Popfake-Festival

Seit seinen Anfängen ist das Booking- und Konzert-Label Popfakes dafür bekannt, die unerhörtesten und eigenwilligsten Musiken auf Österreichs Bühnen zu hieven. Das zweitägige Geburtstagsfestival am 21. und 22 September in der Linzer Stadtwerkstatt steht natürlich ebenfalls ganz in dieser Tradition, so dass ein wunderbarer Querschnitt zu sechs Jahren Labelgeschichte auf dem Programm steht.

Gleich am ersten Tag wird beispielsweise Austrofred einmal mehr unter Beweis stellen, dass er nicht umsonst als österreichischer Freddy Mercury bezeichnet wird. Seit vielen Jahren bereits begeistert er zahllose Fans mit kraftvollen und grandiosen Versionen der größten Welthits der Kultband Queen. Dabei werden deren Songs nicht einfach bloß nachgesungen, sondern völlig neu interpretiert und mit einem rot-weiß-roten Anstrich versehen.

 

Neben diesem Kracher stehen natürlich auch viele andere auf dem Freitags-Programm, unter anderen Andre Zogholy oder auch Mord. Ersterer hat sich ganz der experimentellen Elektronik-Musik verschrieben und kann neben diversen Solo-Projekten auch zahlreiche Kooperationen mit verschiedenen Künstlern, audio-visuelle Installationsarbeiten und konzeptive künstlerische Betätigung im Feld politischer Kulturarbeit seinem Lebenslauf hinzufügen. Das österreichische Kollektiv Mord wird schließlich mit dem japanischen Vokal-Improvisateur und früheren Sänger der legendären Krautrocker Can kollaborieren.

 

Der folgende Tag beginnt wohl für die meisten mit einer schwierigen Entscheidung: Wecker stellen, um bereits am Vormittag dem Frühstückskonzert von Musica da Cucina aus Italien beiwohnen zu können, oder doch lieber noch eine Runde schlafen, um für das Abendprogramm gewappnet zu sein, das mit Bands wie Thalija, Kreisky oder David Lipp prominent besetzt ist.

 

Das Kollektiv Thalija muss man hierzulande eigentlich sowieso nicht mehr großartig vorstellen. Die Dimensionen sind nach wie vor gigantisch: acht E-, drei Bass-Gitarren, zwei Schlagzeuger, ein Keyboard plus Elektronikkiste. Der Sound breit, die Nummern lang und immer wieder der Gedanke an so manche Constellation-Band, ohne jedoch in die Nähe von bloßem Abkupfern zu kommen.

 

Etwas bescheidener, wenn auch nur die Anzahl der Bandmitglieder betreffend, kommen Kreisky daher. Das Quartett hat sich seit 2005 zum Ziel gesetzt, in einfacher Rockbesetzung einfach nur Musik zu machen, ganz ohne post-ironisches Image oder Ambitionen in Richtung ernsthafter Politkapelle. Als “Jesus Lizard trifft Udo Jürgens” wurde eines ihrer ersten Konzerte einmal bezeichnet.

 

Ebenfalls im Line-Up vertreten, David Lipp, Sänger und Texter der oberösterreichischen Formation “4 Experimentelle, die nur 2 sind”. Dieser hat sich vor einiger Zeit dazu entschlossen, sich als Solokünstler an deutschsprachigen Liebesliedern zu versuchen. Wer sich also vom Ergebnis dieses Entschlusses noch nicht überzeugen hat können, kann das, neben vielen anderen Eindrücken, am zweiten Tag des Popfake-Festivals nachholen.(mm)