
Soap & Skins Präsenz auf der Bühne ist ein fesselndes wie beklemmendes Ereignis, ein Schauspiel der intensivsten Art, eine Naturgewalt, die unvorhergesehen hereinbricht und jeden einfach mit sich zieht. Sie wirkt wie eine allumfassende Kraft, die, wie ein Schwarzes Loch alle Materie und alles Licht in sich aufsaugt, die Aufmerksamkeit und Energie des Publikums im Punkt des emotional dichtesten atmosphärischen Zustands kumulieren lässt. Niemanden lässt ein Konzert der heute 21-Jährigen kalt. Es umgibt die gebürtige Steirerin ein sich niemals offenbarendes Geheimnis. Sie wirkt aus der Distanz und scheint, obwohl sie ihr innerstes Seelenleben nach außen kehrt, tatsächlich nur wenig von diesem preiszugeben. Dennoch ist „Narrow“ das vermutlich bislang persönlichste Statement der gebürtigen Steirerin geworden.
Wie schon auf ihrem Erstlingswerk “Lovetune For Vacuum“ treibt Anja Plaschg auch in ihren acht neuen Stücken das Wechselspiel zwischen der Zurückhaltung und großen dramatischen Ausbrüchen an die Spitze. Mit einem Klavier und einigen elektronischen Spielrein erneut eher spärlich instrumentiert (neu sind dezent eingesetzte Streicher und Chöre) eröffnet sich die als “verschlossen” geltende Künstlerin jenen Raum, welchen sie braucht, um sich voll entfalten zu können, ihrer Kunst die Geltung zu verschaffen. Eine fröhliche Musik ist die der aus der Steiermark stammenden Künstlerin nie gewesen und sie ist auch auf „Narrow“ nicht. Ihre Stücke offenbaren sich einmal mehr als Vehikel für den Ausdruck ihrer inneren Zerrissenheit, sie sind schlicht die zum Klang gebrachte Verzweiflung. Der Kunstgriff, den Soap&Skin bekanntermaßen beherrscht wie kaum eine andere, ist jener, in ihren Stücken niemals ins Klischeehafte oder Mitleidige abzurutschen. So steht der beklemmende Eröffnungstrack des Minialbums, „Vater“, exemplarisch für das gesamte Album. Die Musikerin besingt den Tod ihres Vaters, und das, ohne aufgesetzte Maskerade, mit dem authentischsten und ehrlichsten Gefühl der Trauer.
Mit “Narrow” (VÖ: 10.2) ist Soap&Skin einmal mehr ein mehr als beeindruckendes Stück Musik gelungen, eines, welches Ausnahmestellung der Künstlerin erneut eindrucksvoll unterstreicht und auch nach vielen, vielen Durchläufen zu berühren und faszinieren weiß. (mt)
Termine:
10.2. Arena, Wien
12.2. Volksbühne, Berlin (DE)
15.2. Posthof, Linz
16.2. Orpheum, Graz