
Dass er die Kunst des Metaphernkreierens und Wortschmiedens an billigem Daherschmalzen vorbei beherrscht, bewies Pucher bereits in der Vergangenheit nicht nur durch Theaterstücke, Gedichte und Buchveröffentlichungen. Nun legt er sein kupfernes Herz auf seine Zunge, die wirbelnden Finger auf Stahlsaiten und erhebt die Stimme zum Gesang. „Hätt i no wos zum Sogn ghobt, hätt i a Postkoatn gschriebn …“
Mit der Intention, auf Tonträger zu bringen, was die ZuhörerInnen live erwarten wird, findet man auf „So und so“ Singer-Songwriting „nackt“, wie der Musikgott es schuf: nur den Sänger selbst und seine Gitarre, vielleicht einen Shaker. Mit Ausnahme von Kleinigkeiten bescheidet sich die Besetzung auf das Dienlichste, und was der Musiker aus dem Saiteninstrument herausholt, inszeniert den Inhalt optimal. Die Schlichtheit dieser Gattung ist seine größte Stärke, gibt sie doch dem Text die große Chance, nicht nur gehört, sondern auch verstanden zu werden, was bei einem talentierten Poeten wie Walter Pucher alles andere als ein Fehler ist.
Wos is, wos ned is …

Nicht nur offen für Gitarrenstimmungen
Mit einem Gespür für „Common Ground“ haucht der „Seifenblosnmaschinist“ außerdem einem uralten Folksong seine persönliche Note ein und schlägt im Dreivierteltakt eine passende Brücke zwischen Wien und New Orleans. Spielerisch sprühen bei seinem Bluesspiel die Funken der Erotik nicht nur im Text und wenn ein Walter Pucher von „Schmettalingen“ singt, dann darf man sicher sein, dass er etwas ganz Besonderes daraus macht. Überzeugen davon kann man sich zum Beispiel beim CD-Release-Konzert am 8. Mai 2015 im Wiener Nachtasyl.
Das ganze Album ist so und so eine sehr feine Liedersammlung eines Künstlers, der es versteht, Gefühlsmomenten in ausgewählten Worten und Stimmungen in gefälligen, gitarrenumrahmten Melodien auf einer Art Ausdruck zu verleihen, die aufhorchen und zuhören lässt.
Alexandra Leitner
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Walter Pucher