Mit dem Quartett 78plus steht am 12. März eine überaus interessanteste heimische Band auf der Bühne des Theaters Drachengasse. Im Rahmen der Konzertreihe Spurwechsel IV präsentiert die Wiener Combo einmal mehr ihr aktuelles und von allen Seiten hochgelobtes Album “Wandelwelt”. Die Band erschafft musikalisch einen überaus spannenden Gesamtsound, der zwischen historischen Klängen und deren digitalen Bearbeitung hin und her pendelt.
78plus – das sind Guenther Berger, Stephan Sperlich, Philipp Moosbrugger und Erwin Schober. Stand für die vier Musiker auf dem Debütalbum, noch ein eher experimenteller und avantgardistischer Zugang im Mittelpunkt des Schaffens, bewegen sich 78plus auf dem in diesem Jahr erschienenen “Wandelwelt” unverkennbar in Richtung Pop. Was vielleicht mehr an der Verwendung von Samples alter Schellackplatten liegt, denn an einer bewussten Glättung des Gesamtsounds. Immer noch schallen die Songs mit einer gewissen organischen Rohheit durch die Boxen, was besonders für Atmosphäre sorgt.
So leitet sich der Bandname auch von diesen alten Schellackplatten ab. Diesem, den Vorläufern der 45er-Singles und 33er-LPs gewidmet, setzt man kurzerhand ein “plus” hintan, um so eine respektvolle, aber doch forsche Herangehensweise an diese Zeugnisse der Popgeschichte auszudrücken. Wohl dosiert und geschickt ausgewählt werden die Samples in einen Kontext aus Songwriting, Elektronik und Jazzeinflüssen eingebunden. Dabei werden diese alten Sounds nach eigenem Gutdünken bearbeitet und verfremdet, um sie schließlich in neuer Form und einem aktuellen Kontext erklingen zu lassen. Das Ergebnis geht problemlos als eine tanzbare Mischung aus Popsong und Clubmusik durch.
Ein äußerst interessanter Ansatz also, der in einem wirklich gelungenen Album gipfelt und wohl auch live gehörig für Stimmung sorgen sollte. Eine spannende Geschichte. (mt)

