
Die in der experimentellen Wiener Musikszene seit langem sehr umtriebigen und höchst aktiven Alexander J. Eberhard (Viola, Elektronics) und Jorge Sanchez-Chiong (Turntables, Elektronics) sind immer schon bekannt dafür gewesen, dass sie es mit vorgefassten und traditionellen Musikentwürfen nicht allzu eng sehen. Was die beiden Soundtüftler gemeinsam im Duo bonaNza nämlich unternehmen, ist der Versuch, der Klangästhetik der bekannten Clubmusik eine Frischzellenkur zu verpassen. Frei nach dem Prinzip „alles ist möglich“ zerlegen sie diese in ihre Einzelteile, modeln sie um, mixen sie mit stilfremden Einflüssen und konstruieren aus dem Ergebnis dieses Prozesses eine Form elektronischer Musik vielschichtiger Natur, welche in keine der gängigen stilistischen Schubladen hineinpassen will.
In ihren Nummern vereinigen sich, als ob es nichts das Selbstverständlichste gäbe, kantige Techno-Beats, detailverliebte Samplingarbeit, trockener Minimalhouse im dezenten Klanggewand, Versatzstücke aus dem Noise und Industrial, elektroakustische Anleihen sowie atmosphärische Filmmusikversätze zu einem vielschichtigen, aber gleichzeitig doch aus sehr rundem Ganzen. Zudem schreckt das Zweiergespann nicht davor zurück, auch einmal fröhliche Reggae-Rhythmen oder laute E-Gitarrensounds miteinfließen zulassen. Am Ende steht als Resultat dieser Befreiung von allen traditionellen Arbeitsmethoden ein Klangkonstrukt, das trotz aller Komplexität dann doch in allen Momenten tanzbar bleibt.
Wie bonaNza definieren auch Kilo die elektronische Musik in einer Form, die nicht wirklich den üblichen Parametern entspricht. Auch bei Florian Bogner Markus Urban lassen sich die Fragen nach einer genauen stilistischen Zuschreibung ihrer Musik nicht exakt beantworten. Das Duo bastelt beseelt vom Geist des Experiments aus Elementen des Jazz, Rock, der Neuen Musik, Elektronik und improvisierten Musik vielschichtige und bunt schimmernde Soundcollagen, die vor allem eines entstehen lassen, Atmosphäre. (mt)
Foto bonaNza: bonanza.kingt.org