Attwenger zu Gast in Klagenfurt

Attwenger zählen mit Sicherheit zu den spannendsten und meistbeachteten Formationen, welche die österreichische Musikszene in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Seit nun weit über einem Jahrzehnt  schon überzeugt das österreichische Duo das vorwiegend deutschsprachige Publikum mit seinem wilden Mix aus Volksmusik, Punk und HipHop.  Am 27. November beweisen die beiden Mühlviertler im Klagenfurter Ballhaus einmal mehr, warum gerade sie eine Ausnahmestellung innerhalb der heimischen Musikszene einnehmen.

Großartig vorzustellen braucht man diese, mittlerweile weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte, Zwei-Mann-Band ohnehin nicht mehr. Selbst Radio-Legende John Peel zeigte sich einst begeistert – “I have no idea what it’s all about, but I like the general noise, a great deal.” Attwenger ist vielleicht die Band, der es zu verdanken ist, dass hierzulande die Dialektlyrik nach langen Jahren der Beschlagnahme durch den Austropop wieder Eingang in die hiesige Musiklandschaft gefunden hat. Anfang der 90er Jahre lösten die aus dem südlichen Mühlviertel stammenden Markus Binder und Hans-Peter Falkner regelrecht einen kleinen Hype im Underground aus und wurden Dank des Jugendradiosenders FM4 über Nacht auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Das lange Zeit verpönte Singen in der Mundart wurde mit einem Schlag wieder salonfähig. Aber nicht nur in Sachen Gesang beschritt das Duo neue Wege.

 

Auch mit ihrer Musik selbst galten Attwenger als wegweisend. Wer hätte damals gedacht, dass Volksmusik mit Pop abseits jeglicher Schlagerklischees kombinierbar wäre. Binder und Falkner verbanden volkstümliche Musik und Polkas mit heftigem Punk und elektronischen Beats. Eine Mischung, wie es sie in dieser Form vorher noch nicht gegeben hat. Kooperationen gab es im Laufe der Zeit unter anderem mit dem britischen Avantgarde-Gitarristen Fred Frith oder auch der serbischen Roma-Blaskapelle Boban Markovic Orkestar. 2003 wurde Attwenger mit dem FM4-Alternative Act – Amadeus Austrian Music Award ausgezeichnet.

Schritt für Schritt verfeinerten Attwenger ihren Stil. Immer mehr Einflüsse aus anderen Genres fanden Eingang in die Songs des oberösterreichische Duos.  Auch heute noch klingt die Musik der Mühlviertler unverkennbar, was auch zum Teil daran liegt, dass es die Beiden immer wieder schaffen,  sich neu zu erfinden und ihren Sound stetig zu erweitern. So geschehen auch auf ihrem bisher letzten Album “dog” aus dem Jahre 2005. Abermals gelang es den beiden oberösterreichischen Querdenkern ihr klangliches Spektrum nochmals zu erweitern. Das bisher schon ohnehin sehr weit gefasste stilistische Repertoire wurde mit zusätzlichen Elementen aus dem Blues und dem Breakcore angereichert. Trotz dieser Vielfalt, und das ist die Kunst der beiden Musiker, geht der sprichwörtliche Rote Faden niemals verloren.  Abgerundet wird das Ganze durch den sehr speziellen Umgang mit der Sprache, welcher in dieser Art zum Besten gehört, was der deutschsprachige Raum im Moment zu bieten hat.

 

Wer Attwenger bereits kennt, weiß natürlich, dass hier beim Auftritt in Klagenfurt einmal mehr die Möglichkeit besteht, eine der außergewöhnlichsten und besten Bands dieses Landes in Höchstform live zu erleben, allen anderen bietet sich eine wunderbare Gelegenheit, sich selbst davon zu überzeugen, dass sämtliche Lobeshymnen auf dieses Duo vollauf ihre Berechtigung haben und hier keinesfalls übertrieben wird.(mt)

 

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