„Mort au printemps“ – mit einem französischen Titel hat das aus Spanien stammende Klavierduo Antón & Maite seine neueste CD versehen. Für Österreich gehen die Pianistin und der Pianist im Rahmen des Projekts „NASOM. The New Austrian Sound of Music“ des heimischen Außenministeriums als musikalische Botschafter auf Reisen. Wie das alles kam, erzählen die Künstlerin und der Künstler, die schon mehr als 100 Konzerte auf vier Kontinenten gaben und in namhaften Konzertstätten wie Palau de la Musica Catalana, Musikverein Graz und Krakauer Philharmonie auftraten, im mica-Interview mit Theresa Steininger.
Wie war es für Sie, als Künstlerin und Künstler aus Spanien für das NASOM Projekt ausgewählt zu werden?
Antón: Für uns war das eine große Überraschung und Ehre. Wir sind ja seit sieben Jahren in Graz, wo wir unseren Master machten, der für unsere Entwicklung sehr wichtig war.
Maite: Außerdem sind wir sehr eng verbunden mit Österreich, nicht nur, weil wir jetzt hier leben, sondern weil ja das Genre des Klavierduos einst hier geboren wurde. Durch NASOM wollen wir nun in unseren Konzerten dessen Stimme in die Welt tragen. Zudem haben wir gerade ein Projekt entwickelt, das sich Franz Schubert auf der einen Seite und spanischen Volksweisen auf der anderen Seite widmet, die wir für Klavierduo arrangieren. Unsere spanischen Wurzeln verbinden sich also mit einem großen österreichischen Komponisten – und das wollen wir durch NASOM international präsentieren. Wobei wir zuletzt in Madrid bei einem Konzert im Rahmen von NASOM auch unsere neue CD vorgestellt haben.
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Diese widmet sich unter dem Titel „Mort au printemps“ der Vergänglichkeit in Werken von Igor Strawinsky, Claude Debussy und Fernando Remacha. Sie sind dafür bekannt, mit Ihrer Musik immer auch Geschichten transportieren zu wollen – wie hängen diese drei Stücke zusammen?
Antón: Wir möchten mit allem, was wir spielen, immer auch etwas erzählen. Die Vorbereitung für die neue CD ging davon aus, dass wir ein vergessenes Werk von Fernando Remacha erhielten, das er schrieb, als sein Enkel bei einem Unfall starb. Es war für ihn ein höchst persönliches Stück, das viele Jahre in einer Kiste lag. Der Lehrer von Maites Lehrer war mit ihm befreundet, erbte es von ihm und dieser schenkte es uns. Dadurch, dass sich auch Strawinsky, der in seinem von uns ausgewählten „Sacre du Printemps“ ein Mädchen in den Tod tanzen lässt, und Debussy, der hier in „En blanc et noir“ über den Weltkrieg reflektierte, in den von uns für die CD herangezogenen Werken mit dem Tod beschäftigen, verbanden sich die drei ganz homogen und wie selbstverständlich.

Maite: Das Manuskript des Remacha-Werks war komplett unbekannt, es ist auch sein einziges Werk für Klavierduo und wir sind nun die ersten, die es aufgenommen haben. Uns ist es wichtig, es für unser Publikum zugänglich zu machen, auch wenn es für Remacha aufgrund der persönlichen Komponente mit schmerzhaften Erinnerungen verbunden war. Uns ist es immer ein Anliegen, in unserem Repertoire gängige Stücke mit solchen zu mischen, die man weniger oder gar nicht kennt, die uns aber gefallen und liegen.
Welche Rolle spielen für Sie eigene Adaptionen von Werken? Und inwiefern sehen Sie es als Ihr Anliegen, das Repertoire des Klavierduos somit zu erweitern?
Maite: Auf dieser neuen CD haben wir zwar keine eigenen Arrangements, aber sie sind für uns besonders wichtig. Das Genre Klavierduo ist kein sehr weit verbreitetes – auch daher schlagen Programmplaner immer wieder dieselben Stücke vor. Uns ist es ein Anliegen, dass wir nicht nur Mozart, Schubert, Rachmaninow und Strawinsky spielen, sondern auch Repertoire, das man noch wenig kennt – und eben auch Werke, die wir für Klavierduo arrangieren. Wir müssen uns immer wieder dafür einsetzen, dass Konzerte für Klavierduo sich nicht auf wenige Werke beschränken. Es gibt noch so viel Repertoire, das man noch zu wenig kennt – eben beispielsweise das Stück von Remacha, das wir nun aufgenommen haben.
Und dieses ist nicht das einzige vergessene Werk, das Sie ausgegraben haben …
Maite: Ja, wir möchten dem Rechnung tragen, dass das Leben nicht immer gerecht ist … und Komponisten zu Anerkennung verhelfen, die in ihrem Leben keine bekamen, sie aber verdient hätten. Wir sehen es als unsere Aufgabe, nicht nur zu interpretieren, sondern auch neuen Künstlern zu helfen – einerseits solchen, die in der Gegenwart arbeiten, aber auch solchen, die früher übergangen wurden, aber Interessantes hinterließen. Wir sehen das als Teil unserer Arbeit an – abseits des Spielens selbst.
Antón: Gerade Klavierduos kennt man so wenige – und in den Konzerten herrscht wenig Abwechslung. Wir sehen es als unsere Mission an, das Repertoire zu erweitern.
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„Wir versuchen, immer wieder Neues zu bringen, ganz unabhängig von unseren Wurzeln.“
Welche Rolle spielen bei der Programmwahl Nationalitäten, mit denen Sie eine enge Verbindungen haben: Antón wurde in Russland geboren und wuchs in Spanien auf, Maite ist Spanierin, Sie beide leben in Österreich…?
Antón: Ich habe fast mein ganzes Leben in Spanien verbracht und die spanischen Wurzeln sind für mich und für uns beide sehr wichtig. Die spanische Musik ist ganz tief in uns drinnen. Aber wir wollen uns öffnen und Komponisten von überall spielen. Dabei entdeckt man immer wieder Neues. Und man muss auch sagen: Die Musik, die beispielsweise Rachmaninow für zwei Klaviere geschrieben hat, ist nicht dieselbe wie jene für eines. Da kann man eine andere Seite eines Komponisten kennenlernen – und neue Perspektiven aufzeigen. Bei Mozart ist das ähnlich. Wir versuchen, immer wieder Neues zu bringen, ganz unabhängig von unseren Wurzeln.
Wieso ziehen Sie das Spielen im Duo jenem als Solist:innen vor?

Maite: Eine wichtige Frage. Wir kennen einander unser halbes Leben und haben anfangs rein zum Vergnügen gemeinsam gespielt. Wir merkten aber bald, dass es uns guttat. Das gemeinsame Auftreten hat einerseits eine persönliche Seite: Das Leben als Pianist ist normalerweise sehr einsam. Aber als Duo kann man Erlebnisse teilen, sei es Nervosität vor einem Konzert oder Freude danach. Man reist gemeinsam, unterstützt einander. Darüber hinaus bringt es aber andererseits ein ganz anderes Arbeiten mit sich. Wir haben gelernt, zuzuhören, eine gemeinsame Sprache mit unseren Klavieren zu finden. Es ist ein wenig wie ein Tennis-Doppel, wie bei den Williams-Schwestern. Man kennt einander sehr gut, aber jeder hat seine Rolle. Wir entwickeln uns und unsere gemeinsame Musiksprache zusammen.
Antón: Man muss sagen, das geht nicht automatisch, sondern braucht viel Einsatz und Abstimmung aufeinander. Wir bringen verschiedene Ideen ein, die sich dann über die Jahre zu einem gemeinsamen Konzept entwickelt haben. Für uns beide war sehr wichtig, für unseren Master nach Graz zu kommen, denn in Spanien ist das Genre Klavierduo nicht gängig und bekannt. Hier in Österreich haben wir unsere gemeinsame Sprache gefunden, wobei wir noch viel Arbeit vor uns haben. Aber jeden Tag gelangen wir ein Stückchen weiter in die Richtung, in die wir gemeinsam als Künstlerduo gehen wollen. Das ist ein schöner Prozess, bei dem wir nie allein sind.
Welche Rolle haben im Zuge Ihrer Karriere Wettbewerbe gespielt, von denen Sie einige gewonnen haben?
Maite: Ich finde, noch viel mehr als ums Gewinnen geht es dabei um die Ziele, die man sich selbst steckt, und die Frage, ob man sie erreicht. Außerdem hatten wir beide wenige Kontakte in der Branche. Die Wettbewerbe wurden zur Plattform, um sich zu präsentieren und um uns bekannter zu machen. Auch wenn wir nicht gewannen, war immer jemand in der Jury oder im Fachpublikum, durch den sich dann Konzerte oder weitere Schritte ergeben haben.
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Sie haben mehr als 70.000 Follower in Sozialen Medien – wie wichtig ist das?
Antón: Es ist Fluch und Segen für junge Musikerinnen und Musiker. Denn man ist ein wenig verpflichtet, hier präsent zu sein – und das ist viel Arbeit. Andererseits ist es eine gute Möglichkeit, mit dem Publikum in Kontakt zu kommen. Ich sehe es letztlich auch hier als unsere Aufgabe, zu vermitteln, was wir auf der Bühne zeigen wollen. Der Versuchung, einfach Cover-Versionen von Radio-Hits zu spielen, haben wir immer widerstanden, wir stehen für Klassik. Und es ist schön zu sehen, wie wir durch Soziale Medien junge Menschen oder solche, die bisher nicht in Konzerte gingen, erreichen. Letztlich ist es eine andere Art und Weise, unsere Mission zu verfolgen.
Maite: Manchmal ist man erschöpft, weil man schon so viel gearbeitet hat und das letztlich in seiner Freizeit noch zusätzlich macht. Aber wenn wir dann Rückmeldungen von Studierenden bekommen, die sich durch uns inspiriert oder motiviert fühlten, oder von Menschen, die wegen unserer Präsenz zu einem Konzert reisten – dann merkt man, es zahlt sich aus.
Wie sind Ihre Wünsche für die nahe Zukunft?
Maite: Wir möchten, dass unsere CD gefällt. Und dass uns Menschen von verschiedenen Seiten kennenlernen. Auch als Arrangeure wollen wir weitermachen. Wir haben uns immer damit beschäftigt, Schöpfungen von anderen auf das Podium zu bringen. Nun wollen wir auch unsere eigene musikalische Stimme finden. Und durch NASOM hoffen wir, in viele verschiedene Länder zu kommen und unsere Mission dort fortzusetzen.
Herzlichen Dank für das Interview!
Links:
Antón & Maite
Antón & Maite (music austria Musikdatenbank)
