Plötzlichkeiten – Ein Festival des Augenblicks

Das etwas andere Festival feiert am kommenden Wochenende in der steirischen Murmetropole seine Premiere. Unter dem Motto „Plötzlichkeiten“ wird am 30. Juni das Grazer Theater im Bahnhof zur Spielstätte der ganz besonderen Art. Interdisziplinarität und Spontanität stehen hierbei im Vordergrund.

Wie der Name schon verrät, wird alles dem Ereignis des Moments überlassen und irgendwie auch wieder doch nicht. In Zeiten von Informations-Überfluss, ausgelöst durch Highspeed-Internet und Datenträgern wie Smartphone etc., leben wir in einer Welt in der nichts mehr dem Zufall überlassen wird und ein Moment den anderen jagt. Die Allgegenwärtigkeit von Daten, die Echtzeit in der wir Informationen um den Erdball jagen können, hat uns vor allem des Augenblicks, eines singulären, unerwarteten Ereignisses beraubt. Nichts kann uns mehr wirklich treffen, denn es ist alles Just in Time. Und genau aus diesem Zustand der Lähmung wollen die Veranstalter des Festivals die Besucher befreien. Als Erlöser gilt hierbei die Kunst, denn gerade diese zielt auf Spontanität, also auf eine „Plötzlichkeit“ ab und lässt zwanghafte Situationen außen vor.

„Plötzlichkeiten“ spielt mit Performance, Theater, Musik, Installation und Intervention. Im Blickpunkt steht das spontane Interagieren und das Auflösen diverser Schnittstellen. Ausgehend vom Verein Artenvielfalt wird kommende Samstag erstmals in Graz ein Pop-Up Festival präsentiert, das einerseits  als Forum für spartenübergreifende Vernetzung dienen, andererseits  wechselseitigen Austausch und gegenseitige Unterstützung junger Kulturschaffender ermöglichen soll. Es wird ein Aufeinandertreffen unterschiedlichster Künstler und Kunstsparten und man darf sich auf einen vielversprechenden Abend freuen.

Schon alleine das musikalische Programm, kann sich hören lassen. Von Multielektronik-Sounds der Band Praq, Instrumental-Noise von Waikiki Star Destroyer, bis hin zum Tanzkapellen-Ohrenschmaus von Schmidt International werden die Momentaufnahmen optimal bereichert. Reggae, Samba, Funk und Soul -und somit heiße Rhythmen für die ebenso heiße Jahreszeit- liefert das Trommler-Kollektiv Vento Sul. Für Tanzmusik aus den diversen Elektronikgeräten sorgen des weiteren David Pfister, Chra und Fm Zombiemaus.

Die Puppen tanzen – im wahrsten Sinne des Wortes – lässt kommenden Samstag außerdem Nikolaus Habjan, der aktuell im Wiener Schuberttheater mit dem Programm „ “F.Zawrel – Erbbiologisch und sozial minderwertig” für ein ausverkauftes Haus sorgt. In Graz steht jedoch „Oskar Werner liest Rilke“ am Spielplan.  Das Vorstadttheater Graz wird ebenso für Schaulust sorgen. Die Herren von Cooks of Grind, die schon mit Food-Kunstprojekten wie dem Hot Dog Automaten, oder Lo-Fi Running Sushi selbst Ausland auf sich aufmerksam gemacht haben, bieten bizarren Gaumenschmaus. Damit das Festival ebenso den Sehnerv anregt, wird auch mit Screenings und Installationen nicht gespart.

Ein Ereignis wie es niemals mehr im Leben in dieser Art  wieder stattfinden wird, nur dafür garantiert „Plötzlichkeiten“ mit Sicherheit. Alles andere wird der Magie des Augenblicks überlassen. (bw)

Fotos: Schmidt International (c) Lupi Spuma, Nikolaus Habjan (c) Reinhard Werner

http://www.ploetzlichkeiten.at/