Mikrofon (c) Pixabay
(c) Pixabay

Wiener Gemeinderatswahlen 2020 – die Parteien zum Thema Wiener Musikszene: MARTIN JÖRG, M.A.I.S. (NEUE VOLKSPARTEI WIEN)

Anlässlich der bevorstehenden Wiener Gemeinderatswahlen fragt mica – music austria bei Vertreter*innen der antretenden Parteien nach, wie sie die Lage der Wiener Musikszene einschätzen und wie ihre Pläne, diese in Zukunft zu unterstützen, aussehen. Hier die Antworten von MARTIN JÖRG von der NEUEN VOLKSPARTEI WIEN.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich Musik? Welches Bild haben Sie von der Wiener Musikszene?

Musik spielt in meinem persönlichen Leben eine große Rolle, sie gibt mir viel Energie. Nicht nur, dass ich gerne jegliche Art von Musik höre, ich spiele selbst auch Klavier und Gitarre. Die Wiener Musikszene und ihre Vielfalt an sich sind in jeglicher Hinsicht eine Bereicherung und tragen wesentlich zur Wahrnehmung Wiens als Kulturhauptstadt im In- und Ausland bei. Leider ist die Ausbildungssituation für den Nachwuchs der Musikszene seit langem unzufriedenstellend, zu gering ist das Angebot an Musikschulplätzen. Die Förderung musischer Bildung von Kindern und Jugendlichen und die Bereitstellung eines entsprechenden Angebots seitens der Stadt Wien muss Priorität haben. 

Das Wiener Kulturbudget wuchs 2020 um ca. 10% gegenüber dem Vorjahr, das sind ungefähr 26 Millionen Euro mehr für Kunst und Kultur. Wie soll es die kommenden Jahre weitergehen? Soll das Budget Corona-bedingt weiter aufgestockt werden oder muss das Geld erst einmal reichen?

Die Bundesregierung wirkt mit einem umfassenden Maßnahmenmix den drastischen Auswirkungen der Coronakrise auf den Kulturbereich entgegen. Dadurch wird es vor allem auch den Kulturschaffenden in Wien ermöglicht, die Krise zu überstehen und im nächsten Jahr wieder durchzustarten. Um weitere Mittel für das Wiener Kulturbudget zu lukrieren, soll es eine Gesamtevaluierung bestehender Förderungen geben und die Subventionsabwicklung effizienter gestaltet werden.  

Es gab in den Jahren 2008 und 2018 jeweils eine Studie über die soziale Lage der Künstler*innen. Die Hälfte der Befragten (aller Sparten) nennt für das Erhebungsjahr 2017 ein Einkommen aus künstlerischer Tätigkeit von unter 5.000 Euro. Deshalb müssen andere Tätigkeiten ausgeübt werden, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Unter Einbeziehung aller ausgeübten Tätigkeiten liegt das persönliche Netto-Jahreseinkommen im Mittel bei 14.000 Euro und damit unter dem gesetzlichen Mindestlohn.  Was muss passieren, um Musikschaffenden faire bzw. fairere Arbeitsbedingungen und eine faire Bezahlung zu garantieren?

Um der zum Teil prekären sozialen Situation von Kulturschaffenden entgegenzuwirken, wurden bereits in den letzten Jahren verstärkt Initiativen ergriffen; die nachhaltige Verbesserung der Lage der Kunst- und Kulturschaffenden, darunter die Entbürokratisierung und eben die finanzielle Ressourcenausstattung, wurde bereits vom ehemaligen Kulturminister Gernot Blümel prioritär behandelt. Im Regierungsprogramm der türkis-grünen Bundesregierung ist die Entwicklung einer gemeinsamen Strategie unter Einbeziehung aller Gebietskörperschaften zur Umsetzung der Kulturstrategie „Fair Pay“ festgeschrieben. Davon werden insbesondere auch die Wiener Kulturschaffenden profitieren.

Frauen – das haben beide Studien zur sozialen Lage, sowohl 2008, als auch 2018 gezeigt – haben es noch einmal schwerer als ihre männlichen Kollegen. Was geschieht bzw. soll geschehen, um das zu ändern?

Die soziale Situation von Frauen ist gegenüber jener von Männern nochmals schwieriger. Für uns ist klar, dass für eine gleichwertige Leistung Frauen auch gleich entlohnt werden müssen wie Männer. Darüber hinaus braucht es eine bessere Unterstützung von Frauen, insbesondere für Alleinerzieherinnen. So wäre ein Ausbau der Kindergartenplätze dringend notwendig. 

Halten Sie Anreizsysteme für geförderte Spielstätten und Veranstalter*innen zur Erhöhung des Anteils heimischer Musikschaffender in deren Programmen für sinnvoll?

Um den Kreativstandort Wien zu stärken und für die Zukunft zu sichern, muss es ein nachhaltiges Bekenntnis für das musik-kulturelle Wirken heimischer Künstlerinnen und Künstler geben. Entsprechend ist eine Unterstützung zur Hebung des Anteils heimischer Musikschaffender in den Programmen geförderter Spielstätten begrüßenswert. 

Halten Sie die freie Szene für in besonderem Maße förderungswürdig und wenn ja warum?

Im Rahmen der Vergabe von Kulturförderungen soll der Erhalt der Vielfalt und Infrastruktur der Wiener Kulturlandschaft im Vordergrund stehen. Dazu zählt die freie Szene genauso wie der kommerzielle Bereich.  

Kulturveranstalter*innen beklagen mangelnde Planungssicherheit im Zuge der sich laufend ändernden Corona-Vorschriften. Was soll die Politik auf Ebene von Bund und Stadt Wien in den kommenden Monaten tun, um Kulturveranstaltungen trotz aller Widrigkeiten zu erleichtern bzw. überhaupt zu ermöglichen?

Die Bundesregierung wirkt seit Anbeginn der Krise mit einem Maßnahmenmix den drastischen Auswirkungen der Coronapandemie auf den Kultur- und Veranstaltungsbereich entgegen. So umfassen die Corona-Maßnahmen für die Kultur bisher 160 Mio. Euro, wobei darin die Mittel aus der Kurzarbeit oder des Fixkostenzuschusses nicht eingerechnet sind. Wesentlich ist, dass es neben den finanziellen Hilfen einen kontinuierlichen Dialog mit den Kulturschaffenden und es trotz der widrigen Umstände möglichst viel Planungssicherheit gibt.  

Clubkultur ist in diesem Jahr ein sehr präsenter Begriff in den Medien, obwohl diese Kultur durch die Covid-19 Maßnahmenverordnung kaum präsent ist und in ihrer Existenz bedroht ist. Wie würden sie die momentanen Hilfsmaßnahmen für Clubkultur bewerten und gäbe es ihrer Ansicht nach Alternativen?

Die Clubkultur ist von den Auswirkungen der Corona-Pandemie besonders betroffen. Genau deshalb setzt sich Landesparteiobmann Gernot Blümel in seiner Funktion als Finanzminister für die Clubs ein. Waren es zunächst 75%, so bekommt die Nachtgastronomie nun einen 100prozentigen Fixkostenzuschuss. Darüber hinaus wird derzeit ein 300 Mio. Euro Paket an Ausfallhaftungen für die Veranstaltungsbranche ausgearbeitet, das auch von Clubs und Diskotheken in Anspruch genommen werden kann. Gleichzeit hat auch die Stadt Wien einen Schritt gesetzt und 3 Mio. Euro als Unterstützung für die Wiener Clubs bereitgestellt, dem wir als neue Volkspartei Wien zugestimmt haben.

Musikspielstätten bzw. Clubs sind durch Covid-19 gefährdeter als sonstige Betriebe. Wie kann die Politik die Räumlichkeiten schützen, damit sie auch nach der Krise weiterhin für den Musik- bzw. Clubkulturbereich zur Verfügung stehen?

Seitens der Politik – sowohl auf Ebene des Bundes, als auch der Stadt Wien – setzt man alles daran, die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Clubkultur abzufedern, damit der Wiener Club- und Musikbereich auch nach der Pandemie jene Bereicherung ist, die er immer war. 

Was braucht es, um Clubkultur dauerhaft zu fördern?

Die Einrichtung der Vienna Club Commission durch den einstimmigen Beschluss des Wiener Gemeinderats im Dezember 2019 war ein erster wichtiger Schritt, um die konkreten Bedürfnisse der Clubkultur zu erheben und das bestehende Serviceangebot zu durchleuchten. Die Ergebnisse des einjährigen Pilotprojekts sollen herangezogen werden und Anknüpfungspunkte liefern, um ein besseres Service und einen effizienteren Ressourceneinsatz zu gewährleisten.

In Covid-19 Zeiten wird der Wunsch nach leicht zugänglichen Freiluftflächen für Veranstaltungen immer größer. In deutschen Städten gibt es dazu Projekte wie etwa die sogenannten „model spaces“. Sollte die Stadt Wien solche Flächen anbieten?

Eine Bereitstellung von Freiflächen durch die Stadt Wien ist überlegenswert. Neben der unbedingten Einhaltung der geltenden Corona-Bestimmungen muss dabei auch ein Interessensausgleich und vor diesem Hintergrund eine Einbindung etwaiger Anrainerinnen und Anrainer gegeben sein.

 

Martin JÖRG, M.A.I.S.
Referent
Kultur, Wissenschaft, Digitalisierung, Europäische & internationale Angelegenheiten, Stadtrechungshof
Die neue Volkspartei – Rathausklub Wien
Rathaus, Stiege 8, Halbstock, 1082 Wien
Tel: +43 (1) 4000-81956
Mobil: +43 664 8595719
martin.joerg@wien.oevp.at

 

Link:
Neue Volkspartei Wien