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WAVES VIENNA CONFERENCE 2017 – „Pop Up Session: Christof Huber”

CHRISTOF HUBER aus der Schweiz ist der Leiter des OPENAIR ST. GALLEN, Booker mehrerer anderer Festivals und Generalsekretär von YOUROPE. Als eine der wichtigsten Persönlichkeiten im Festivalzirkus Europas stellte er sich den Fragen von Daniela Derntl von FM4 in einer Pop-up-Session bei WAVES VIENNA.

Eingangs gefragt nach dem anhaltenden Erfolg des als Kult geltenden OpenAir St. Gallen, antwortete Christof Huber, dass man sich die Marke seines Festivals anfangs natürlich erst schaffen müsse. Es sollte aber eines der großen Ziele sein. Er betonte die Wichtigkeit, sich „sein“ Stammpublikum zu schaffen, weswegen viel Kommunikation mit den Festivalgästen unerlässlich sei. Genau dieses Stammpublikum führte Huber interessanterweise allerdings auch als Erklärung ins Treffen, weshalb das diesjährige Festival nicht ausverkauft gewesen ist: Wenn man jahrelang immer ausverkauft sei, befinde man sich in einem closed loop, da beinahe davon auszugehen ist, dass die selben Leute immer wieder kommen. Kämen diese aus welchen Gründen auch immer plötzlich eines Jahres in geringeren Zahlen, stoße man auf die Schwierigkeit, die konventionelle Werbung outside the loop anzuwerfen.
Sichtlich erfreut zeigte sich Moderatorin Daniela Derntl darüber, dass es mehr als 50 Prozent weibliche Gäste in St. Gallen gibt. Ein Zustand, der bei größeren österreichischen Festivals eher undenkbar ist. Huber erklärte daraufhin, man müsse die richtigen Schwerpunkte setzen, damit Frauen auf Festivals kämen, etwa verstärkt auf Sicherheit vor Ort setzen, andere Produkte anbieten oder auch vermehrt weibliche Headliner buchen.

„Great role models for being a strong woman“

Am liebsten würde er noch öfter Künstlerinnen als Headliner verpflichten, da er finde, für junges Publikum würden dadurch großartige Vorbilder geschaffen. Es sei lediglich den Tourplänen der trotzdem rarer gesäten weiblichen Acts geschuldet, dass dies nicht noch öfter geschehe. Ähnlich verhalte es sich generell mit den Programmen, die bei Festivals geboten werden können. Diese seien natürlich immer abhängig von der Verfügbarkeit einer Band zu einem konkreten Zeitpunkt und dem Umstand, wie oft eine Band generell auftrete. Christof Huber konnte dazu ein perfektes Beispiel liefern: Die Toten Hosen etwa würden permanent touren, was einerseits durch den anhaltenden Publikumszuspruch gerechtfertigt sei, andererseits dazu führe, dass oft dieselben Bands als Headliner bei Festivals auftreten würden. Eine Band wie Arcade Fire hingegen würde immer wieder vom Markt verschwinden und dann mit einem komplett neuen Programm auftauchen, was dementsprechend mehr Begeisterung erzeuge. Damit sich Festivalprogramme nicht wiederholen, seien natürlich auch NewcomerInnen unerlässlich und ein enorm wichtiger Bestandteil jeder Kuratierung. Anders ausgedrückt hört sich das so an: „The absolutely best thing for me would be for people to come to St. Gallen to discover new bands.”

Die Zukunft von Festivals und Yourope

Als sich ein Teilnehmer der Konferenz nach der Zukunft von Festivals im Allgemeinen erkundigte, entgegnete Huber, die großen Befürchtungen seien nicht wie oft kolportiert Terrorismus oder schlechtes Wetter, sondern das Abhandenkommen von Headlinern und immer mehr neue Steuern, die bei der Organisation eines Festivals anfallen. Da Sicherheit auf Festivals europaweit natürlich trotzdem die wichtigste Rolle spiele, seien Kooperationen wie die von ihm selbst geleitete Festival-Association Yourope umso wichtiger. In dieser tauschten sich Betreiber großer Festivals untereinander über Erfahrungswerte bezüglich Sicherheit, Nachhaltigkeit und anderer wichtiger Faktoren aus. Das Ziel sei es, das Erlebnis für Besucherinnen und Besucherinnen generell zu verbessern und die Qualität aller partizipierenden Festivals zu steigern. Ein wichtiges Anliegen ist es Christof Huber, dass Festivals auch politisch sein können und seiner Meinung nach auch sollten. Da man eine Verantwortung übernehme, sobald man mit so großen Zahlen an Besuchern zu tun habe, sei es umso wichtiger, die richtigen Werte zu vermitteln. Die Take-a-stand-Kampagne von Yourope, an der sich über 60 Festivals beteiligen, setze sich dafür ein, dass europäische Werte hochgehalten werden. Es sei eine Kampagne, um Festivalgästen Respekt, Offenheit und weitere gesellschaftsliberale Werte zu vermitteln. Dies ist laut Huber gerade aufgrund aktueller politischer Entwicklungen in Europa wichtiger denn je und die Pflicht eines jeden Festivals.

Sebastian J. Götzendorfer

Links:
Waves Vienna Festival and Conference
Yourope