, 19:30 Uhr, Alban Berg Saal, Ossiach).

2025 ließ Claire Huangci im Abschlusskonzert mit George Gershwin die musikalischen Korken knallen. Auch 2026 präsentiert die fantastische amerikanische Pianistin, die kürzlich mit dem Diapason d’or ausgezeichnet wurde, ein spritziges Programm unter dem Titel Pictures in Blue mit Werken von Fanny Hensel, Amy Beach, Samuel Barber, Florence Price, Clara Wieck und George Gershwin (Sonntag, 19. Juli, 11:00 Uhr, Alban Berg Saal, Ossiach)

Bild Helene Glüxam
Helene Glüxam (c) Alfred Zacharias

Zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann liest Birgit Minichmayr Texte der großen Kärntner Dichterin mit Feingefühl und Intensität und lässt sie in all ihren Facetten lebendig werden. Begleitet wird sie von Helene Glüxam mit Kontrabass und Stimme (Bachmann.Minichmayr.Glüxam., Sonntag, 19. Juli, 17:00 Uhr, Alban Berg Saal, Ossiach)

Ein Echo aus dem alten Persien erklingt, wenn die fünf Musiker:innen der Gruppe Kurdophone mit kurdischen, iranischen und österreichischen Wurzeln die persische Erzähltradition in die Gegenwart führen. Die vielfach ausgezeichnete Autorin und Bachmann-Preisträgerin Nava Ebrahimi lässt im Auftrag des Carinthischen Sommers eine Episode aus dem bedeutendsten mythischen Werk der Perser:innen, dem Schahname, neu aufleben: Die Geschichte von Prinz Siavash, neu erzählt und vertont (Sonntag, 26. Juli, 19:30 Uhr, Alban Berg Saal, Ossiach).

Ein Gipfeltreffen der FESTIVALARTISTS zum 70. Geburtstag von Wolfgang Puschnig: FESTIVAL ARTIST Golnar Shahyar gestaltet gemeinsam mit dem Jubilar, dem iranischen Gitarren-Virtuosen Mahan Mirarab, der kroatischen Cellistin Asja Valčić und FESTIVAL ARTIST Anna Anderluh (Stimme & Auto-Harp) das Konzert Fern.Nah.Jazz. (Donnerstag, 30. Juli, 19:30 Uhr, Alban Berg Saal, Ossiach).

Wo die Seele tanzt ist ein Abend betitelt, der mehr ist als ein Konzert – er ist eine Reise durch Zeit, Klang und Sehnsucht. Die Musik spannt sich von den mystischen Traditionen der Tanzenden Derwische aus der Türkei und Syriens bis ins heutige Europa. Die arabischen Perkussionsinstrumente, die Oud (Laute) und Ney (Flöte), die barocke Viola da Gamba, Violine und der Gesang weben ein feines Netz, in dem Klang und Stille sich umarmen. Das Hathor Consort wurde 2012 von Romina Lischka gegründet und nach Hathor, der ägyptischen Göttin der Musik, Liebe und Verbindung, benannt (Mittwoch, 29. Juli, 19:30 Uhr, Alban Berg Saal, Ossiach).

Philharmonic Five sprengen mühelos stilistische Grenzen: Klassische Kammermusik trifft auf Filmmusik, Unterhaltungsmusik auf Pop. Vier Solist:innen der Wiener Philharmoniker und eine brillante Pianistin vereinen sich zu einem Ensemble (Freitag, 31. Juli, 19:30 Uhr, Alban Berg Saal, Ossiach).

Lieblingsstück lautet der Titel einer Matinee mit dem großen europäischen Schriftsteller Robert Menasse als Auftakt zu einem besonderen Tag mit Musik und Literatur. Künstler:innen des Carinthischen Sommers erzählen, was sie begeistert (Samstag, 1. August, ab 11:00 Uhr, Stift Ossiach).

Die junge rumänische Pianistin Adela Liculescu, die beim Carinthischen Sommer auch mit der Formation Philharmonic Five auftritt, ist eine wahre Kennerin der Werke von Franz Liszt. Begleitet wird sie dabei von Rezitator Paul Sonderegger, der Nikolaus Lenau und Fernando Pessoa liest (Mephistos Tastenmagie, Samstag, 1. August, 19:30 Uhr, Alban Berg Saal, Ossiach)

Villach wird zur Bühne – und zeitgenössische Musik kann man tanzen

Am Samstag, dem 18. Juli 2026, heißt es Villach klingt: Der Carinthische Sommer verwandelt unter diesem Titel die Innenstadt zu einer großen Bühne für ein Stadtfest. Von morgens bis nach Mittag gibt es ein buntes Programm – für alle zugänglich und kostenlos. Details hierzu entnehmen Sie bitte dem beiliegenden Folder. Unter anderem mit dabei ist das treppenhausorchester, ein Kammerorchester aus Hannover, das dann abends zur Disco! lädt und beweist: zu zeitgenössischer Musik kann man tanzen (19:30 Uhr, CCV).

Der Literatur-Schwerpunkt im Carinthischen Sommer

Der Carinthische Sommer ist nicht nur ein Musik-, sondern auch ein Literaturfestival. Heuer sind etwa vier ehemalige beim Bachmann-Wettbewerb ausgezeichnete Schriftstellerinnen im Programm vertreten. Sie werden in den beliebten Morgenkonzerten in der Evangelischen Kirche im Stadtpark in Villach neue Texte aus der Taufe heben: Tara Meister, diesjährige und erstmalige FESTIVALSCHREIBERIN des Carinthischen Sommers, Tanja Maljartschuk, Bachmann-Preisträgerin 2018, Nava Ebrahimi, Bachmann-Preisträgerin 2021 und Ana Marwan, Bachmann-Preisträgerin 2022.
Auch im Rahmen von Klang.Raum.Museum (siehe oben) lesen Tara Meister und Tamara Štajner (Kelag-Preisträgerin 2024). Nava Ebrahimi ist außerdem in Ossiach im Konzert Echo aus dem alten Persien vertreten (siehe oben). Die Namensgeberin des Bachmann-Preises selbst wird im Rahmen einer Lesung von Birgit Minichmayr in Ossiach gewürdigt (siehe oben) und Maria Köstlinger und Juergen Maurer, Ensemblemitglieder des Theaters in der Josefstadt, lesen Auszüge aus dem Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Beide Textfassungen wurden von Dramaturgin Angelika Messner erstellt. (Bachmann.Celan.Briefe, Sonntag, 5. Juli, 17:00 Uhr, Domenig Steinhaus am Ossiacher See).

Der gerade wieder ans Burgtheater zurückgekehrte Schauspieler und Autor Joachim Meyerhoff ist bereits zum zweiten Mal beim Carinthischen Sommer zu Gast. Für seinen diesjährigen Auftritt hat er einen ganz besonderen Ort gewählt, die Burgarena Finkenstein. Ein stimmungsvoller Sommerabend mit Humor und literarischem Weitblick (Freitag, 24. Juli, 20:00 Uhr, Burgarena Finkenstein).

Die Möglichkeit zum Diskurs über Literatur und persönlichen Erfahrungen mit ihr bietet das Projekt Lieblingsstück mit Autor Robert Menasse u. a. (siehe oben).

Links:
Carinthischer Sommer: Programm
Carinthischer Sommer: Shuttle-Service nach und von Ossiach