Vienna Club Commission
Vienna Club Commission Team (c) Christoph Liebentritt

10 Fragen an die Vienna Club Commission

Ein paar Fragen werden der VIENNA CLUB COMMISSION häufiger gestellt als andere. Hier sind zehn beliebte Fragen und dazu Antworten.

Wofür geht das ganze Geld drauf?

Das Pilotprojekt Vienna Club Commission wird mit 290.000 Euro auf ein Jahr gefördert. Diese Mittel wurden von mica – music austria für mehrere Projekte geplant, allen voran Erhebungen. Sie stellen sicher, dass sich die Stelle von Anfang an auf sinnvolle Aktivitäten konzentrieren, dass Prioritäten richtig gesetzt und der laufende Betrieb der Vienna Club Commission vorbereitet werden kann. Dazu wird der konkrete Bedarf der Szene nach Know How und Vermittlung erhoben, die Sichtweise von Behörden, um sinnvolle Vermittlung aufsetzen zu können, zudem welche Services es bereits gibt und welche Kooperationen sinnvoll sind. Wie Club Commissions in anderen Städten funktionieren, fließt ebenfalls ein. Geleistet wird das von einem Team an Angestellten und freien Mitarbeiter*innen, die etwa zwei Drittel des Gesamtbudgets ausmachen. Das restliche Drittel des Budgets betrifft externe Leistungen für Kommunikation, Marketing, Expert*innen, die Auswertung der Erhebungen oder Organisationsentwicklung sowie Versicherung, EDV, Spesen und Büromaterial.

Woran habt ihr seit Jahresbeginn gearbeitet?

Bis Juni wurden alle 23 Bezirksvorstehungen befragt, die meisten davon persönlich. Bis zum Covid-19-Lockdown gab es 63 Treffen mit mehreren Magistraten (7, 18, 36, 42, 48), mit Wirtschaftsagentur Wien, Wirtschaftskammer, WienTourismus, Vienna Film Commission, Betriebsanlagenservice der WKO Wien, Magistratischen Bezirksämtern, Gruppe Sofortmaßnahmen, Sucht- und Drogenkoordination der Stadt Wien und vielen mehr. Es wurden Vernetzungstreffen und Fokusgruppen mit insgesamt rund 120 Teilnehmer*innen aufgesetzt. Es wurden außerdem Covid-19-Hilfen ausgearbeitet, United We Stream organisiert (neben neun lokalen Streams auch drei Arte Concert Streams mit bis zu 146.000 Views nur auf Facebook), mehrere Papers zu Lösungen in der neuen Covid-19-Normalität verfasst, die an Bund und Land gingen – auch im direkten Austausch mit Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Seit März gab es 84 nationale und 6 internationale Medienberichte. Wer auf dem Laufenden bleiben möchte, kann das etwa über den Newsletter tun, über den Blog, Facebook und Instagram.

Warum wird das Geld nicht dafür verwendet, um Clubs zu helfen?

Die Vienna Club Commission soll sicherstellen, dass Ressourcen in der Szene effizienter eingesetzt werden können, dass also Clubkultur durch Know How, Services und Vermittlung mittelfristig besser dasteht. Einmalhilfen wären demgegenüber ein Tropfen auf den heißen Stein. Durch Covid-19 konnten aber nicht alle geplanten Projekte wie vorgesehen umgesetzt werden, so bleibt das Reisebudget etwa großteils ungenutzt. Diese Budgets wurden deshalb umgeschichtet für Rechtsberatungen, die Ausarbeitung von politischen Papers oder für United We Stream.

Warum wurden die Stellen bei der Vienna Club Commission nicht ausgeschrieben?

Dazu war die Zeit zu knapp. Die Rahmenbedingung für das Pilotprojekt Vienna Club Commission war, dass es im Jahr 2020 abgeschlossen werden muss. Deswegen war klar, dass bei einer Förderzusage im Dezember 2019 die Tätigkeit unmittelbar aufgenommen werden musste. Dennoch wurden zahlreiche Gespräche mit Kandidat*innen aus dem Umfeld der Initiativen geführt, die sich für das Zustandekommen des Projekts eingesetzt hatten.

Für wen ist die Vienna Club Commission da?

Für die Wiener Clubkultur. Dazu zählen wir Betreiber*innen von Wiener Clubs und Musikspielstätten, Veranstalter*innen, aber auch Club-Arbeitnehmer*innen, Politik, Verwaltung, Anrainer*innen und Publikum. Sie alle sind Zielgruppe. Beratungen und Workshops werden sich dabei zuerst an Clubs richten, von der gezielten Vernetzung mit MA 7 Kultur, Bezirken, Parteien und Verwaltung werden mittelbar auch Publikum und Anrainer*innen viel haben. Und wenn endlich allgemein bekannt ist, dass in der Clubkultur viele Kulturschaffende arbeiten und wachsen, hat die Vienna Club Commission vielleicht sogar ein Stück immaterielles Kulturgut identifiziert.

Wie kann man sich einbringen?

Es gibt mehrere Wege. Zum einen gibt es einzelne Projekte. Im Rahmen des Pilotprojektes Vienna Club Commission kann und soll nicht alles durch das fix angestellte Team erledigt werden. Einzelne Projekte können konzipiert und durch die Direktorin von mica – music austria abgesegnet werden. Zweitens ist Vernetzung erwünscht. Diese kann über Mail, Social Media, Telefon, Treffen auf Zoom, Treffen im echten Leben passieren. Außerdem gehören dazu Fokusgruppen. Diese treffen sich zu bestimmten Themen, um strukturiert Feedback zu sammeln und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. So wurden etwa die Papers zu Lösungen für die Clubkultur mit diesen ausgearbeitet. Zu United We Stream gibt es einen Call For Streams. Darüber hinaus freut sich die Vienna Club Commission immer über Verbesserungsvorschläge, konstruktive Kritik und Anregungen aller Art (Kontakt hier).

Ist die Vienna Club Commission eine Interessenvertretung?

Nein. Die Vienna Club Commission ist eine Service- und Vernetzungsstelle. Services in der Form von Beratungen, Workshops und Online-Praxiswissen sind wichtige Säulen der Arbeit. Ebenso wichtig ist aber auch, dass Probleme und Lösungen an jene weitergegeben werden, die es betrifft, von Clubkultur an andere und zur Clubkultur hin. Dass vermittelt wird, welche Maßnahmen welche Ergebnisse erwarten lassen. Dass Interessen also mit jenen anderer Gruppierungen vereinbart werden können. Der Unterschied zur Interessenvertretung ist, dass die Vienna Club Commission zwar im Interesse von Clubbetreiber*innen und Veranstalter*innen arbeitet, jedoch einen breiteren Blick darauf legt die unmittelbaren Stakeholder einzubinden, um möglichst alle Interessen zu harmonisieren. Das Wissen über sinnvolle Maßnahmen kommt aus der Szene, die im engen Austausch – etwa in der Form von Fokusgruppen – sachliche Informationen einbringt.

Wann wird aus dem Pilotprojekt die “echte” Vienna Club Commission?

Das Pilotprojekt ist für ein Jahr gefördert. Die Fortführung der Vienna Club Commission ist eine politische Entscheidung. Vorläufig ist das Ziel des Pilotprojekts, eine Verlängerung um mehrere Monate zu erwirken, weil sich durch die besonderen Herausforderungen durch Covid-19 auch die Anforderungen an einen Regelbetrieb der Vienna Club Commission verändert haben.

Was macht ihr zum Neuen Veranstaltungsgesetz in Wien?

Anfang Dezember 2019 konnten Stellungnahmen zum Gesetzesentwurf abgegeben werden. Es gab damals noch kein Pilotprojekt Vienna Club Commission. Trotzdem hat sich eine Gruppe von Menschen in ihrer Freizeit getroffen, um eine Stellungnahme zu schreiben. Dies waren Martina Brunner (N8BM), Tobias Kovar (celeste), Stefan Niederwieser (Co-Autor Forschungsbericht Clubkultur Wien), Stefan Stürzer (Das Werk), Martin Wagner (fluc). Die Stellungnahme wurde am 11. Dezember 2019 an die MA 36 übermittelt. Diese durfte aufgrund der Verfahrensregelung nicht veröffentlicht werden, weil diese Gruppe damals keine offizielle Stelle repräsentiert hat.

Es gibt doch schon XYZ, braucht es überhaupt eine Vienna Club Commission?

Ja. Die Vienna Club Commission wurde dringend von der Szene eingefordert. Sie füllt eine Leerstelle im Serviceangebot der Stadt. Sie bietet Services für alle Veranstalter*innen und Betreiber*innen von Musikspielstätten an und verfügt über Know How aus einer Hand. Bestehende Services – so das Ergebnis der Erhebung von Servicestellen im Veranstaltungskontext – haben ihre Beratungsangebote beschränkt, etwa auf Unternehmen, auf eine geförderte Szene oder auf laufende Genehmigungsverfahren. Vermittlungsarbeit wäre dringend nötig. Workshops werden äußerst selten angeboten. Know How ist sehr fragmentiert, so finden etwa strukturierte Recherchen zu Lösungsmodellen nicht statt, ein Online-Praxiswissen zu allen Bereichen von Betriebsanlagen steht nicht zur Verfügung, ebenso wenig ein Expert*innen-Pool. Zudem werden die unterschiedlichen Stakeholder derzeit nicht vernetzt, danach gibt es etwa auf Bezirksebene – so das klare Ergebnis unseres Bezirksberichts – einen starken Wunsch.