ARGEkultur Salzburg 2015

Für das Jahr 2015 hat sich die ARGEkultur Salzburg drei zentrale Kernbereiche vorgenommen und will so als Produzentin, Veranstalterin und Netzwerkpartnerin interdisziplinäre Verbindungen für das zeitgenössische Kunst- und Kulturschaffen im Raum Salzburg und darüber hinaus schaffen, wozu auch die Funktion als Auftraggeberin für innovatives Kulturschaffen gehört.

Damit bleibt die ARGEkultur ihrem bisher eingeschlagenen Weg als Partnerin für Kooperationen mit freischaffenden KünstlerInnen sowie zahlreichen zivilgesellschaftlichen Initiativen und NGOs aus den Bereichen Kultur, Politik und Bildung treu, fokussiert ihn jedoch auch. Auch für 2015 ist das Ziel klar: die Ermöglichung von Freiräumen für nicht kommerzielle, experimentelle und gesellschaftskritische Kunst und Kultur.

Als Produktionspartnerin wird die ARGEkultur daher 2015 vier neue Projekte realisieren. Dazu gehören die Theaterproduktion „Monster zertrampeln Hochhäuser“ (zu den Themen Finanzkrise, billiges Geld, Baukredite und Wohnungsnot) im Mai, das Taschenopernfestival Salzburg 2015 im September, die Tanztheaterproduktion „RUST. bodies in concert“ im Oktober und das Robotertheaterstück „Frankenstein“ im Rahmen des Open Mind Festivals 2015, das diesmal unter dem Motto „Ich ist eine andere“ steht, im November.

Neben Schwerpunkten in den Bereichen Kabarett, Kleinkunst, Poetry Slam, Literatur (hier sind vor allem die für Dezember 2015 erstmals geplanten „Kritischen Literaturtage“ hervorzuheben), Tanz/Theater (etwa die „VolXtheaterwerkstatt“ in Kooperation mit dem Theater ecce) gibt es Workshops für SchülerInnen in Zusammenarbeit mit der Arbeiterkammer Salzburg und Workshops zum Thema „Armut und Betteln“ für Kinder im Volksschulalter in Zusammenarbeit mit dem Friedensbüro Salzburg und auch ein umfangreiches Musikprogramm quer durch alle Genres.

Neue Musik, Tanz, Theater

Zu erwähnen ist hier das Taschenopernfestival Salzburg 2015, welches heuer unter dem Motto „Sirenen – Wer keine Fragen stellt, hört auch keine Lügen“ steht. Das Taschenoperfestival – eine Koproduktion von Klang21 und ARGEkultur – findet heuer von 16. bis 29. September 2015 statt und plant die Produktion und Uraufführung von fünf Musiktheaterwerken. Thematische Grundlage und inhaltlicher Ausgangspunkt für die Stücke sind die beiden ersten Seiten des 11. Kapitels aus „Ulysses“ von James Joyce (von diesem selbst als „Sirenen-Episode“ bezeichnet). In ihrem Zentrum stehen Ursprung und Wirkung der Musik und des Gesangs. Joyce‘ sprachliches Spiel mit der Wahrnehmung wird zum Impulsgeber für Musiktheater als Spiel mit der Wahrnehmung. Gegenwärtig wird überall von multimedialer Reizüberflutung der Sinne gesprochen. Wann wird Gesang in der Szene unausweichlich und bezwingend wie der Gesang der Sirenen?

Fünf junge Komponistinnen werden dieser Frage beim Taschenopernfestival Salzburg 2015 nachgehen: Brigitta Muntendorf (Köln/D, Förderpreis der Ernst von Siemens Musikstiftung 2014), Sarah Nemtsov (Köln/D, Busoni-Kompositionspreis 2013), Jagoda Szmytka (PL/D, Staubach-Honoraria-Preis 2012), Ann Cleare (IRL, Staubach-Honoraria-Preis 2014) und Wen Liu (CH/A, Kompositionspreis Ö1-Talentebörse 2012).

Inszenieren werden dabei sowohl der künstlerische Leiter des Taschenopernfestivals Salzburg 2015, Thierry Bruehl, und die Regisseure Ernst M. Binder (Leiter drama.graz), Paul-Georg Dittrich (Opernstudio Hamburg) und Kristof Georgen (Stuttgart). Hans-Peter Jahn (langjähriger Leiter des Eclat Festivals Stuttgart und Neue-Musik-Chef des SWR) und Johannes Blum (Staatsoper Hamburg) begleiten die Taschenopern 2015 als Dramaturgen.
Die musikalische Leitung hat erneut Juan García Rodríguez (Sevilla), musikalischer Partner der Taschenopern 2015 ist – bereits zum vierten Mal – das oenm – österreichisches ensemble für neue musik.

Mit einem ebenfalls verstärkten musikalischen Gewicht präsentiert sich auch die Tanztheaterproduktion „RUST. bodies in concert“. Diese Koproduktion der Editta Braun Company mit dem Manipulate Festival Edinburgh, dem Posthof Linz und der ARGEkultur findet von 14. bis 17. Oktober 2015 statt und stellt den letzten Teil der Trilogie zum Bewegungsthema „Luvos“ dar. Dabei soll „RUST. bodies in concert“ nicht nur Neuland erkunden, sondern auch zeigen, wie sich die Zusammenarbeit zwischen Editta Braun (Choreografie) und Thierry Zaboitzeff (Komposition) im Zuge der Trilogie entwickelt hat. Also, wie sich die Aspekte Tanz und Musik zu gegenseitigen Transformationen angeregt haben. Deshalb wird auf der Bühne neben den TänzerInnen auch die türkische Konzertpianistin Ayse Deniz Gokcin (Shootingstar der klassischen Musik, welche derzeit mit ihren von Liszt inspirierten Pink-Floyd– und Nirvana-Arrangements für Solopiano weltweit Furore macht) auf der Bühne zu sehen und zu hören sein. Die in London lebende Pianistin wird dabei Kompositionen von Thierry Zaboitzeff arrangieren und live umsetzen.

Gender & Identität

Mit „Romeo und Julia rebooted“ (einer Koveranstaltung von zahara produktion und ARGEkultur, die von 13. bis 18. März 2015 zu sehen sein wird) werden schließlich die klassischen Shakespeare-Verse als „One-Woman-Show“ im Mix von Schauspiel (Sarah Zaharanski) und DJ-Techniken (von DJ Xrated, einem Hip-Hop-Producer aus dem Team der Snowgoons-DJs) präsentiert. Die ARGEkultur dazu: „Die zeitgenössische Interpretation eröffnet sich nicht zuletzt durch die aktive Sprache des DJs, der Musik und Soundsamples in die Performance einfließen lässt.“

Nicht vergessen dürfen wir in diesem Zusammenhang auch das heurige Open Mind Festival, welches sich von 12. bis 22. November 2015 mittels quer durch die Genres gehenden Projekten dem Thema „Ich ist eine andere“ widmen wird. Unter diesem abgewandelten Motto von Arthur Rimbaud („Ich ist ein anderer“) wird sich das Festival mit der Konstruktion von Identität und Rollenbildern sowie dem Körper als Kunst- und Projektionsfläche beschäftigen. Zwischen künstlerischer Verklärung und realen Abhängigkeiten, Beruf und Berufung, Exklusion und Inklusion, digitalem Ich und Selbstauflösung sowie Popkultur und Philosophie liegen die auszuleuchtenden Pole, die lustvoll definiert und kritisch hinterfragt werden sollen. Ein Fokus wird auf die Analyse der – vor allem weiblichen – individuellen Identitätsbildung und der damit behafteten Fantasien, Stereotype, Machtüberschreitungen und Rebellion gegen diese konfliktgeladenen Bereiche gelegt werden.

Pop zwischen Party und Elektronikland

Im „reinen“ Musikbereich positioniert sich die ARGEkultur auch 2015 als gleichsam zwischen den Stühlen „Popmusik“ und „neue Musik“ agierend. Im Produktionsbereich steht die neue Musik im Zentrum – und das nicht nur beim zuvor schon erwähnten Taschenopernfestival. Darüber hinaus wird die ARGEkultur im März 2015 auch Aufführungsort der salzburg biennale sein. Ebenso werden SchülerInnen des Musikums Salzburg ihr Können in der ARGEkultur präsentieren.

Im Bereich Popmusik führt die ARGEkultur ihre lange Tradition als Konzertveranstalterin fort. Besonders MusikerInnen aus Österreich finden daher, einmal in der ARGEkultur angekommen, oftmals die Möglichkeit, regelmäßig neue Songs und Releases zu präsentieren.

Die Veranstaltungsreihe Roter Salon ist seit vielen Jahren das Forum für neue Popmusik aus Österreich, 2015 zeigt sich aber speziell, welche ausgezeichnete Musik aus Salzburg kommt: Nigrita & the Mellowbeats, Renato Unterberg, The Talisman Collection und Blank Manuskript haben bereits die Qualität und den Zuspruch, um den großen Saal in der ARGEkultur zu füllen.

Regelmäßige Veranstaltungsreihen sind 2015 auch der Klub 77 sowie der Sub Club (bzw. Kollektiv Tanzbar), der den Tubeklub als Forum für elektronische Musik ablöst. Diese Formate sind auch aufgrund engagierter regionaler VeranstalterInnen möglich und bilden einen bewussten, nicht kommerziellen Rahmen für alternative Musikformen.

Apropos elektronische Musik: Auch 2015 wird wieder der Salzburger Landespreis für elektronische Musik „Elektronikland 2015“ ausgeschrieben! Der seit 2003 biennal ausgeschriebene Preis hat sich zu einem anerkannten Forum für neues Musikschaffen entwickelt und zeichnet die ganze Bandbreite der experimentellen elektronischen Musik ab. Das Preisgeld von 9000 Euro wird auf Empfehlung einer unabhängigen Fachjury vom Land Salzburg vergeben. Die Jurysitzung wird – wie schon 2013 – öffentlich sein und als Stream im Internet (!) angeboten. Die Ausschreibung erfolgt im März 2015; im Herbst 2015 werden die PreisträgerInnen gekürt. Neben dem Preisgeld erwartet die PreisträgerInnen ein Auftritt in der ARGEkultur, weiters publizieren wir eine Compilation mit allen ausgezeichneten Einreichungen (nähere Infos dazu demnächst).

Zu den jetzt schon fixierten Konzert-Highlights gehören u. a. Ernst Molden & Der Nino aus Wien (15. April), Nigrita & the Mellowbeats (17. April), Roland Neuwirth & Extremschrammeln (22. April), Peter Licht (12. Mai), Familie Lässig (28. Mai), Blank Manuskript (29. Mai) Renato Unterberg (3. Juni), New Balkan Sounds Vol. 2 (9. Oktober) und Ami/Meetin’ Moa (30. Jänner), Dawa/Dust Covered Carpets (20. März), Hustle and Drone (24. April), Bernhard Eder/Peter Piek (22. Mai) im Rahmen der Reihe Roter Salon.

Und weil die ARGEkultur am 3. Oktober 2015 ihr 10-jähriges Bestehen im neuen Haus feiert, wird es dazu auch ein großes Geburtstagsfest geben, bei dem u. a. Bands wie Attwenger, Gin Ga und die Newcomer Wanda zu hören sein werden.

Somit wird die ARGEkultur 2015 ca. 300 Veranstaltungen durchführen und erwartet – wie in den letzten Jahren – mehr als 35.000 BesucherInnen.

Didi Neidhart

Jahresübersicht ausgewählter Projekte und Veranstaltungen in der ARGEkultur 2015
33. MotzArt Kabarett Festival (1. bis 8. Februar)
Salzburger Performancetage 2015 (28. März bis 3. April)
Kinderkulturwoche (30. März bis 6. April)
„Monster zertrampeln Hochhäuser“ (9. bis 15. Mai)
Sommerszene Salzburg (24. Juni bis 2. Juli)
Taschenopernfestival 2015 (16. bis 29. September)
„RUST. bodies in concert“ (12. bis 16. Oktober)
Open Mind Festival 2015 (12. bis 22. November)
Kritische Literaturtage 2015 (4. bis 6. Dezember)
Foto oenm – österreichisches ensemble für neue musik © oenm.at
Foto Editta Braunn © Thierry Zaboitzeff
Foto Ernst Molden & Der Nino aus Wien © Ronnie Niedermeyer