„Wir begannen uns zu fragen, wie weit wir Beethoven und Mozart eigentlich noch weiterentwickeln können […]“ – IGUDESMAN & JOO im mica-Interview

Seit über zwei Jahrzehnten mischen Aleksey Igudesman und Hyung-ki Joo mit virtuoser Spielkunst, anarchischem Humor und liebevollen Seitenhieben auf die Klassikszene die Konzertsäle auf – und haben damit Publikum weit über Genregrenzen hinweg gewonnen. Nun verabschiedet sich das Duo mit einer letzten, bewusst überbordenden Tournee, die die unendlich vielen musikalischen Facetten ihres gemeinsamen Kosmos’ bündelt. Zwischen Mozart-Eskapaden, Bond-Parodien und herrlich verdrehten Opernfantasien ziehen sie ein letztes Mal alle Register ihres Formats, das das starre Konzertmodell so erfolgreich aufgebrochen hat. Die Abschiedsshows führen sie am 17.12. ins Wiener Konzerthaus (mit Cornelius Obonya), am 19.12. ins Brucknerhaus Linz (mit Nina Sophie), am 20.12. ins Kultur Kongress Zentrum Rosenheim und am 22.12. in den Grazer Stefaniensaal (mit Linde Härtel und Jojo Gansch). Im Interview mit Michael Ternai sprechen die beiden musikalischen Entertainer über ihren Versuch, mit ihrem Zugang den traditionellen Klassikbetrieb aufzubrechen, über ihre musikalische Offenheit und darüber, warum sie trotz des Endes ihres Duos keine Wehmut empfinden.

Im Dezember geht ihr auf eure Abschiedstour. Nach vielen erfolgreichen Jahren schließt ihr euer gemeinsames Kapitel.

Aleksey Igudesman: Igudesman & Joo gibt es nun seit 21 Jahren. Wir haben damals in Wien begonnen – unser erstes Konzert fand im Gläsernen Saal des Musikvereins statt. Wir waren überhaupt die Ersten, die dort je gespielt haben.
Ich glaube allerdings nicht, dass das irgendwo offiziell vermerkt ist; vermutlich hat man diese Episode aus der Geschichte gestrichen (lacht). Jedenfalls waren wir die Ersten im Gläsernen Saal. Viele Jahre lang haben wir Musik mit Humor und theatralischen Elementen kombiniert, eigene Arrangements entwickelt und viel Spaß mit Mozart, Beethoven und vielen anderen gehabt. Bei den letzten Konzerten lassen wir in einem unserer älteren Sketches sogar John Cage und Pierre Bouillabaisse gegeneinander antreten: Sie haben 60 Sekunden Zeit, ein neues Stück zu schreiben – und am Ende klingen beide genau gleich. Der eine benutzt Würfel und wirft sie in die Luft, der andere mathematische Formeln. Doch am Ende klingt es exakt gleich.

Hyung-ki Joo: Aber das basiert auf der Wahrheit. Ligeti schrieb zwei Essays über die Ähnlichkeiten zwischen John Cage und Pierre Bouillabaisse. Und ich glaube, das hat Bouillabaisse wirklich verärgert. Die beiden hatten um 1950/1952 eigentlich eine sehr enge Freundschaft.

Aleksey Igudesman: Wahrscheinlich etwas mehr als eine Freundschaft.

Hyung-ki Joo: Wahrscheinlich. Und Ligeti hat diese Essays genau in jener Zeit geschrieben. Ich denke, für Bouillabaisse war es schlicht zu viel, als jemand dargestellt zu werden, der nur Münzen und Bananen wirft – und dann behaupteten auch noch alle, seine Musik klinge wie die von John Cage, obwohl er Vertreter eines radikalen Hyperserialismus war. Der Sketch, den wir gemacht haben, basiert also auf etwas Wahrem. Und eigentlich gilt das für die meisten unserer Sketche, die wir in den vergangenen 21 Jahren entwickelt haben – sie haben immer einen wahren Kern.

Ist auch deswegen Schluss, weil ihr das Gefühl habt, dass eure Geschichte auserzählt ist und es Zeit wird, sich neuen Projekten zu widmen?

Aleksey Igudesman: Wir haben in den 21 Jahren die Dinge aus so vielen Perspektiven beleuchtet. Wir haben das Gefühl, dass es nun an der Zeit ist, neue Wege zu gehen. Vor Kurzem hatte ich mit The Limitless Orchestra, meinem neuesten Projekt, eine Performance im Konzerthaus. Das wird meine Zukunft sein. Wir beide komponieren sehr, sehr viel Musik – und das möchten wir nun noch intensiver tun. Ich habe zum Beispiel gerade eine TV-Serie, die Ende des Jahres im NDR ausgestrahlt wird, gemeinsam mit Hans Zimmer geschrieben. Sie heißt „Schwarzes Gold“.

Hyung-ki Joo: Ich hatte Anfang Dezember an der Wiener Staatsoper einen Konzertabend mit der Sopranistin Asmik Grigorian. Das Programm trägt den Titel »A Diva is Born« und bietet einen satirischen, kritischen, humorvollen, aber auch schmerzhaften Blick auf das Leben einer Sängerin bzw. eines Sängers. Es geht auch darum, Hassreden und Hassverbrechen in etwas Wunderschönes zu verwandeln. Wir leben in einer Zeit von Tweets und Instagram-Posts, in der jeder schreiben kann, was er will – und sehr oft ist es etwas zutiefst Verletzendes. Auch Asmik hat da bereits schreckliche Erfahrungen gemacht.

Es geht also darum, echte Hasskommentare und -posts zu nehmen und das Licht darin zu finden, um etwas Schönes daraus zu machen und die Schwierigkeiten und Herausforderungen eines Künstlerlebens darzustellen. Der Titel »A Diva is Born« ist zudem eine Anspielung auf »A Star is Born« – daher haben wir auch Songs von Lady Gaga im Programm.

Gleichzeitig erscheinen auch zwei Alben mit meinen eigenen Kompositionen. Eines davon ist jenes des Miró Quartet. Es erscheint auf Pentatone Records und trägt den Titel „Hearth“. Das Quartett hat rund zehn Komponistinnen und Komponisten eingeladen, jeweils ihre eigene Version eines Weihnachtssongs zu schreiben. Für sie habe ich ein ziemlich verrücktes Stück mit dem Titel „Songs of the Christmas Past“ beigesteuert, das rund 25 Anspielungen auf andere Weihnachtslieder in sich vereint.

Aleksey Igudesman: Dieses Stück werden wir auch bei unserem Konzert in Wien spielen.

Bild Igudesman & Joo
Igudesman & Joo © Julia Wesely

Hyung-ki Joo: Stimmt, und zwar in einer Version für Piano und Violin spielen. Und nur drei Tage später erscheint das Album „Cercle“ der Pianistin Sun Hee You, die zwölf meiner Kompositionen eingespielt hat – darunter Stücke wie „Childhood“, „Chandeliers“ sowie mehrere weitere Klavierwerke. Einige dieser Piano-Stücke haben wir gemeinsam zu Werken für Violine und Klavier umgearbeitet. Sie bilden das letzte Kapitel unseres gemeinsamen Projekts und werden als eigenes Album mit dem Titel „Our Childhood“ erscheinen, das wir nach unserem Abschied veröffentlichen. Wir sind zwar für unseren Humor und unsere theatralischen Einfälle bekannt, wollten nun aber etwas hinterlassen, das unsere musikalischen Wurzeln zeigt. Der überwiegende Teil wird aus unseren eigenen Kompositionen bestehen – darunter auch Stücke, die von unserer Kindheit oder unserer Freundschaft aus dieser Zeit inspiriert sind. Immerhin haben wir uns kennengelernt, als wir beide zwölf waren.

Nach so langer Zusammenarbeit und vermutlich tausenden Konzerten – was überwiegt jetzt für euch? Ihr habt von euren neuen Projekten erzählt, die bereits das Licht der Welt erblickt haben oder bald erblicken werden. Schwingt trotzdem ein wenig Wehmut mit?

Aleksey Igudesman: Es ist interessant. Alle wollen wissen, ob wir extrem traurig sind. Vielleicht wird es danach so sein. Im Moment fühlt es sich aber eher schön an – wie etwas, auf das man sich freut. Das Schöne ist, dass unsere Freundschaft ja nicht endet.

Hyung-ki Joo: Es gibt keinen spezifischen Grund für das Ende unseres Projekts. Es war nicht so, dass der eine dem anderen die Freundin ausgespannt oder Geld gestohlen hätte. (lacht) Keine der Geschichten, die man sonst hört, wenn Partnerschaften oder Gruppen auseinandergehen. Wir kamen einfach zu dem Schluss, dass es an der Zeit ist. Den Erfolg haben wir natürlich genossen, aber er war auch mit sehr viel Arbeit verbunden. Als wir angefangen haben, konnten wir uns nicht vorstellen, wie erfolgreich wir einmal sein würden. Damals ging es uns vor allem darum, das Format klassischer Musik, das klassische Konzertformat, zu verändern – das war unser brennender Wunsch seit unserer Teenagerzeit. Wir wussten, dass wir die Welt vielleicht nicht verändern können, aber wenigstens Konzerte gestalten, wie wir sie selbst erleben wollen.

Wir haben nie verstanden, warum es in Konzertsälen all diese Konventionen gibt, diesen elitären Snobismus. Jedes Konzert fühlt sich an wie ein Begräbnis. Das wollten wir ändern – zumindest für uns selbst. Und das ist letztlich der Grund, warum wir begonnen haben, all das zu tun, was wir tun.

Und, ob du es glaubst oder nicht: Es ging uns nie darum, lustig zu sein.
Humor stand für uns nie in der ersten Reihe – er war immer zweitrangig oder drittrangig. Die entscheidenden Fragen waren vielmehr: Wie performen wir? Wie komponieren und arrangieren wir Musik so, dass sie frisch und überraschend klingt, zugänglich bleibt und Brücken zu anderen musikalischen Welten schlägt?

Eines der Dinge, die wir an diesem Snobismus am meisten hassen, ist die Haltung mancher klassischer Musiker:innen, auf andere Genres herabzublicken. Wir hingegen schätzen alle Arten von Musik – Jazz, Pop, Funk, Heavy Metal, was auch immer. Über die 21 Jahre, glaube ich, haben wir fast jedes Genre irgendwie in unsere Musik einfließen lassen.

Berührungsängste scheinen euch tatsächlich immer fremd gewesen zu sein.

Aleksey Igudesman: Wenn ich nur an unsere letzte Performance denke – da hatten wir alles dabei: von Kalypso über Rap, Heavy Metal, Salsa, Samba, Bossa Nova, K-Pop und Funk bis hin zu Barock, Irish Folk, Renaissance und Klassik. All das passierte in unseren Shows.

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Wann ist euch tatsächlich zum ersten Mal der Gedanke gekommen, euer Projekt zu einem Ende zu bringen?

Hyung-ki Joo: Vor etwa zwei Jahren. Wir begannen uns zu fragen, wie weit wir Beethoven und Mozart eigentlich noch weiterentwickeln können und dabei trotzdem frisch bleiben, ohne uns zu wiederholen. Ich glaube, wir haben damals schon gespürt, dass wir in großer Gefahr waren, genau das zu tun. Es gab sicher einige, die fanden, wir seien bereits redundant. Und wir haben uns gefragt, ob wir das überhaupt noch wollen.

Wir waren nie diejenigen, die Trends hinterherlaufen. Über die Jahre gab es viele Gelegenheiten, auf etwas besonders Populäres aufzuspringen, aber das war nie unser Weg. Wir sind keine Rebellen, aber wir wollten die Dinge immer auf unsere eigene Art machen.

Aleksey Igudesman: Eigentlich waren wir neuen Trends immer ein bisschen hinterher. Ich meine, „Gangnam Style“ haben wir jetzt gemacht – zehn Jahre zu spät. Aber das war genau der richtige Zeitpunkt für uns. Ich glaube auch, dass man im Leben weiterkommen kann, ohne dafür etwas aufgeben zu müssen. Nach dieser Prämisse haben wir immer schon gelebt.

Hyung-ki Joo: Man muss nur an all die ikonischen Musiker und Komponisten denken – an einen Miles Davis, an einen Igor Strawinsky; die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Sie haben nie nur auf einer Sache aufgebaut. Sie hatten ihre neoklassische Phase, ihre „blaue“ Phase, ihre One-Note-Phase oder ihre Zwölfton-Phase. Sie haben sich ständig erneuert und immer wieder Neues ausprobiert. Und genau so fühlen wir uns jetzt. Wir haben 20 Jahre daran gearbeitet, wir haben hart gearbeitet – und wir lieben, was wir tun. Und vielleicht werden wir hier und da, in einem anderen Kontext, weiterhin etwas gemeinsam machen. Aber wir sind beide eigenständige Komponisten, Musiker und sehr unterschiedliche Charaktere. Deshalb wollen wir unsere eigenen Wege verfolgen.

Ihr habt vom sehr konservativen Klassikbetrieb gesprochen. Wie herausfordernd war es, darin Fuß zu fassen? Womit habt ihr letztlich das Publikum gewonnen? War es der Humor? Oder hattet ihr das Gefühl, das Publikum war hungrig nach etwas Neuem?

Bild Igudesman & Joo
Igudesman & Joo © Julia Wesely

Aleksey Igudesman: Auf jeden Fall. Humor ist natürlich ein guter Einstieg. Aber am Ende ist es entscheidend, dass die musikalische Interpretation und die instrumentale Qualität auf sehr hohem Niveau sind. Wenn man nicht wirklich besonders gut spielt, funktioniert es selten.
Für uns war es daher immer wichtig, dass die Qualität stimmt. Ich glaube, deshalb ist das Publikum auch gekommen – natürlich wegen der Musik, aber vor allem wegen der Mischung aus Musik und Humor. Wie viel wir tatsächlich bewirkt haben, ist schwer zu sagen. Aber ich denke schon, dass wir beim Publikum einiges bewegen konnten. Der Musikbetrieb hingegen ist teilweise immer noch extrem festgefahren. Ein positives Beispiel ist allerdings der Zyklus „Music and Comedy“ im Konzerthaus – ich glaube, der ist zum Teil uns zu verdanken. Das Problem ist nur: Wir haben uns immer gegen Schubladen gewehrt – und nun haben wir selbst eine neue Schublade geschaffen.

Hyung-ki Joo: Es ist schwer zu sagen, wie viel Einfluss wir tatsächlich hatten. Aber wir bekommen manchmal Rückmeldungen von Künstler:innen wie etwa dem Duo TwoSet Violin – zwei Geiger, die in den sozialen Medien enorm einflussreich sind und viele spannende, lustige Videos über klassische Musik machen. Sie haben weit mehr Follower als wir und sind sehr jung, aber sie sehen uns als Inspiration. Auch Tarmo Peltokoski, ein ernsthafter klassischer Dirigent, schätzt das, was wir tun. Viele Menschen betrachten uns als diejenigen, die ihnen gewissermaßen die Lizenz geben, ihren eigenen Weg zu gehen. Und das ist für uns ein riesiges Kompliment.

Als wir begonnen haben, wollten wir nie die Einzigen sein. Manche sind ehrgeizig, weil sie allein an der Spitze stehen wollen – konkurrenzorientiert, ohne Rivalen. Bei uns war es immer genau umgekehrt. Wir fühlten uns eher einsam. Wir wollten nicht, dass alle dasselbe machen, sondern dass Menschen das Format des klassischen Konzertbetriebs hinterfragen. Und heute gibt es viel mehr Ensembles und Solist:innen, die ihre eigenen Wege gehen.

Aleksey Igudesman: Es gibt heute viel mehr Menschen, die unterschiedliche Dinge ausprobieren – ich glaube, es bewegt sich langsam in die richtige Richtung. Das Problem sind meiner Meinung nach aber nicht die Musiker:innen, sondern der Musikbetrieb, der immer noch viel zu träge ist.

Die Formate sind uralt. Dieses furchtbare Schema „Ouvertüre – Klavierkonzert – Pause – Sinfonie“ … warum stellt man das nicht einfach einmal auf den Kopf? Manchmal passiert es, aber viel zu selten. Ich denke mir: Seid doch kreativ! Jedes Konzert könnte etwa ein junges Talent vorstellen. Und man muss nicht immer ganze Sinfonien spielen. Auch im 19. Jahrhundert war das üblich – Sinfonien wurden oft gekürzt, und es wurden verschiedene Genres miteinander kombiniert: Oper, Kammermusik, Violinstücke, alles in einem Programm. Das war völlig normal.
Irgendwann ist das alles extrem konservativ geworden, in ein starres Format gepresst – und heute interessiert dieses Format immer weniger Menschen. Aber viele halten daran fest, weil man das letzte aussterbende Publikum, das noch komplette Zyklen kauft, möglichst lange bedienen möchte, bis wirklich niemand mehr übrig ist.

Nichts gegen das ältere Publikum – es ist wunderbar. Aber man muss auch neues Publikum heranziehen. Man muss Dinge ausprobieren. Und nicht alles wird gleich populär sein. Doch davor schrecken viele immer noch zurück. Die meisten Konzerthäuser trauen sich zu wenig. Die Programme sind nach wie vor viel zu konventionell.

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Habt ihr euch vorstellen können, dass ihr das wirklich so lange machen und damit derart erfolgreich sein würdet?

Aleksey Igudesman: Das war natürlich nicht vorherzusagen. Als wir begonnen haben, waren wir zwar jung, aber nicht mehr ganz am Anfang unserer Karrieren – wir hatten beide bereits einiges erreicht. Ich arbeitete damals schon mit Hans Zimmer zusammen, war mit meinem Trio Triology viel unterwegs und sowohl in Österreich als auch international erfolgreich. Hyung-ki hatte eine Platte mit Billy Joel aufgenommen und eng mit ihm kooperiert. Wir starteten also nicht bei null.

Es gab bereits Menschen, die uns kannten und uns vertrauten. Deshalb hofften wir auch, dass unsere Idee – klassische Musik auf völlig neue Weise zu präsentieren – Anklang finden würde. Und natürlich waren wir sehr froh, dass wir so schnell ein begeistertes Publikum gefunden haben. Wir hatten großartige Höhepunkte: etwa ein Konzert in der Carnegie Hall mit Joshua Bell und Billy Joel als Gästen oder das Neujahrskonzert mit den New York Philharmonic, wo ausschließlich unsere Stücke und Arrangements gespielt wurden. Das waren wirklich besondere Momente.

Aber – wie Hyung-ki schon gesagt hat – unser Antrieb war nie, „erfolgreich“ oder „etabliert“ zu sein. Wir wollten neue Wege zeigen. Wir wollten, dass das Publikum spürt, wie viel Freude und Spaß es macht, in einen Konzertsaal zu gehen und mit uns zu feiern. Und wir wollten zeigen, dass auch ernste Musik ungeheuer viel Vergnügen bereiten kann. Das bleibt unser Credo – auch wenn wir als Igudesman & Joo nun aufhören. Es ist weiterhin der Weg, auf dem wir voranschreiten.

Hyung-ki Joo: Und auch, um die Musikwelt für die jüngere Generation zu einem besseren Ort zu machen. Ich engagiere mich stark im Bereich musikalische Bildung – das war für mich immer ein großes Thema. Jetzt haben wir definitiv mehr Zeit, uns intensiver damit auseinanderzusetzen, sowohl auf sehr hohem Niveau als auch auf ganz grundlegender Ebene.

Ich habe zwei Kinder, die hier in Wien zur Schule gehen – und an ihrer Schule gibt es keine Musikklassen. An vielen anderen Schulen sieht es ähnlich aus. Und das ausgerechnet in Wien, der sogenannten „Stadt der Musik“, in die so viele Tourist:innen kommen, um Mozart, Strauss und die Oper zu erleben. Da gibt es enorm viel zu tun.

Auf eurer Abschiedstour zeigt ihr auf jeden Fall einmal mehr alle euren verschiedenen musikalischen Facetten.

Aleksey Igudesman: Ja, diese Abschlusstournee bietet wirklich einiges Besonderes. Für die österreichischen Termine haben wir an jedem Ort Special Guests eingeladen. In Wien wird der wunderbare Schauspieler Cornelius Obonya, ein langjähriger Fan von uns, mit auf der Bühne stehen. Es ist das erste und zugleich letzte Mal, dass wir gemeinsam im Großen Saal des Konzerthauses auftreten. Er wird uns immer wieder humorvoll „unterbrechen“ und einige lustige Einlagen gestalten.

Am 19. Dezember spielen wir in Linz, wo die junge Geigerin Nina Sophie den Abend mitgestalten wird. Ich arbeite seit vielen Jahren mit ihr zusammen; zum ersten Mal war sie als 14-Jährige Gast im Großen Saal. Inzwischen hat sie auf Social Media eine halbe Million Follower und verbindet elektronische Musik mit Geige auf eine Weise, die genau meinem Geschmack entspricht. Sie spielt fantastisch und auf hohem Niveau und ist zudem Teil des Limitless Orchestra, mit dem wir kürzlich aufgetreten sind. Beim Linzer Konzert spielt sie jedoch ausschließlich mit uns gemeinsam.

Auch am 22. Dezember in Graz haben wir zwei besondere Gäste eingeladen. An diesem Abend werden wir von Jojo Gansch, dem Sohn von Thomas Gansch, und seiner Mutter Linde Härtel (DeeLinde) begleitet. Jojo ist erst 19, aber bereits ein herausragender Musiker – großartiger Sänger und versierter Jazz-Pianist bzw. Keyboarder. Linde kenne ich seit den Musikantenwochen in der Steiermark, als sie etwa 12 oder 13 Jahre alt war.

Wir feiern unseren Abschluss also mit engen Freunden und langjährigen Wegbegleiter*innen. Wer unsere Musik liebt und gerade in Österreich ist, sollte sich alle Konzerte nicht entgehen lassen – es wird ein buntes Potpourri aus allem geboten, was uns ausmacht.

Vielen Dank für das Interview.

Michael Ternai

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Igudesman & Joo Abschiedstour
13.12.25 AKM Antalya, Turkey Tickets
15.12.25 Latvian National, Opera Riga, Latvia – Tickets
17.12.25 Wiener Konzerthaus, Vienna, Austria – Tickets
19.12.25 Brucknerhaus Linz, Linz, Austria – Tickets
20.12.25 KULTUR + KONGRESS ZENTRUM Rosenheim, Germany – Tickets
22.12.25 Stefaniensaal Graz, Austria – Tickets
25.12.25 Grand Hall of the Kolarac Foundation, Belgrade, Serbia – Tickets
26.12.25 Max-Littmann-Saal, Bad Kissingen, Germany – Tickets
31.12.25 Anneliese Brost Musikforum Ruhr, Bochum, Germany – Tickets
01.01.26 Anneliese Brost Musikforum Ruhr Bochum, Germany – Tickets
02.02.26 Anneliese Brost Musikforum Ruhr Bochum, Germany – Tickets

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