Am 14.11.1805 wurde in Hamburg ein Mädchen geboren, über das heute noch gelegentlich als Fanny Hensel-Mendelssohn (oder Mendelssohn-Hensel) geschrieben wird. So hat sie nie geheißen. Fanny Zippora Mendelssohn wurde als Zehnjährige nach ihrer Taufe zu Fanny Cäcilia Mendelssohn Bartholdy.
Nach der Hochzeit mit dem preußischen Hofmaler Wilhelm Hensel führte sie ab 1829 dessen Nachnamen. Als sie erst wenige Jahre vor ihrem unerwartet frühen Tod (1847) begann, ihre Kompositionen im Druck zu veröffentlichen, tat sie dies unter dem Namen Fanny Hensel, geb. Mendelssohn Bartholdy.
Der 210. Geburtstag der Komponistin am 14. November 2015 bietet die Gelegenheit, ihr ein besonderes Geschenk zu machen: Der bislang als Fanny Hensel-Mendelssohn-Saal bekannte Spielort an der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien wird historisch korrekt in Fanny Hensel-Saal umbenannt. Damit sich dieser Name auch ins Bewusstsein der Öffentlichkeit einprägt, findet eine einjährige Veranstaltungsreihe statt, die am 209. Geburtstag der Komponistin beginnt. Ihr Motto „Raum für Fanny Hensel“ spielt zum einen auf die neue Bezeichnung des Konzertsaales an; zum anderen soll deutlich werden, dass Räume kulturellen Handelns dadurch entstehen, dass Menschen mit- und füreinander musizieren.
Insgesamt werden fünf moderierte Konzerte veranstaltet: Zwei – im Jänner und Mai 2015 – zeichnen jene historischen Orte und kulturellen Räume nach, in denen sich Fanny Hensel als Komponistin, Pianistin, Konzertorganisatorin und Dirigentin künstlerisch verwirklichen konnte. Sie füllen ‚ihren Raum‘ mit ihrer Musik. Das Konzert im März 2015 hingegen erinnert an das musikalische Wirken ihrer weiblichen Familienmitglieder in Berlin und Wien. Namentlich ihre Großtante Fanny von Arnstein ist für die mdw von größter Bedeutung: Sie gilt als Mitbegründerin der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien und damit der Vorgängerinstitution der mdw – der Singschule (ab 1818 Conservatorium).
Eingerahmt werden diese Konzerte vom Wettbewerb um den Fanny Hensel Kompositionspreis, erstmals ausgeschrieben für Studierende an österreichischen Musikuniversitäten. Ausgelobt am 209. Geburtstag, endet er ein Jahr später am 210. Geburtstag mit einem Uraufführungskonzert, das gleichzeitig Finale ist. Schirmherrin des Wettbewerbs ist die Mendelssohn Gesellschaft e.V. in Berlin, die 1967 von einer Urenkelin Fanny Hensels gegründet wurde.