Reiche Kulturnation, arme Künstler

Laut einer vom bm:ukk in Auftrag gegebenen Studie hat sich die soziale Lage von heimischen KünstlerInnen aller Kunstsparten in den vergangenen Jahren drastisch verschlechtert. Mehr als ein Drittel der Kulturschaffenden in Österreich muss heute mit weniger als 900 Euro im Monat auskommen und lebt damit deutlich an der Armutsgefährdungsgrenze.

Im Rahmen einer Pressekonferenz am 22. September wies der Kulturrat Österreichisch , ein Zusammenschluss der Interessenvertretungen von Kunst-, Kultur- und Medienschaffenden, auf die prekäre Situation hin, mit denen mehr als ein Drittel der heimischen Musikschaffenden zu kämpfen haben. Basis ihrer Annahme ist der Rohbericht einer von Kulturministerin Schmidt (SPÖ) bei der R & S Sozialforschung in Wien in Auftrag gegebene Studie mit dem Titel “Zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen in Österreich”, welcher aber bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht wurde. Ohne aber auf das Endergebnis vorzugreifen, lässt sich bereits sagen, dass es im Bezug auf Einkommen und soziale Sicherung um die österreichischen KünstlerInnen eher bestellt ist.

Aus den bisher kolportierten Zahlen geht nämlich hervor, dass sich das mittlere Pro-Kopf-Einkommen unter Kulturschaffenden um die 1.000 Euro pro Monat bewegt. Es liegt damit deutlich unter jenem der Gesamtbevölkerung (1.488 Euro) und nur knapp über der Armutsgefährdungsgrenze (893 Euro). Die Armutsgefährdungsquote der Kunstschaffenden ist daher dreimal so hoch wie in der Gesamtbevölkerung (12,6 Prozent). Es sind vor allem Fragen zur KünstlerInnenversicherung, die zu erheblichen Problemen führen.Besonders hart trifft diese Entwicklung rund 37 Prozent der Kulturschaffenden. Nur wenige von ihnen sind ausreichend pensionsversichert und müssen sich mit meist schlecht bezahlten Nebenjobs über Wasser halten, was wiederum zu Problemen im Bereich der Mehrfachversicherungen führt – eine Art Teufelskreis.

Der Kulturrat Österreich, vertreten durch Daniela Koweindl (IG Bildende Kunst), Maria Anna Kollmann (Dachverband Filmschaffende) und Günther Wildner, ruft daher die politischen Entscheidungsträger dazu auf, sich endlich mit dem Problem auseinander zu setzen und unter Einbeziehung der Interessenvertretungen Maßnahmen zu initiieren, die Situation für die Betroffenen zu verbessern. Als Sofortmaßnahme schlägt man die Aufhebung der Einkommensuntergrenze als Voraussetzung für einen Zuschuss aus dem Künstlersozialversicherungsfonds vor. Zudem soll man auf jeglichen Rückzahlungsforderungen, welche die ohnehin prekären Existenzen gefährden, verzichten. Längerfristig, so fordert der Kulturrat Österreich, ist es notwendig, an nachhaltigen Lösungen und Verbesserungen zu arbeiten, die auch eine Änderung der derzeit geltenden gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich dieser Materie vorsehen.(mt)

Österreichischer Kulturrat