Porträt: Kruder & Dorfmeister

Wien, frühe Neunziger Jahre. Nach dem schulterpolstrigen Party-Hedonismus der Achtziger Jahre begann eine reichlich transformierte Klubkultur zu sprießen. Mit ihr erschienen junge Protagonisten am Parkett, deren Zugang zu Musik ein ureigener war, und dabei auch ein Augenzwinkern gegenüber dem eigenen kreativen Schaffen zuließ. Es herrschte Aufbruchsstimmung. Nicht zuletzt deshalb, da sich Dank der beginnenden Digitalisierung eine Demokratisierung der Produktionsmittel abzeichnete, die sich noch als wesentlich für das erweisen würde, was wenige Jahre später als Vienna Sound weltweit für Furore sorgte.

Im Montagsklub Soul Seduction bekam Black Music eine klubkulturelle Institution, bald schon hielt dort auch das zunächst belächelte HipHop-Genre Einzug – wenn auch zunächst in Spurenelementen. Im zu dieser Zeit noch als höchst kredibel geltenden Wiener Klub U4 begann Drum ’n’ Bass in Veranstaltungsform zu gedeihen. Das alles bedeutete den Nährboden, den Peter Kruder und Richard Dorfmeister zu nutzen wussten, als sie sich in eigenbrötlerischer Weise daran machten ihre Samplingexperimente zu starten. Doch es sollte nicht nur der Sound, der sich sowohl aus Jazz, wie auch aus HipHop, Drum ’n’ Bass und laid-back Sounds diversester Spielarten speiste, sein, der zum in mehrerer Hinsicht langsamen Weltruhm führte. Auch das visuelle Konzept, das Kruder & Dorfmeister mit ihrer auf dem eigenen Label G-Stone veröffentlichten Debüt-EP G-Stoned an den Tag legten, gab der Sache einen sympathisch-eigenwilligen Drall. Zwei adrette junge Herren verpassten sich ein offensichtliches Kiffer-Image und stellten dabei das Coverfoto von Simon & Garfunkels 1968er Album Bookends nach. Das hatte Schmäh, und spätestens als der britische Radiogott und Königsmacher in der Disziplin Club-Culture – Gilles Peterson – auf die beiden spinnerten Wiener mit der latenten Selbstverweigerungshaltung aufmerksam wurde, nahmen die Dinge ihren Lauf.

Kruder & Dorfmeister wurden sukzessive zur Trademark was Elektronik im marihuanagedämpften Zusammenhang anbelangte. Zwar wurden die beiden schnell ins Lounge-Eck gestellt, doch dass die Rezeption von Musik nicht immer im Sinne des Erfinders sein muss, gilt als ungeschriebenes Gesetz der Popkultur. Und dass die 1993er EP ihr erster und letzter Tonträger, der ausschließlich mit Eigenmaterial bestückt ist, bleiben sollte, ahnte damals niemand – doch es erwies sich im nachhinein als geschickte Taktik, um den Mythos K & D aufrecht zu erhalten. Was folgte, war eine ebenso eigenbrötlerische DJ-Kicks Kompilation im Jahre 1996. Und als sich die Remixkünste der beiden Wiener bis zu den Erstligisten der Popmusik durchgesprochen haben, setzten sich Kruder & Dorfmeister mit The K&D Sessions, eine Kompilation ihrer Remixwerke, ein Denkmal – ein Klassiker der Neunziger, was auch daran deutlich wird, dass die Vinylerstausgabe mittlerweile zu hohen dreistelligen Eurosummen gehandelt wird. Anstatt sich den guten Ruf durch ein womöglich laues Album zu ruinieren, stürzten sich Peter Kruder und Richard Dorfmeister auf Soloprojekte.

Vor allem letzterer reüssierte im Verband mit Rupert Huber als Tosca weltweit. Kruder unterhielt sein Projekt Peace Orchestra und verdingte sich als Produzent unter anderem für einen anderen Weltstar des Dancefloors – DJ Hell. Nach sporadischen gemeinsamen DJ-Auftritten im Lauf der Nuller Jahre, taten sich Kruder & Dorfmeister im Jahr 2010 erneut zusammen, um im großen Stil den nordamerikanischen Kontinent und Europa mit einer opulenten Visualshow zu bespielen.
Johannes Luxner

http://www.g-stoned.com/
http://www.myspace.com/kruderanddorfmeister