Mit „Blurp 2“ (Jazzwerkstatt Records; VÖ: 3.4.26) präsentiert die Formation Aufmessers Schneide ihr drittes Album und knüpft dabei nahtlos an jene musikalische Handschrift an, die das Ensemble in den vergangenen Jahren entwickelt hat: ein offenes, stilistisch weit gefächertes Jazzverständnis, das sich zwischen Komplexität, Spielfreude und erzählerischem Fluss bewegt. Unter der Leitung des Kontrabassisten und Komponisten Gregor Aufmesser entfaltet sich eine Musik, die sich aus unterschiedlichsten Klangideen speist, diese jedoch nicht als bloße Collage nebeneinanderstellt, sondern zu einem organischen Gesamtbild verbindet.
Die Besetzung mit Dominik Fuss (Trompete, Flügelhorn), Alois Eberl (Posaune, Akkordeon), Lukas Schiemer (Alt- und Sopransaxophon), Leonhard Skorupa (Tenorsaxophon, Klarinette, Bassklarinette), Lukas Kletzander (Piano) und Lukas Aichinger (Schlagzeug) sorgt für ein breites klangliches Spektrum, das Aufmesser konsequent auslotet. Warme Bläsersätze treffen auf kompakte Unisono-Passagen, dichte Grooves wechseln sich mit offenen, beinahe schwebenden Momenten ab. Trotz der zahlreichen Richtungswechsel bleibt der musikalische Fluss stets erhalten – die Stücke entwickeln sich wie kleine Erzählungen, die ihre Wendungen mit Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit nehmen.
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Die stilistische Bandbreite reicht von tänzelnden, beinahe zirkushaften Episoden über modern verflochtene Jazzstrukturen bis hin zu cineastisch anmutenden Klangflächen, die Raum für Spannung und atmosphärische Verdichtung schaffen. Immer wieder öffnen sich Fenster für spontane Improvisationen, in denen die Musiker ihre Virtuosität ebenso wie ihr Gespür für kollektives Zusammenspiel zeigen. Dabei darf es gelegentlich auch etwas eigenwillig oder verspielt werden, ohne dass die Musik ihre Zugänglichkeit verliert. Der Groove bleibt präsent, die melodischen Linien wirken einladend, und selbst komplexere Passagen behalten eine gewisse Leichtigkeit.
Aufmessers Schneide gelingt auf „Blurp 2“ der Balanceakt zwischen Komplexität und Unmittelbarkeit: Die Stücke entfalten Tiefgang, ohne sich zu verschließen, und entwickeln eine Sogwirkung, die das Zuhören gleichermaßen herausfordernd wie angenehm macht. Ein spannendes und höchst unterhaltsames Jazzalbum.
Michael Ternai
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