Mit David Hebenstreit alias Sir Tralala ist am 13. Jänner einer der vielleicht eigenwilligsten und deshalb auch interessantesten Musiker des Landes im Wiener Gürtellokal Chelsea zu Gast. Auf seinem im vergangenen Jahr erschienenen Album “Escaping Dystopia” verstand es der als Exzentriker geltende Künstler wie kaum ein anderer, den geläufigen Singer/Songwriter-Begriffes einer vollkommen neuen Interpretation zuzuführen.
Sir Tralala zählt ohne Zweifel zu den führenden Kreativgeistern des Landes. Es hat zwar einige Zeit gedauert, aber das Warten auf “Escaping Dystopia”, dem zweiten Werk des Musikexzentrikers, hat sich für seine Fans auf jeden Fall gelohnt. David Hebenstreit lieferte nach fünf Jahren Wartezeit im vergangenen Jahr ein Album ab, das schlicht und einfach als herausragend zu bezeichnen ist. Die Musik des in Wien lebenden Künstlers war ja schon bisher in keine bestimmte Kategorie einordenbar, aber die Selbstverständlichkeit, mit welcher er in seinen neuen Songs Stile miteinander verwebt, hat sogar die ausgewiesenen Kenner von Sir Tralala überrascht.
So finden sich in seinen Kompositionen genauso Einflüsse aus der Elektronik, wie auch aus dem Rock, Pop und Jazz. Sogar die Klassik hat er für sich entdeckt, wie das zehnminütige Klavieropus “This Kiss Could Tease” eindrucksvoll beweist. Anders als noch auf seinem Debütalbum “Flying Objects, They Don`t Have A Brain” verarbeitet Hebenstreit heute seine Flut an Ideen in etwas herkömmlicheren Songwriting- und Kompositionsstrukturen, was natürlich nicht als Anbiederung an irgendwelche Strömungen zu verstehen ist. Zudem rücken die elektronischen Elemente ein wenig in den Hintergrund, um herkömmlichen Musikinstrumenten mehr Platz einzuräumen.
Inhaltlich setzt sich der Musiker, geprägt von den ehemals prekären Lebensumständen als Kunstschaffender, mit den großen Gefühlzuständen wie Existenzangst, Einsamkeit, Liebe und Paranoia auseinander. Nicht, dass dies andere KünstlerInnen nicht auch schon getan hätten, David Hebenstreit aber macht dies eine auf solch eindringliche und authentische Art und Weise, wie man es schon lange nicht gehört hat.
Sir Tralala unterstreicht mit “Escaping Dystopia” einmal mehr seine Ausnahmestellung in der heimischen Musikszene. Bleibt zu hoffen, dass die Fans auf den nächsten seiner Geniestreiche nicht nochmals fünf Jahre warten müssen.(mt)
