Wende Punkt – Halt!

Wenn fünf Musiker auf eine Vielzahl an Instrumenten treffen, dann sollte man als HörerIn nicht gleich auf großen Krach schließen. Denn genau auf das Gegenteil zielt das Projekt Wende Punkt ab. Im Vordergrund steht lyrische Alltagsprosa, in deren Wortgeflechten sich die Instrumente einen unaufdringlichen aber äußerst melodischen Weg bahnen. Inspiriert durch urbanen Flair und  zwischenmenschliche Beziehungen jeder Form, werden Alltagsgeschichten erzählt, die gut und gerne als musikalisches Pendant zur gleichlautenden, ur-österreichischen TV-Dokureihe betrachtet werden können.

Liedtexterin und Beobachterin Wendi Gessner schenkt dem Gewusel der Großstadt ganz besondere Aufmerksamkeit, verpackt ihre Erlebnisse mit viel Witz und Charme in fragile wie auch schwungvolle Klangbilder und lässt dem Ganzen unter dem Begriff „Wien-Chanson“ große Entfaltungsmöglichkeit. Zwölf dieser durchaus  lokalkoloritbehafteten Songs haben es nun auf ein Album geschafft. Am kommenden Donnerstag feiert das Erstlingswerk „Halt!“ im Wiener Kulturcafé Tachles Premiere.

Was sich einst als kleines Projekt zwischen  Sing-/Songwriterin Wendi Gessner und dem Bassisten Wolf Burku entwickelt hat, ist mittlerweile zu einer fünfköpfigen Kreativmaschinerie mit elf Instrumenten herangewachsen. Seit 2010 sind auch Davide Jammuno und Susanne Eigner Teil der Band. Mit ihrem großartigen Können auf Kontrabass, Mandoline, Geige, E-Bratsche, Akkordeon, Piano, E-Bass, Gitarre, Ukulele, Schlagzeug und Gesang sorgt das Quintett für gewisse Platzknappheit auf den Bühnen. So dicht gedrängt die Musiker miteinander agieren, so dicht drängen sich auch die Worte aneinander, die dann doch alle ihren Platz in den Liedern zu finden scheinen.

In einem Entstehungsprozess wie er wohl selten Vorkommt, erarbeitet Wendi Gessner zuerst die Texte und tüftelt erst im Anschluss mit ihren Kollegen an den Arrangements. Es mag daher nicht erstaunen, dass sich das liebevoll gestaltete CD-Booklet gleichsam als eine Art Gedichtband präsentiert. Zeilen wie„Halt meine Hand und halt sie bitte fester, Halt, geh nicht zu weit und Halt, halt an die Zeit“, entpuppen sich da als ausgeklügelte Wortspielereien, die den Hörer bzw. Leser mit Sicherheit zum Nachdenken verleiten. Vergänglichkeit, Verlust, Zeitknappheit und der Genuss des Moments sind die Themen, die sich wie ein roter Faden durch Album ziehen und teils für heiteren, teils für melancholischen Hörgenuss sorgen.

Über ein Jahr mussten die Lieder darauf warten, auf  Tonträger gepresst zu werden. Mittlerweile haben Wende Punk neues Material erarbeitet, welches dem Publikum am kommenden Donnerstag nicht vorenthalten werden soll. Des weiteren darf man auf ein individuell gestaltetes Merchandising-Produkt gespannt sein, eines, das die Vision der Musiker auf unkonventionelle Weise widerspiegelt. Soviel sei verraten: die Vorstellungen der Band geht in Richtung Interdisziplinarität. Zukünftig soll das musische Schaffen mit Illustration, Film, Live-Visuals, Bühnenbild und vielen weiteren Kunststilen korrelieren. „Monokultur ist in der heutigen Zeit passé, nicht nur in der Wirtschaft sondern auch im künstlerischen Bereich. Den Fokus nicht rein auf Musik zu setzten, sondern „Fächerübergreifend“ zu denken und zu handeln erscheint mir als ein aufregenderes und stabileres künstlerisches Ökosystem,“ bringt es Wendi Gessner auf den (Wende)Punkt.

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Erste Schritte in fächerübergreifendes Arbeiten präsentiert die Band mit ihrem selbst gefertigten Album Trailer, der den Grenzgang zwischen Chanson, Folk und Indie-Pop sehr schön veranschaulicht und definitiv Lust auf ein akustisches Tête-à-Têt auf Live-Ebene macht. (bw)


Konzerttermine:

28.11.13 Wien, Tachles
29.11.13 Klagenfurt, Kärnten , KSSSK
30.11.13 Salzburg, Denkmal
04.12.13 Graz, Steiermark , Postgarage

Fotos (c) Dimitri Aschwanden

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