
Seit August 2005 findet das Taschenopernfestival Salzburg im biennalen Rhythmus statt, wobei bisher durchwegs Uraufführungen exklusiv für das jeweilige Festivalthema entwickelt wurden. Spezielles Augenmerk wird dabei auf den Werkstattcharakter der einzelnen Produktionen gelegt. So versteht sich das “Taschenopernfestival” auch und vor allem als “ein Raum für Experimente, für den Austausch zwischen Komponistengenerationen und den unmittelbaren Kontakt zwischen jungen Sängerinnen und Sängern mit den Autoren Neuer Musik”. Auch stellen die mannigfaltigen Diskurse rund um das produzierende Schaffen im Bereich des Musiktheaters einen wesentlichen Aspekt der Taschenopern dar.
Vorrangig geht es dabei um einen direkten Kontakt des Publikums sowohl mit den Opern als work in progress wie mit verschiedenen künstlerischen Positionen, die an jeweils einem Abend zur Diskussion gestellt werden. So soll nicht zuletzt auch die Oper durch “individuelle Handschriften, mit jeweils eigenem Bezug zum Hier und Jetzt, neu erfahrbar” werden.

Heuer bilden nun “zwölf Minuten, ein Blitz und der Satz ‘Angelus Domini nuntiavit Mariae – Der Engel des Herrn verkündete Maria’ den Ausgangspunkt für sieben spezielle Uraufführungen. Die Spieldauer beträgt jeweils exakt zwölf Minuten, genau zur Mitte schlägt in jedem Stück der Blitz ein”.
Wie dieser Beginn des Angelusgebets (“Der Engel des Herrn verkündete Maria”) nun heute interpretiert werden kann, wird in Folge das Thema für sieben Musiktheaterproduktionen sein. Dabei wird es neben dem Thema Zeit (“Was sind denn zwölf Minuten, die durch eine elektronisch getrimmte Sanduhr laufen? Gefühlt, komponiert, gespielt, gehört, gesehen?”) natürlich auch um Glauben und Zweifel (was ist das “unbefleckte” an dieser “Empfängnis”) sowie möglicherweise auch um Außerirdische(s) gehen.

Auf alle Fälle bietet das “Taschenopernfestival” auch 2011 wieder anregende Reisen in Klangwelten, die aufzeigen, was Oper als Musiktheater für die Gegenwart bedeuten kann.
Taschenopernfestival 2011 – „Der Engel des Herrn“
Sieben Musiktheater-Uraufführungen zur Festspielzeit in Salzburg
Klang21 in Koproduktion mit der ARGEkultur Salzburg und in Zusammenarbeit mit dem oenm . oesterreichisches ensemble für neue musik unter Leitung von Juan García Rodríguez
Taschenopernfestival-Produktionen 2011
1. Michael Beil (D) /Thierry Bruehl (D/F): ” Wie jetzt?” ( UA)
2. Lisa Streich (SE) / Thierry Bruehl (D/F): “…mit brennendem Öle” (UA)
3. Hans-Peter Jahn (D): “KENNWORT: m?e?s?s?i?a?s” (UA)
4. Brigitta Muntendorf (D) / Thierry Bruehl (D/F): “Wer zum Teufel ist Gerty” (UA)
5. Reinhold Schinwald (A) / Sophie Reyer (A) / Ernst M. Binder (A): “fremd körper” (UA)
6. Silvia Rosani (I) / Reinhold Lay (D): “Versteinerte Flügel” (UA)
7. Hüseyin Evirgen (TR/D) / Thierry Bruehl (D/F): “Look at the Moon!”
Termine:
Premiere: Mit, 20.07. 20:00 Uhr
Weitere Aufführungen:
Fre 22.07., Don 28.07., Don 04.08., Fre 05.08., jeweils 20.00 Uhr
Son, 24.07. 17.30 Uhr – Im Rahmen des Festes zur Festspieleröffnung
Weitere Programmpunkte:
Mit 20.07. 19.00 Uhr – Komponistinnen-Gespräch „Oper, die“ (ARGEkultur)
Don 21.07. 19.00 Uhr – Ateliergespräch „Blitzgeschichten“, in Kooperation mit der Universität Salzburg, KunstQuartier, Bergstr. 12
Fre, 22.07. 19.00 Uhr – Lesung mit Sophie Reyer und Ernst M. Binder (ARGEkultur)
Foto 2: Sabine Bruckner