Man stelle sich vor drei Musiker vor, die aus dem Jazz stammend, sich diesem nicht wirklich mehr so verbunden fühlen, die ihre Freude vielmehr darin haben, sich, mit dem Ziel ihre eigene Sprache zu entwickeln, über alle vermeintlichen Grenzen zwischen den Genres hinwegzusetzen. Genau als solche zeigen sich der Klagenfurter Posaunist mit Hang zu elektronischen Spielerein Mario Vavti und seine beiden Kollegen, der Bassist Stefan Thaler und der Schlagzeuger Harry Tanschek. Im Trio als Ride The Slide versuchen sie den Bruch mit den musikalischen Konventionen an die Spitze zu treiben und Spielformen miteinander in Verbindung zu setzen, die dem ersten Anschein nach nicht wirklich viel miteinander zu tun haben. „Get Up“ (Samoton), das 2012 erschienene Erstlingswerk des Dreiergespanns ist wohl genau das, was man ein dynamisches, humorvoll verspieltes und alle stilistischen Fragestellungen außer Kraft setzendes Musikereignis nennt. Denn das, was in den Stücken regiert, ist die vom Geiste des Experiments getragene vollkommene Loslösung von allem Definierten. Jazz trifft auf Elektronik, Drum ‘n’ Bass, einen gewissen alpenländischen Touch, auf waghalsige, jedoch immer der Musik dienliche Improvisationen, auf Loops, allerlei Schräges, auf ordentlich viel Groove und noch mehr Spielwitz. Die nächste Gelegenheit, das Trio live zu erleben gibt es am 18. Mai im Raj in Klagenfurt. Nur wenige Tage später, am 23. Mai, machen Ride The Slide Station im Wiener Porgy & Bess.
Nun, die Puristen unter den Jazzliebhabern werden mit der Musik von Ride The Slide wohl eher ihre Mühe haben. Zu sehr aus dem Rahmen der üblichen Begrifflichkeiten fällt nämlich das von Mario Vavti, Stephan Thaler und Harry Tanschek Fabrizierte. Das Dreiergespann tänzelt, als ob es nicht Selbstverständlicheres gäbe, leichtfüßig und mit hörbar großem Spaß an der Sache durch die unterschiedlichsten musikalischen Welten und wirft wirklich Unterschiedlichstes in einen Topf. Das Erstaunliche ist, dass diese musikalische Achterbahnfahrt tatsächlich wie aus einem Guss erklingt. Keine Spur irgendeiner Art von Sperrigkeit, obwohl das von den drei Beteiligten Dargebotene zweifellos instrumental herausfordernder Natur ist.
Nur rücken Mario Vavti, Stephan Thaler und Harry Tanschek diesen Umstand nicht in den Vordergrund. Sie lassen es vielmehr fließen, sie interagieren im blinden Verständnis miteinander und erschaffen dieser Art einen sehr vielschichtigen Sound, welcher vor allem auch in einem hohen Maß an einer erfrischenden Eigenwilligkeit ihren Ausdruck findet. Die Frage nach einer Kategorisierung ihres Stils kann man getrost unbeantwortet lassen, spielt sie bei der Vielfalt an Einflüssen ohnehin keine große Rolle. Ausgehend vom Jazz schlägt das Trio so ziemlich überall hin seine Brücken, zu verschiedenen elektronischen Formen, zum edlen Swing, zu Klangexperimenten, in leichten Ansätzen auch zu alpinen Volksmusik und, und, und.
Mario Vavti, Stephan Thaler und Harry Tanschek zeigen, was wirklich Spannendes entstehen kann, löst man sich von allem Scheuklappendenken. Ihre Musik ist eine, die zugleich Spaß macht, wie auch herausfordert, sich mit ihr näher zu befassen. Wer sich für ausgefallenen Jazz begeistern kann, ist bei dieser Truppe definitiv an der richtigen Adresse. (mt)