Porträt Siluh Rec.

Die heimische Popszene erlebte in den vergangenen Jahren eine Art Renaissance. Was viele lange Zeit nicht für möglich gehalten oder schlicht und einfach ignoriert haben, war der Umstand, dass hierzulande abseits des radiotauglichen Popmainstreams sich eine mehr als lebendige und in ihren Stilen überaus facettenreiche Szene etablieren konnte. Mitverantwortlich für die positive Entwicklung sind die in den vergangenen Jahren zahlreich gegründeten Indielabels, die inzwischen Heimat für viele talentierte und hoffnungsvolle Acts geworden sind. Eines dieser Labels ist das von Bernhard Kern und Robert Stadlober betriebene Siluh Records.

Oftmals gehören in der heimischen Musikszene ein hohes Maß an Idealismus und viel Mut dazu, ein eigenes Label zu gründen. Die Erfolgsaussichten, vielleicht irgendwann einmal das zumindest die investierten Kosten zurückzubekommen, halten sich in einem bescheidenen Rahmen. Besonders in einer Zeit, in der nicht viele etwas von einer höchst lebendigen, facettenreichen und ungemein kreativen Musikszene wissen wollen.

Ähnlich stellte sich die Situation in Wien um das Jahr 2005 dar. Zwar waren im Untergrund ungemein viele hochtalentierte Bands und MusikerInnen am Werken, so richtig Notiz genommen haben, abgesehen von einigen echten Szenekennern, nur wenige. Doch mit einem Schlag änderte sich dies. Fast wie Pilze aus dem Boden sprossen zahlreiche neue, mit dem Fokus auf Popmusik aus dem deutschsprachigen Raum gerichtete Indielabels. Man denke nur an Clara Luzias Asinella Records oder Fettkakao. Und eben auch Siluh Rec.

Was die BetreiberInnen dieser kleinen Indielabels damals wie heute eint, ist mit Sicherheit ihre große Liebe zur Musik. Genau diese war für Bernhard Kern und Robert Stadlober, die mit ihren Bands Jugendstil und Gary selbst musikalisch höchst aktiv unterwegs gewesen waren, vermutlich auch der ausschlaggebende Grund, es selbst einmal zu versuchen. Die Beiden waren sich einig darüber, dass speziell in Wien in der Nische, die noch heute sich oft als “Indie” bezeichnet wird, eine große Anzahl erstklassiger Acts zu finden sei, die es zu fördern, sich lohnen würde.

Bei der Bandauswahl jedenfalls setzen sich die Labelbetreiber von Anfang an keinerlei stilistische Einschränkungen, obwohl eine gewisse Vorliebe zum abwechslungsreichen Gitarrenrock der alternativen Sorte aus heutigem Blickwinkel nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Dennoch, man startete zu allen Seiten offen, was auch die ersten Veröffentlichungen des Labels unterstrichen.  Da fand melodiöser Gitarrenpop in der Tradition der Hamburger Schule (Tchi) genauso Platz wie hochinteressante Klangexperimente im Großformat (Thalija) und exzellentes englischsprachiges Singer-Songwritertum (A Life A Song A Cigarette).

In einem Interview mit dem Radiosender FM4 formulierten Bernhard Kern und Robert Stadlober ihr Credo folgendermaßen: „Wenn man irgendwie Karriereambitionen an einer Band sieht oder hört, dann wird’s schon unsympathisch. Uns interessieren KünstlerInnen, die Musik machen, weil sie die Musik machen wollen und nicht, weil sie Musiker sein wollen!”

Was also im kleinen Kämmerlein mit wenig Geld begonnen hat, ist inzwischen zu einem echten Erfolgsprojekt herangewachsen. Nahezu alle unter Vertrag stehenden Acts konnten sich nicht nur in Österreich einen Namen machen. Jedem Kenner der heimischen Musikszene sind die Bands wie etwa A Life, A Song, A Cigarette, Killed By 9Volt Batteries, Gary oder Francis International Airport ein Begriff. Jüngstes Beispiel für den gediegenen Musikgeschmack der beiden Labelbetreiber Bernhard Kern und Robert Stadlober ist die Wiener Combo Sex Jams, die erst vor wenigen Monaten mit einem erstklassigen Debüt auf sich aufmerksam machen konnten.

Welch hohen Stellenwert Siluh Rec. hierzulande inzwischen geniest, untermauert auch der dem Label gewidmete und von diesem selbst gestaltete Konzertabend am Wiener Karlsplatz  im Rahmen des diesjährigen Popfests. Wohl nicht ganz ohne Grund ist Robert Rotifer, seines Zeichens einer der bedeutendsten Popexperten des Landes und Programmierer des Festivals, auf  Bernhard Kern und Robert Stadlober zugegangen, um sie für ein derartiges Projekt zu gewinnen.

Man ist also auf dem richtigen Weg. Auch finanziell, wie Robert Stadlober in einem kürzlich im Kurier erschienenen Interview bestätigt. Ist zu Beginn noch sehr viel Geld aus eigener Tasche in den Erhalt des Labels geflossen, erwirtschaftet Siluh Rec. heute sogar ein wenig Geld, welches sogleich in die nächsten Produktionen investiert wird.

Aktuell macht Robert Stadlober, neben seiner schauspielerischen Tätigkeit und seiner Funktion als Labelbetreiber wieder als Musiker von sich reden. Mit „One Last Hurrah For The Lost Beards Of Pompeji” ist seit Mitte Mai das neue Album seiner Band Gary in den Plattenläden erhältlich.(mt)

http://www.siluh.com/