Mit dem Wiener Karl Ritter ist am 13. Februar einer der im Moment wohl vielseitigsten und aktivsten österreichischen Blues- und Jazzgitarristen im Wiener Blue Tomato zu Gast. Gemeinsam mit Herbert Pirker und Christian Reiner präsentiert der Musiker sein aktuelles Projekt “Weiße Wände”, welches ganz die hohe Schule der Improvisation zelebriert.
Karl Ritter, einer der führenden Protagonisten des Windhund-Labels, hat vor nicht allzu langer Zeit zwei CDs aufgenommen – eine rote und eine blaue – mit der er nicht nur in Fachkreisen einiges an Aufsehen erregen konnte. Auf dem akustisch gehaltenen blauen Teil präsentierte der Gitarrist seine eher ruhigere Seite, während das Rote durchgehend von lauten Stromgitarren und wilder Elektronik geprägt war. Mit dem Projekt “Weiße Wände” geht Karl Ritter nun einen Schritt weiter. Gemeinsam mit Schlagzeuger Herbert Pirker, der sich im Nachhinein als kongenialer Partner herausgestellt hat, und Sänger Christian Reiner taucht er tief in den Kosmos der Improvisation ein. Das enge Korsett einer Komposition wird bewusst abgelegt, ein Vorgehen, welches der Musik neue und sich stets verändernde Freiräume schafft. “nur für kurze zeit” ist mitunter eines der interessantesten Alben aus dem Bereich der Improvisation, welches hierzulande in den letzten Jahre das Licht der Welt erblickt hat.
Der Titel bedeutet nichts anderes, dass die Stücke, welche auf diesem Tonträger verewigt sind, bloß eine Art Momentaufnahme darstellen. Auf der Bühne erfinden die drei Musiker diese stets aufs Neue. Jede einzelne Komposition wird dabei immer wieder in seine Einzelteile zerlegt, bearbeitet und in einer veränderten Form dargebracht. Jene, die die Songs schon zu kennen glauben, werden überrascht sein, welche unvorhersehbare Wendungen die Stücke nehmen können. Erfreulich ist auch der Umstand, dass Karl Ritter den Spagat zwischen dem komplexen Charakter und einer gewissen Eingängigkeit meisterlich beherrscht, ohne dabei allzu sehr in Free-Jazz oder Pure-Noise-Eskapaden abzugleiten.
Das Trio hat seinen ureigenen und unverwechselbaren Stil gefunden, an dem Musikliebhaber mehr als nur Gefallen finden könnten. Wer also wieder einmal etwas Neues zu hören bekommen will, sollte sich “Weiße Wände” auf keinen Fall entgehen lassen. (mt)
Foto Karl Ritter: Lukas Beck

