Wladimir Pantchev: Geburtstagskonzert in der Alten Schmiede

Am 11. Jänner feierte Wladimir Pantchev seinen 60. Geburtstag und am kommenden Samstag widmen ihm mehrere Ensembles in der Alten Schmiede eine schöne Hommage. Wladimir Pantchev: ein außergewöhnlicher, europaweit anerkannter  Komponist, der seit 1991 in Wien lebt und dessen Produktivität und Schaffenskraft hier ihren Zenit erreicht hat und bis heute – siehe jüngste Werke, darunter eine Uraufführung – ungebrochen ist. Das mica gratuliert mit einem Wunsch: Man sollte sich mehr mit dem Werk Pantchevs beschäftigen und es endlich verlegen!

Ethnologische SynthesearbeitDer in Sofia geborene Komponist steht in seinem innovativen Bezug zur Folklore in der Tradition von Strawinsky, Bartok, Enescu oder Ligeti. René Staar, Leiter des Ensembles Wiener Collage, würdigte ihn vor einigen Jahren in der Österreichischen Musikzeitschrift (ÖMZ 06/2003): “Pantchev dient die Folklore geradezu als schützender Schild gegenüber einem artifiziell-nivellierenden Zeitgeist. Ursprünglich ist dies die Kraft der Volksmusik Bulgariens und der slawischen Kirchenmusik, seit seiner Übersiedlung jedoch erweitert sich sein Interesse auf das universelle Feld aller Volkstraditionen, so auch auf die österreichische Folklore (z. B. in seinem mitreißenden Quartett XIII aus seinem Zyklus Quartette… Quartette), speziell auch auf indische Traditionen (z. B. Krishna-Spiele für Flöte und Kammerensemble).

 

Pantchev war bereits ein anerkannter Musiker in Bulgarien, arbeitete u. a. am Nationaltheater in Sofia und als Kammermusikprofessor an der Musikakademie Sofia, als er sich aus familiären Gründen entschloss, nach Österreich umzuziehen. Ein Neustart mit vielen Hürden und Hindernissen, aber auch einigen vielversprechenden Kompositionsaufträgen (Klangforum, Ensemble On Line, Ensemble Wiener Collage, Wiener Streichersextett). Eines seiner ersten in Österreich entstandenen Stücke ist dem Andenken eines seiner großen Lehrer und Freunde gewidmet. Diese Hommage á Edison Denisov (1996/97), für Klarinette, Saxophon, Violine und Klavier komponiert, ist ein unheimliches Stück voller Bezüge auf Osteuropa und Rußland. Wohl kein anderer österreichischer Komponist könnte ein derartiges Werk komponieren.

 

Seine Ausbildung als Komponist fand zum Großteil in Sofia statt. Werke wie z. B. die Partita für zwei Violinen (1977) oder Wettspiel für Streichorchester und Schlagzeug (1991) markieren Eckpunkte seiner dortigen Entwicklung.

 

Pantchev ist ein Komponist, der heute im Zenit seines Schaffens steht. Dies beweisen die drei ersten Konzertstücke für diverse Soloinstrumente und Kammerorchester/-ensemble, die Pantchev zwischen 2001 und 2003 schrieb: Konzertstück für Kontrabass und Kammerensemble (2001), die bereits erwähnten Krishna-Spiele (2002/03) und das (.) Konzertstück für Trompete und Kammerensemble.” (René Staar).

 

Die Liste von 2003 lässt sich fortsetzen. Die 2004 im Schömerhaus uraufgeführten Lalita-Gesänge für Solo-Posaune und sechs Instrumentalisten etwa nehmen wiederum Bezug auf die indische Mythologie. Zwischen 2004 und 2006 entstanden weitere kammermusikalische Werke wie da Trio Notturno, Movements (für sechs Spieler), Köleda für zwei Soprane und Ensemble oder “Mozart-Unvollendete” für drei Klarinetten.

Letzteres Werk kann man, interpretiert vom Ensemble Clarinettissimo, kommenden Samstag in der “Schmiede” hören, weiters (vom ensemble reconsil interpretiert) die Movements. Als Uraufführung erklingt das neue Werk Body-Resonance für Vokal- und Instrumentalquartett. Und noch eine Komposition, dargeboten vom Duo Canto Viola damore, dessen Gründung sich einer Anregung Pantchevs verdankt: “An die Möwe” für Stimme und Viola d’Amore .
Heinz Rögl

 

PORTRÄT WLADIMIR PANTCHEV zum 60. Geburtstag
Schönlaterngasse 9
1010 Wien
Beginn 17 Uhr – Alte Schmiede

 

Programm:
Movements für sechs Instrumente (2005): Ensemble Reconsil
An die Möwe für Stimme und Viola damore (1996): Duo Canto Viola damore
Mozart-Unvollendete für 3 Klarinetten (2006): Ensemble Clarinettissimo
Body Resonance für Vokal- und Instrumentalquartett (2007, UA): GROSS-NOVA-ENSEMBLE

 

Fotos: (1) Wladimir Pantchev, (2) Partiturausschnitt aus Krishna-Spiele