Studie: Der Kreativ-Motor für regionale Entwicklung. Kunst- und Kulturprojekte und die EU-Strukturförderung in Österreich

Die Struktur- und Regionalpolitik als einer der wichtigsten und am höchsten dotierten Politikbereiche der Europäischen Union soll wirtschaftliche und soziale Unterschiede zwischen den Regionen ausgleichen und den Zusammenhalt zwischen den Mitgliedsstaaten stärken. Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft spielen dabei eine zentrale Rolle – die von der EU-Regionalpolitik bislang nur wenig wahrgenommen wurde. Die österreichische kulturdokumentation hat im Auftrag des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur den Stellenwert von Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft in der Konzeption der EU-Politik untersucht. Österreich stellt damit als einer der ersten Mitgliedsstaaten der EU dar, in welchem Ausmaß Kultur von der EU-Regionalförderung profitiert und wo noch Potentiale brach liegen, die aktiviert werden können. Durchgeführt wurde die Studie von  Veronika Ratzenböck, Anja Lungstraß und Xenia Kopf.

Zentrale Ergebnisse der Studie

Zwischen 2007 und 2010 – zur ‚Halbzeit’ der aktuellen Förderperiode 2007 bis 2013 – wurden in den 25 österreichischen Regionalförderprogrammen 534 Kunst-, Kultur und Kreativwirtschaftsprojekte mit € 139 Mio. Gesamtprojektbudgets genehmigt. Mehr als die Hälfte der Mittel – € 78,8 Mio. – kommen aus den EU-Fonds EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung), ESF (Europäischer Sozialfonds) und ELER (Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes).

Diese Zahlen übertreffen die Erwartungen bei weitem und untermauern die Tatsache, dass die Regionalpolitik für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft ebenso zuständig ist wie für Wirtschaft, Umwelt oder Transportwesen. In der Konzeption der Regionalpolitik lässt sich allerdings kein stringenter Ansatz zur Berücksichtigung von Kultur ausmachen.

Besonders häufig sind Kulturprojekte in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit: Österreich hat mit seinen Nachbarn 215 Projekte realisiert und erfüllt damit ein zentrales Ziel der EU-Politik, die Stärkung der Regionen über die Staatsgrenzen hinweg. Erstaunlich ist auch die hohe Zahl von Projekten im ländlichen Raum (149), die durch den Landwirtschaftsfonds ELER kofinanziert werden. Für das Ziel der Verbesserung der regionalen Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung werden Kulturprojekte noch selten genutzt. Überraschenderweise profitiert auch die Kreativwirtschaft mit 17% (91 Projekte) wenig von den Regionalprogrammen. 83% der Projekte (443) liegen in den klassischen Sparten von Kunst und Kultur, hier vor allem im Kulturerbe mit 220 Projekten. Auch in den transversalen Bereichen werden mit 217 Projekten relativ häufig Kulturinitiativen und -zentren, internationaler Kulturaustausch, Aus- und Weiterbildung oder Festivals kofinanziert.

Bundesländer

Die Ausschöpfung der Mittel ist in den Bundesländern unterschiedlich; die meisten Projekte finden in Niederösterreich statt (135), gefolgt von Oberösterreich (77). In den übrigen Ländern wurden zwischen 39 und 58 Projekten genehmigt. Inhaltlich gibt es unterschiedliche Schwerpunktsetzungen, z.B. die Förderung zeitgenössischer Kultur im Rahmen von Leader Steiermark oder der Erhalt des baukulturellen Erbes im Burgenland.

Strukturförderung für Kultur: Mehrwert für die Regionen

Die Studie belegt den gegenseitigen Nutzen von Kultur und regionaler Entwicklung: Die Struktur- und Regionalförderung kommt der Kultur zugute, indem sie vielfältige, regionale Projekte ermöglicht; die Kultur fördert die Strukturentwicklung, indem sie Standortattraktivität, Kohäsion und Beschäftigungsmöglichkeiten in den Regionen begünstigt. Österreich hat mit der aktuellen Studie die Grundlage geschaffen, anhand des ausgewiesenen Volumens Argumente für eine zukünftige bessere Verankerung von Kultur in den Leitlinien und Programmen der EU zu formulieren. Hier können für Kunst, Kultur und Kreativwirtschaft Potentiale und Mittel erschlossen werden, die bislang nicht ausreichend ausgeschöpft wurden.

Herausgegeben von der österreichischen kulturdokumentation
Autorinnen: Veronika Ratzenböck, Anja Lungstraß, Xenia Kopf
Statistische Datenauswertung: Elisabeth Ponocny-Seliger
Im Auftrag des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur, Wien 2011
198 Seiten, 141 Tab., 20 Abb., ISBN 978-3-901360-14-5
Preis: € 20,- (zzgl. Versand), zu bestellen bei www.kulturdokumentation.org

Bestellung der Studie „Der Kreativ-Motor für regionale Entwicklung“: www.kulturdokumentation.org