
Es ist wohl Wolfgang Muthspiels persönlichstes musikalisches Statement, welches man auf Vienna naked zu hören bekommt. Sich so nah wie selten zuvor an den Popkontext heranwagend, hat der Ausnahmegitarrist sehr vielschichtige Songs entstehen lassen, die ihn von einer bislang wenig bekannten Seite zeigen. Und das nicht nur, weil er sich diesmal auch als Sänger versucht. Sich stilistisch irgendwo zwischen den Polen Folk, Country und Rock bewegend, entwirft der 1965 im steirischen Judenburg geborene und bereits mehrfach ausgezeichnete Musiker seine ganz eigene Interpretation des modernen Liedermachertums, eine, die auf wunderbare Weise auf den Punkt kommt und eine ungemein dichte Atmosphäre erzeugt. Wiewohl er als Einflüsse Joni Mitchell, die Beatles, Bob Dylan, The Police, Leonard Cohen oder Prince anführt, ist es dann doch ein gänzlich eigenständiger Pfad, welchen Wolfgang Muthspiel beschreitet.
Das klangliche Spektrum seiner neuen Stücke ist weit gefasst und reicht von dezenten, melancholischen und Gänsehaut erzeugenden Momenten bis hin zu rockig anmutenden Spielerein. Musikalisch auf einmal mehr auch höchstem Niveau angesiedelt, erwächst Vienna naked im Ganzen dann aber doch erst durch den sehr eindringlichen und ausdruckstarken Gesang Muthspiels zu einem intensiven Hörerlebnis. Mit klarer, aber doch auch sehr verletzlich wirkender Stimme spannt der Gitarrist einen vom ersten bis zum letzten Ton reichenden Spannungsbogen, der eine fast schon magische Anziehungskraft ausübt. Es ist nahezu unmöglich, nicht von den Liedern gepackt zu werden. (mt)
Foto Wolfgang Muthspiel: Laura Pleifer, lauraplei@me.com