Top! (c) Franz Reiterer

Was ist das für 1 Life? – TOP! im mica-Porträt

Was zunächst aussieht wie eine 0815-Boygroup entpuppt sich als Geist der Jugend von heute: genervt vom Gesundheitswahn, frustriert vom Alltag der Großstadt. TOP! gleichen die Ärgernisse unserer Zeit mit ausgelassener Musik aus und haben ihren ganz eigenen Sound gefunden: Dröhnemeier.

Nicht umsonst ist das österreichische Jugendwort des Jahres 2016 „Was ist das für 1 Life“, denn es spiegelt den Geist der Heranwachsenden ziemlich genau wider. Top! greifen die Thematiken und Sorgen der Jugend von heute auf, parodieren sie, geben sie mit fetzigen Tracks wieder und schaffen so den perfekten Ausgleich zum stressigen Alltag. Verwurzelt sind die fünf jungen Männer in der Popmusik, aber ihren Sound bezeichnen sie als „Dröhnemeier“. Diese Bezeichnung ist, wenn man sich durch das Debütalbum „Nummer #1“ hört, auch tatsächlich treffend, die Songs sind aufmüpfig, ausgelassen und, wie man so schön sagt, voller Schmäh.

„I tu’s, weil ich’s kann“

Chris Schaller (Gesang, Bass) und sein Zwillingsbruder Julian Schaller (Gesang, Gitarre) greifen mit ihren Bandkollegen Josh Meier (Gitarre, Lead), Pauli Brezina (Gesang, Klavier, Synthesizer) und Keith Konrad (Drums) den Zahn der Zeit auf – nicht den, den man in den Nachrichten hört, auch nicht den, der im Alltag zu sehen ist, nein, sie besingen und bespielen die Gefühle und Gedanken der jungen Menschen, die es satthaben, ständig nur ernsthaft und gesellschaftskonform zu denken und zu handeln. Stets mit einem Augenzwinkern, humoristischen Anspielungen und einer lässigen Punk-Attitüde lassen die fünf ihren Texten freien Lauf. Lieder wie „Weil ich‘s kann“ und „So wie es ist“ sprühen vor Lebensfreude, die aufgestaute Energie entlädt sich schlagartig und so wird es nie fad.

In der Szene sind Top! mittlerweile ein Geheimtipp – und das obwohl sie erst im August letzten Jahres ihr Debüt hatten. Das Gesamtpaket bei dem Quintett stimmt einfach überein: Statt Kitsch gibt es bei ihnen Exzess mit einer Prise Hipster, statt lyrischem Blabla präsentieren sie knackige Parodien. Für Langweiler und Ewiggestrige ist das vielleicht nichts, aber dafür umso mehr für Menschen, die sich nach etwas zum Abschalten sehnen. Auf der Facebook-Seite der Band heißt es: „Wir spielen um Gefühle hervorzurufen. […] Wenn man nicht mehr nachdenken muss, sind wir am Ziel.” Und was soll man sagen? Sie schaffen es auch. Die nächste Single der Band erscheint im Mai 2017 – man darf gespannt sein.

Antonia Seierl

TOP! live
12.05. Chelsea

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