
Hört man sich durch die insgesamt vier Songs der EP durch, wird eines sofort klar. Hier ist eine Formation am Werken, die mit der gewöhnlichen und tausendfach zelebrierten Auslegung des Begriffs „Popmusik“ nicht wirklich viel anfangen kann. Mehr noch scheinen sich der aus Salzburg stammende Richard Deutsch (Guitar, Electronics, Elektronik) und seine Kollegin, die gebürtige Irin Tamara Ashling Lee (Gesang), dieser vollkommen verweigern zu wollen, denn nach dem Schema F erklingt auf ihrem gemeinsamen Erstlingswerk rein gar nichts.
Wie kann man sich den Sound von The Frozen Orchstra, deren Mitglieder sich im russischen St. Petersburg über den Weg gelaufen sind, vorstellen? Man nehme den kunstvollen und vielschichtigen (Elektro)-Pop einer Imogen Heap (Frontfrau Tamara Ashling Lee ginge ohne weiteres als deren gesangliche Zwillingsschwester durch), kreuze diesen mit der Tiefe, Komplexität und Atmosphäre des gitarrenorientierten Postrock und garniere das Ganze mit avantgardistischen und beatlastigen Soundexperimenten und -spielerein einer Ikone wie Björk. Wie gesagt, eine überaus interessante Mischung, die wohl unkonventioneller wohl kaum sein kann, aber dennoch ganz vortrefflich funktioniert.
The Frozen Orchestra – Games by mica

„Russian Slurs“ ist ein Album, mit dem man sich auseinandersetzen muss. Tut man dies aber, eröffnet sich einem ein Hörerlebnis, das im höchsten Maße zu begeistern weiß. Bleibt zu hoffen, dass man von The Frozen Orchstra auch in Zukunft noch einiges zu hören bekommen wird, denn das, was das österreichisch-irisch Duo abliefert, hat wirklich Klasse. (mt)
Foto: The Frozen Orchestra