Singer/Songwriter-Projekte gibt es wie Sand im Meer, bereits so viele, dass man als Freund von andächtigen Folk-Klängen und eindringlichen Texten oft die Übersicht verliert. Das Konstrukt Zaubernuss, dass sich aus Flora Schnee sowie Ali Knoblauch zusammensetzt, zeichnet sich nicht nur durch Naturverbundenheit, sowie die Assoziationen zum Gärtnern („Gartenlied Zwei“ und „Geh Doch in den Garten“), sondern auch durch ihr gekonntes Songwriting aus, das den Charme von deutschen Liedermacher versprüht. Überhaupt erinnern die gesanglichen Passagen bzw. das Timbre stark an Funny Van Dannen oder an Sven Regener (Element Of Crime).
Der Titel ihres im Jahr 2011 erschienene Debüts „Wir sind da und nichts bewegt sich“ trifft den Sound sowie die Stimmung des Duos genau auf den Punkt, denn wenn man die Beiden beim Musizieren belauscht, hat man nichts anderes im Sinn, als gebannt auf seinem gemütlichen Couchsessel zu sitzen und sich von ihren Songs belustigen oder verzaubern zu lassen. Für die passende Aufnahme, Bearbeitung und Mix haben sie niemanden geringeren als Jürgen Plank von Lindo Records beauftragt, der sich bereits mit ähnlich klingenden Projekten wie The Wichita oder dem Christian Masser-Album vorgestellt hatte. Für das Mastering konnten sie Mike Wolff von dem im WUK positionierten Studio melonFM gewinnen. Das Album erschien bei ihrem eigene Label GehBitte Records, das sie erst kürzlich, bevor sie „Jetzt raus!“ veröffentlichten, im selben Jahr gründeten.
„Zaubernuss“ punkten maßgeblich mit simplen, aber durchaus unterhaltsamen wie nachvollziehbaren Texten, mit denen sie gekonnt sowohl eine sensible, als auch eine humorvolle Seite zeigen können. Zu den großen Highlights des Albums gehören das humorvolle „Ferdl“, das die Geschichte eines verführerischen Regenwurms erzählt, das traurige Trennungslied „Du träumst noch immer“ sowie das lebensbejahende sowie aufklärende „Tag der Menschheit“, das sogar am Schluss die Verzweiflung als eine „Reise ins ich“ abserviert.
Im Gegensatz zu ihrem Debüt ist das Instrumentarium um Einiges erweitert worden, zuvor gab es eine unaufdringliche Gitarrenbegleitung, nun gibt es auf „Jetzt raus!“ Einsätze von Blockflöte, Piano, Melodika, Geige, Rasselei, Mundharmonika, Glockenspiel, Bass und sogar Perkussion und Orgel, damit nicht nur mehr der Text im Fokus steht, sondern auch das musikalische Gewand. Eine weitere Änderung ist der Verzicht auf englische Songs (mit einer kleineren Ausnahme von dem Refrain von „Und er hat Premiere“), welcher sich als kluger Schritt erweist, denn die deutschen Lyrics stehen den beiden deutlich besser und sind durchaus glaubwürdiger.
Mit „Jetzt raus!“ haben Zaubernuss ein Album rausgebracht, dass einem zum Nachdenken, Mitfühlen und Lachen anregt. Fans von deutschen Liedermachern sollten einen kleinen Gehörausflug wagen.
Philipp Bonell
Foto: Clemens Kritzer
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Zaubernuss