Mit brandneuem Programm im Gepäck sind Ausnahmeorganist Raphael Wressnig und sein Organic Trio, bestehend aus Georg Jantscher an der Gitarre und Lukas Knöfler am Schlagwerk, dieser Tage in Österreich. „Partyfactor“ nennt sich dieses und vereint in bester Manier grooveorientierten Orgel-Jazz mit einer ordentlichen Portion Funk und viel Improvisation. Unterstützung erhält das Trio von Harry Sokal, seines Zeichens einer der führenden Saxophonisten des Landes. Am 10. Dezember gastiert die Truppe im Grazer Stockwerk Jazz. Was die BesucherInnen erwartet? Ein schlicht und einfach wunderbares Hörerlebnis zwischen Virtuosität und jeder Menge Spielwitz.
Vor etwas mehr als 50 Jahren war es der 2007 verstorbene Joe Zawinul, der sich von Österreich aus anschickte, die Jazzwelt mit seinem außergewöhnlichen Spiel zu erobern. Heute, ein halbes Jahrhundert später, versucht es ein anderer heimischer Keyboarder, dem großen Vorbild nachzumachen. Wie Zawinul liebt Raphael Wressnig den Soul-Jazz der frühen 60er Jahre. Der im steirischen Bad Radkersburg geborene Organist begann sich schon in frühen Jahren, für den Sound des Jazz und Blues zu begeistern. Als Autodidakt war es ihm möglich, sich binnen kürzester Zeit die verschiedensten Pianostile sowie das Jazz/Blues- Orgelspiel, vor allem jenes aus New Orleans, anzueignen. Dabei dienten traditionelle Jazzorganisten der Marke Jimmy Smith und Jack McDuff genauso als Vorbilder wie auch moderne Interpreten wie John Medeski und Larry Goldins. Wressnig gelang es im Laufe der Zeit jedoch mehr und mehr, seinen ganz eigenen unverkennbaren Stil zu entwickeln.
Die Liste der Künstler, mit denen sich der Steirer in Folge die Bühne teilen durfte, liest sich wie das “Who is Who” der Jazzmusik. Joe Zawinul, Sugar Blue, Eddie Clearwater, Kenny “Beedy Eye” Smith, Horacio Hernandez oder Craig Handy sind nur einige wenige, die das große Talent des Steirers zu schätzen wussten. Wressnig, den seine Tourneen mittlerweile rund rund um die Welt führen, zeichnet die außergewöhnliche Fähigkeit aus, den legendären Blue Note-Sound der 60er Jahre – ein Mix aus Soul, Jazz, Funk und Blues – in einer unvergleichlich dynamische, jedoch gleichzeitig auch sehr eleganten Form in die Jetztzeit zu transferieren.
Wie Wressnig gehört auch Harry Sokal inzwischen seit vielen Jahren zu den gefragtesten Vertretern der heimischen Jazzszene im Ausland. Der 1954 geborene Saxophonist wurde 1977 zum Mitglied des Vienna Art Orchestras und war von 1979 bis 1999 Mitglied des legendären Art Farmer Quintetts. Der 2005 mit dem Hans Koller Preis ausgezeichnete Musiker spielte unter anderem bereits mit solch internationalen Größen wie Art Blakey, Dave Holland, Friedrich Gulda und Joe Zawinul. Zudem gehört er dem legendären Jazztrio Depart an.
Was erwartet die BesucherInnen also, wenn sich vier so außergewöhnliche Individualisten wie Raphael Wressnig, Harry Sokal, Georg Jantscher und Lukas Knöfler zusammentun. Eines scheint sicher, eine exakte Voraussage zu treffen, welche Richtung das Quartett einschlagen wird, ist nahezu unmöglich. Dafür halten sie sich viel zu wenig an vorgegebene Strukturen. Aber genau das macht die ganze Sache auch so spannend. Bei solchen Vorzeichen kann das Publikum höchst abwechslungsreichen Konzertabenden entgegenblicken.(mt)
Weitere Termine
11.12.10: Theater Lechtaler-Belic, Graz
15.12.10: Funk-Club, Wels
16.12.10: private function, Linz