
Die Musik dieses eigenwilligen deutsch-österreichischen Trios ist eine, durch die man sich durcharbeiten muss, um sie wirklich in ihrer Gesamtheit fassen zu können, vom ersten bis zum letzten Ton. Denn das, was Olaf Rupp (Gitarre), Matthias Müller (Posaune) und Rudi Fischerlehner (Schlagzeug) praktizieren, ist das Spiel mit dem Unvorhersehbaren. Irgendeine Vermutung, wohin das Dreiergespann die Hörerschaft letztlich zu führen gedenkt, stellt sich in keinem Moment ein, die Pfade können einfach überall hinführen, was aber genau den Reiz ihrer ungewöhnlichen Stücke ausmacht. Man wird immer wieder überrascht, jeder Andeutung einer bestimmten Richtungswahl folgt auch sofort schon die Abkehr von dieser. So seltsam die Titel ihrer Nummern (PRE, PEI, SIN, TAM) anmuten, so unkonventionell gehen die drei Instrumentalisten auch musikalisch zu Werke. Vielmehr als man es auf ihrer neuen CD mit auch nur ansatzweise irgendwie klar durchstrukturierten und in sich geschlossenen Nummern zu tun hat, sind es sich stetig steigernde und von weiten Spannungsbögen getragene Klangcollagen, die man dargeboten bekommt.
Olaf Rupp, Matthias Müller und Rudi Fischerlehnerzeigen sich als Experten im Sprengen von traditionellen Grenzen, sie öffnen sich die Tore zu musikalischen Dimensionen, in denen sich die Frage nach irgendeiner stilistischen Ausrichtung schlicht und einfach nicht stellt. Es scheint für die drei Musiker mehr der Weg das Ziel zu sein, der Entstehungsprozess an sich, der seinen Ausdruck in vielen spontanen Interaktionen findet. Es herrscht ein ständiges dynamisches Agieren und Reagieren vor, ein Zuwerfen und kunstvolle Weiterverarbeiten von Ideen, wodurch im Ergebnis dem geordneten Chaos auch Leben eingehaucht. Was sich jetzt vielleicht als ein eher hektisches und ausuferndes Treiben liest, entpuppt sich als das genaue Gegenteil. Das Dreiergespann geht behutsam und fast schon zurückhaltend an die Sache heran, es schafft durch zum Großteil den reduzierten Einsatz seiner Mittel musikalische Räume, in welchen jedes einzelne Geräusch, jeder Ton und Klang voll zur Entfaltung kommen.
„Tam“ ist, obwohl es musikalisch fast schon avantgardistischen Prinzipien folgt, ein sehr stimmungsvolles Album, eines, dem an zugegebenermaßen Zeit geben muss. Tut man dies aber, eröffnet sich ein wirklich spannendes, weil nicht alltägliches Hörerlebnis. (mt)