Transit Room – Cypher

Andreas Waelti, Tobias Backhaus, Samuel Halscheidt, Samuel Blaser und Clemens Salesny, fünf Musiker, die all ihre Talent- und Bewährungsproben längst hinter sich gebracht haben, versuchen sich in ihrer Band Transit Room nun schon seit einigen Jahren überaus erfolgreich an der Verwirklichung ihrer eigenen Sprache des Jazz. Nicht anders verhält es sich auf dem nun erschienenen neuen Album „Cypher“ (Jazzwerkstatt Records), auf dem die schweizerisch-deutsch-österreichische Combo erneut eindrucksvoll zeigt, dass man das musikalische Glück auch auf den Pfaden abseits aller traditionellen Ansätze finden kann. Live zu erleben gibt es das Quintett mit seinem neuen Material am 8. September im Rahmen des Festivals Vienna Room Service im Wiener Porgy & Bess.

Nun, von dem Album „Cypher“ kann man sich so ziemlich alles erwarten, nur keinen Exkurs in die vergangenen Tage des Jazz. Dafür bewegen sich die fünf Köpfe hinter diesem Bandprojekt  Andreas Waelti (Kontrabass), Tobias Backhaus (Schlagzeug), Samuel Halscheidt (Gitarre), Samuel Blaser (Posaune) und Clemens Salesny (Saxophon) einfach zu sehr in Distanz zu diesen. Ihre Version des Jazz ist einer sehr modernen, avantgardistischen und variantenreichen Prägung. Die Verspieltheit ihrer Musik ist aber eine, die in keinem Moment spürbar wird. Man hört zwar, dass es durchaus herausfordernd zugeht und die Beteiligten sich auf einem sehr hohen Level bewegen, wird aber von diesem Umstand nicht erschlagen, sondern, ganz im Gegenteil, sogar angezogen. Es erklingt auf „Cypher“ überraschenderweise alles sehr rund, es pulsiert richtiggehend, und das, obwohl der Experimentierfreudigkeit und dem Willen zu etwas Neuem bewusst keinerlei Schranken gesetzt werden.

Was zum Teil mit Sicherheit auch darauf zurückzuführen ist, dass sich die fünf Musiker des schweizerisch-deutsch-österreichischen Quintetts, die allesamt am Kompositionsprozess gleichermaßen beteiligt sind, zu keinem Zeitpunkt verleitet fühlen, sich in endlosen instrumentalen Selbsthuldigungen hinzugeben. Vielmehr rücken sie den Gruppenklang in den Mittelpunkt des Geschehens. Und dieser zeigt sich von einer erfrischend undogmatischen und irgendwie eigenwillig schrägen Seite. Beeindruckend ist vor allem, dass sich alles, fast wie von Geisterhand gelenkt, perfekt ineinanderfügt, die verspielten Melodien und Harmonien, die sehr abwechslungsreiche (Poly-) Rhythmusarbeit, sowie die sonstigen verschiedenen klanglichen und stilfremden Einwürfe. Was Transit Room wirklich gut gelingt, ist, viel Spannung und Atmosphäre aufzubauen. In den ruhigen und zurückhaltenden Passagen sich fast schon dem Meditativen annähernd finden Andreas Waelti und seine Kollegen immer den richtigen Weg, ihre Stücke behutsam, aber doch sehr bestimmt zu deren Höhepunkten zu führen (345 Cypher). An anderer Stelle wiederum stellt es das Quintett genau umkehrt an (Bang), was nicht minder exzellent aufgeht.

„Cypher“ ist ein Album geworden, das einlädt, sich wirklich näher und intensiver mit diesem zu befassen, auch weil die sehr stimmungsvollen Nummern noch nach mehreren Durchläufen immer wieder kleine versteckte Details offenbaren. Ein rundum schönes Hörerlebnis. (mt)

 

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