Bild Der Nino aus Wien
Der Nino aus Wien (c) Promo

Radio Vienna – Sounds from the 21st Century

Die Vielfalt der Wiener Musikszene wurde von der Bayern 2-Moderatorin Dagmar Golle (“Heimatsound”) in Zusammenarbeit mit dem deutschen Label Galileo MC nun auf Platte gebannt.

Das Album trägt den sehr dynamischen Titel „Radio Vienna – Sounds from the 21st Century“ und umfasst neben den Genres Jazz und Soul auch das Wienerlied und Weltmusik. Es ist eine bunte Mischung aus Sprachen, Dialekten und Stimmungen. Wobei Letztere eher gediegen und ruhig sind. Schon der Einstieg – „Der schönste Mann von Wien“ vom Vater-Sohn-Duo Worried Man & Worried Son und Der Nino aus Wien – setzt einen Maßstab dafür, wie sich die Platte entfalten wird.

Als Opener ist dieses langsame, verspielte Wienerlied perfekt gewählt. Es vereint den Wiener Schmäh und die österreichische Melancholie. Der Schmäh zieht sich auch durch die Songs von Willi Landl, der immer eine recht klassische Jazz-Kulisse zu seinen Texten wählt, und von 5/8erl in Ehr’n, die mit „Prince of Fantasy“ vertreten sind.

Melancholie und Schmäh passen gut zusammen

Die Melancholie gibt es bei Martin Klein zu spüren, der sie mit Aufbruchsstimmung paart, und ebenso bei Schmieds Puls, die zumindest ein bisschen Pop auf die Platte bringen. Denn die Genre-Frage ist so ein bisschen der Nachteil dieser und aller Compilations im Allgemeinen. Wie kann ich die Musikszene einer ganzen Stadt auf eine CD bannen? Welche Artists inkludiere ich, und welche lasse ich aus? Und wie soll die Stimmung des Albums sein?

Auf die vorletzte Frage haben die Produzenten eine gute Antwort gefunden, denn fast die Hälfte der Songs hat serbische, iranische, albanische oder auch türkische Wurzeln. Und das zeigt ziemlich treffend, dass Wien eine stolze Multikulti-Stadt ist. Die Frage nach der Stimmung wurde ziemlich eindeutig mit einer ruhigen, rauchigen Atmosphäre beantwortet. Obwohl schon ein paar verschiedene Genres vorkommen, fehlen ein bisschen das Elektronische und Rockige.

Mehr Frische, weniger Rauch

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Cover “Radio Vienna – Sounds from the 21st Century”

Denn der Titel, so dynamisch er auch sein mag, trügt ein wenig, denn die „Sounds of the 21st Century“ sind eher neu interpretierte Sounds aus vergangenen Jahrzehnten. Das ist an sich kein Problem, aber beim Durchhören der Platte kommt schon ein stark nostalgisches Gefühl auf, was bei so zeitlosen Melodien wie „The Voice Within“ von Fatima Spar & JOV und „Sar Planina“ von Madame Baheux nur natürlich ist.

Trotzdem fehlen zwischendrin die musikalische Frische und das Aufatmen, wenn ein frecher, fröhlicher Pop-Song oder ein elektronisches Zwischenspiel erklingt. Ogris Debris, A Life, A Song, A Cigarette und auch Fijuka hätten noch ein bisschen mehr Verspieltheit auf das Album gebracht. Doch alles in allem kann man „Radio Vienna – Sounds from the 21st Century“ sehr loben, denn es ist gelungen, einen musikalischen Überblick über eine ganze Stadt auf eine Platte zu bannen, ohne irgendwelche Klischees zu bedienen oder in ein Fettnäpfchen zu treten.

Anne-Marie Darok

 

Link:
Galileo Music