W. GOTTLIEB – „Nimbus EP“

Kürzlich erschien die EP „Nimbus“ des Wiener Künstlers W. GOTTLIEB auf dem amerikanischen Label „Divergent Records“. Ein kurzes Statement, wie elektronische Bassmusik 2018 auch noch klingen kann.


Gottlieb aka Philippe Mokrzycki ist ein Produzent und Komponist aus Wien. 2017 erschien sein musikalisches Debüt „Balanced EP“. Es war die musikalische Sozialisierung fern dessen, wie der Sound auf „Nimbus“ aktuell klingt. W. Gottlieb begann schon sehr früh, die Violine zu spielen: ein ästhetischer Kontrast, der sich vor allem zwischen Künstlernamen und musikalischen Resultaten widerspiegelt. Gerade deshalb ist das Zusammenfließen von unterschiedlichen musikalischen Genres und Sprachen für den Sound zentral, prägt ihn grundlegend.

Zeiten ändern sich, gewisse Sound kommen wieder

EP-Cover Nimbus
EP-Cover “Nimbus”

Der aktuelle Release „Nimbus EP“ umfasst drei Tracks: „Nimbus“, „Kong Mix“ und „Slow Decay“. Drei Möglichkeiten, in den Klangkosmos von W. Gottlieb eintauchen zu können. Jeder der Tracks ist aufgebaut wie eine klassische Erzählung: Einleitung, Hauptteil, Schluss. Die Formensprache ist sehr dicht, an manchen Stellen fast an Pathos grenzend. Wenn man sich die Genre-Frage gerne stellt, dann wäre diese wohl am besten mit „Halftime Drum ’n’ Bass“ zu beantworten, ein Subgenre, welches in Österreich kaum anzutreffen ist. Auch Klangsästhetiken aus Dubstep, einem musikalischer Trend, der schon eine Zeit lang fast vergessen war, sind hier stets präsent.

Die musikalische Stimmung, die kreiert wird, ist fast düster, apokalyptisch, kurz vorm Ausbruch. Die Beats sind pointiert, manchmal aufbrausend und stolpernd. Der Sound ist rein elektronisch, ohne Stimme.  Auch das Artwork zeigt eine klare, kantige Form. Schwarze Linien auf weißem Hintergrund, klare Linien, die sich abheben. Sie spiegeln auf visueller Ebene erneut den Inhalt wider. Der Rhythmus und die Formensprache korrespondieren autonom, man braucht hier keine Worte. „Nimbus“ erinnert an eine Zeit, in der noch andere Genres und Beat-Reihenfolgen die Partys und Playlists bevölkerten. Zeiten ändern sich, gewisse Sound kommen wieder.

Ada Karlbauer

Links:
W. Gottlieb
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Divergent Records (Facebook)