Bild 5K HD
5K HD (c) Nejc Ketiš

AUSTRIAN MUSIC AT MENT LJUBLJANA

Das MENT LJUBLJANA ist ein pulsierendes Musik-Festival im Herzen der slowenischen Hauptstadt. Für drei Tage wurden die etablierten Veranstaltungsorte und Clubs in eine gemeinsame Bühne für Bands, Künstler und MusikerInnen aus aller Welt verwandelt. Unter ihnen fünf bemerkenswerte österreichische Acts: 5K HD, DORIT CHRYSLER, MOTHER’S CAKE, WANDL und MAVI PHOENIX.

Neben einer Vielzahl an Bands aus Osteuropa, ist es einer langen Zusammenarbeit mit dem Waves Vienna und dem Austrian Music Export zu verdanken, dass sich am MENT jedes Jahr österreichische Musikschaffende präsentieren können – und zwar vor einem guten Teil der wichtigen Figuren aus der europäischen Musikbranche, wie das auf Showcase-Festivals mit ihren Delegierten aus Presse, Promotion, Booking und Management so üblich ist.

Aus über 1500 Bewerbungen würden letztlich 60 Künstler und Künstlerinnen für eine Performance am MENT ausgewählt werden, so Matjaž Manček, Co-Manager des MENT. Unter ihnen waren 2018 die österreichischen Acts 5K HD, Dorit Chrysler, Mother’s Cake, Wandl und Mavi Phoenix.

An der Auswahl an österreichischen Bands zeigt sich das kuratorische Credo der MENT-Veranstalter. „Wir versuchen eher experimentelle und kantige Acts auszuwählen und nicht so sehr aus dem Mainstream. Viele solcher Bands findet man zum Glück in Österreich,“ so Manček am Rande der Austrian Heartbeats Reception, bei der die österreichischen Anwesenden aus allen Ecken der Musikbranche ihre Chance nutzten, um sich zu vernetzen und sich auf die Konzerte der heimischen Bands vorzubereiten.

Bild (c) Austrian Heartbeats Reception
Austrian Heartbeats Reception (c) Urška Boljkovac

„More noisy, edgy and experimental stuff“

Den Anfang machte das Wiener Quintett 5K HD. Die Symbiose aus Mira Lu Kovacs und Kompost 3 harmoniert ganz einfach in Perfektion und konnte eindrucksvoll unter Beweis stellen, dass sie einer der spannendsten Acts sind, die Österreichs Musiklandschaft zu bieten hat. Diese Ansammlung enorm talentierter Musiker, die sich zusammengefunden haben, um vertrackte Avantgarde-Musik irgendwo zwischen Elektronik, Singer-Songwriter, Jazz und Noise zu kreieren geht live wahrlich unter die Haut. Die Darbietung des Materials vom Debütalbum „And to in A“ ist dermaßen tight und rhythmisch auf die Note perfekt dargeboten, dass man sich selbst in den Songpassagen ohne Beat oder gar in Pausen nur schwer aus dem kopfnickenden Nirwana befreien kann, in welches man permanent befördert wurde. Passend situiert in einem alten Kraftwerk, war 5K HD wahrlich frenetischer Jubel gewiss – rundum eines der besten Konzerte des ganzen Festivals. „Die Resonanz war sehr schön, insbesondere, weil das Publikum es zum Ausdruck brachte Gefallen an der Show zu finden. Man hat die Liebe gespürt,“ sagte Sängerin Mira Lu Kovacs zufrieden nach der Show, die sicherlich auch zu guten Eindrücken bei den vielen Delegierten des Festivals geführt hat. „Die österreichischen Publika sind da hin und wieder etwas anders – die geben nach Konzerten zu Protokoll, dass es ihnen gefallen hat. Manchmal kommt ihnen das allerdings nicht über die Lippen und die Hände beim Applaudieren,“ beschrieb sie die Erfahrung in Slowenien im Vergleich zu Österreich. In noch intensiveren Austausch mit dem Publikum vor Ort trat die Wahlamerikanerin Dorit Chrysler über zwei Tage verteilt. Neben einem umjubelten Konzert in der Kinoteka Ljubljana – ein Sitzkonzert in passendem Kino-Ambiente – war Dorit Chrysler auf erklärter Mission, das Theremin – jenes ikonische Instrument, welches man ohne Berührung mit Handbewegungen in der Luft zwischen zwei Antennen zum Klinge bringt – unter die Leute zu bringen und zwar mittels zwei Workshops und einer Keynote-Lecture. Dort gab sie unter anderem preis, das Theremin sei das erste elektronische Instrument welches überhaupt erfunden wurde und welche Ähnlichkeiten es mit der Kunst des Gesangs habe – bei kaum einem anderen Instrument sei es so schwierig permanent die richtigen Töne zu treffen. Als eine virtuose Pionierin des Theremins hat die gebürtige Grazerin bereits mit so unterschiedlichen Künstlern wie Marylin Manson, The Strokes oder Dinosaur Jr. zusammengearbeitet und sich als Nischenkünstlerin global etabliert.

Bild Mavi Phoenix
Mavi Phoenix (c) Bonino Englaro

Jazz, Theremin, Psychedelic Rock, Experimental, Hip Hop

Die Auswahl der Bands aus Österreich am MENT zeigte sehr schön die Vielfalt der alpenländischen Subkultur-Musikszene auf: denn nach Jazz und Theremin-Solo, waren als nächstes die Tiroler von Mother’s Cake im Einsatz. Das breit gefächerte Rock-Trio aus Innsbruck ist immer für eine schweißtreibende Show gut. Die Stimme von Sänger Yves Krismer geht genauso durch Mark und Bein wie der Groove der eingeschworenen Dreierformation. Mit ihrem retro-angehauchten Progressive Rock, der auch immer wieder funkige Einsprengsel zu bieten hat, verwandelten sie die Zuseher vor der Bühne sukzessive in eine synchron zum Sound schwankende Masse. Je länger ihre Show andauerte, umso aufgetauter wirkten sowohl die Musiker als auch die Fans vor der Bühne – denn offensichtlich haben Mother’s Cake in Slowenien bereits eine beachtliche Gefolgschaft. Das Energielevel schraubte sich fortwährend nach oben und fand seinen Höhepunkt in einer erinnerungswürdigen Darbietung ihres Songs „Runaway“ vom Debütalbum „Creation’s Finest“, das den Abschluss einer Setlist bildete, die sonst vordergründig das aktuelle Album „No Rhyme, No Reason“ in den Mittelpunkt rückte. Dabei handelt es sich um ein Album, welches die Band immerhin schon bis nach Australien geführt hat. Nichtsdestotrotz ist die Wertschätzung für lokalere Unterfangen wie das MENT vorhanden. “Solche Festivals haben einen großen Stellenwert, da viele Leute von der Branche und vom Business anwesend sind,“ meinte Sänger und Gitarrist Yves Krismer nach dem Konzert. Ein Umstand, der auch dem 23-jährigen Producer und Multiinstrumentalisten Wandl zugutekommen könnte. Als einer der interessantesten Produzenten für experimentelle Beats und elektronische Musik abseits des Mainstreams etabliert sich Wandl derzeit ohnehin in der Szene und Auftritte wie jener am MENT tragen ihr Weiteres dazu bei. Er konnte live zur Schau stellen, dass er sich am Puls der Zeit befindet und seine musikalischen Visionen viel Zuspruch finden. Mit der Performance der Tracks seines Debütalbums „It’s All Good Tho“ –  mit dem er 2018 weiterhin live in Europa auf sich aufmerksam machen wird – wusste er die Anwesenden davon zu überzeugen, dass man Konversationen über niveauvolle elektronische Musik bald nicht mehr führen können wird, ohne Wandl zu erwähnen. Als Multiinstrumentalist mit vielfältigem musikalischen Gespür folgt er einem ähnlichen Pfad wie Dorian Concept und könnte womöglich in seine Fußstapfen treten.

Bild Mother´s Cake
Mother´s Cake (c) Nejc Ketiš

Ein innerstädtisches Festival als perfekter Gastgeber

Den Abschluss der österreichischen Beiträge am MENT machte die junge Linzerin Mavi Phoenix. Sie brachte zu fortgeschrittener Stunde den Club “Gala Hala” wie ein abgebrühter Profi zum Schwitzen. Mit einer selbstbewussten Bühnenpräsenz, modernen Hip-Hop Beats und ihrer neuen Single „Janet Jackson“ im Gepäck, hatte sie das Publikum nicht nur im Griff, sondern dieses fraß ihr aus der Hand. Ihre Mischung aus Pop, R’n’B und Rap macht Stimmung und sollte in Zukunft noch so manch anderen Klub in einen Hexenkessel verwandeln. Besagter Hexenkessel oder andere Variationen von begeisterten Konzertsälen fanden sich jedenfalls bei allen Performances der österreichischen Acts am MENT, welches sich als phänomenaler Gastgeber darstellte und nur jedem musikinteressierten Menschen als Ausflug ins schöne Ljubljana ans Herz gelegt werden kann.

Sebastian J. Götzendorfer

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