Pate des Wienerliedes – Porträt Karl Hodina

Er ist der „Godfather“ des Neuen Wienerliedes. Karl Hodina wird nächstes Jahr stolze 80 Jahre und genauso stolz ist Österreich auf diesen, seinen Helden, der seine Fertigkeiten der Erhaltung und Entwicklung des Alten und Neuen Wienerliedes widmet. Seinerzeit stand er damit mehr oder weniger alleine in der Landschaft (Ottakrings, Stammersdorfs, …) und dürfte mit seinem aktivem Einsatz vielen Mut gemacht und Neugierde geweckt haben, das immerwährend Reizvolle der Wienerliedmusik gierig aufzusaugen und neu zu interpretieren.

Von Architektur bis Akkordeon

Die Wirtschaft musste dabei einen gelernten Chemigrafen und Lithografen einbüßen und an die Kunst „verlieren“, denn einer Augenkrankheit ist es zu verdanken, dass der großartige Akkordeonist, Komponist und Sänger sich neu orientieren musste. Plan B war die Malerei, neben der er auch als Architekt seiner Kreativität Ausdruck verlieh (z. B. in Autobahnraststätte in der Nähe von Gleisdorf/Stmk). Herrgott sei Dank wirkt sein Talent aber gleichermaßen und mit viel Herzblut durch Plan C, nämlich auf dem Gebiet der Musik.

Der Jazzer „aus Ba und Fleisch“ vermag es meisterlich, nicht nur Originäres durch seine Aufführungen ohne Kitsch klanglich neuen Odem einzuhauchen. Altes und viel Eigenes verbindet er durch seine selbstverständliche Qualität mit weltmusikalischen Grooves, z. B. bei seinem Album „Brasilianische Schrammeln“. Dort schenkt er seinen Zuhörern samt Österreichbrasilianer Alegre Corrêa, Rudolf Koschelu, Paul Urbanek, Maria Papst, Luis Ribeiro, Gabriela Nascimento-Corrêa und Trude Mally einen wohlklingenden Strauß Crossover, als hätte es schon immer so sein müssen, als wäre das Wienerlied, solange die Welt existiert, unterirdisch mit Südamerika verbunden. Man fühlt das Phänomen common ground.

Was zu Wien gehört, gehört zu ihm

Von Welt ist auch, wie er sich den ebenso zu Wien gehörenden Sintieinflüssen hingibt, z. B. im Joschi Schneeberger Sextett, bei dem er sich mit MusikerkollegInnen Joschi und Diknu Schneeberger, Aaron Wonesch, Martin Spitzer und Toni Mühlhofer austobt, dass es eine Hörfreude ist, wiegleich auch das Wienerlied mit Blues brüderliche Verschmelzungen feiert durch diesen „Maler der Farben und Töne“ (Name seiner Biografie).

Nicht nur Bruder im Geiste sondern auch Partner beim Leiten des Wienerliedfestivals „Wean Hean“ im Jahr 2000 Roland Neuwirth ist mit ihm auf der Bühne gerne gesehen. Im Duo mit Gerd Bienert trifft man auf das Wienerliedurgestein und den Akkordeonvirtuosen, der H.C. Artmann-Literatur („Fia d’Erni“) und auch Texte von Walter Pissecker vertont und zu Liedern gemacht hat.

Der mit Ehrungen überhäufte (Österr. Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, Silberne Ehrenmedaille d. Stadt Wien, Goldenes Verdienstzeichen Landes Wien) Moderator von Rundfunk- und Fernsehsendungen des ORF („Der letzte Werkelmann“) ist außerdem im Beirat des Wiener Volksliedwerkes vertreten. 1979 verfasste er ein Wienerliederbuch „O du lieber Augustin“ und schuf so für die Nachwelt ein wertvolles Stück Musikliteratur und Noten mit Material aus ca. 300 Jahren Wienerliedgeschichte.

Ein Urgestein, das Früchte trägt

„Die besondere Naivität der Wienerlieder“ hat es dem Professor angetan. Berühmt sind sein „S’Vogerl am Bam“ oder „Herrgott aus Sta“ für den gleichnamigen Heurigen. Ganz „ohne Sta“ geht’s aber auch, denn, vom Agrarriesen Monsanto derweilen noch unentdeckt, dürfte der Doyen des Wienerliedes aus Liebe an der Entwicklung einer Kirschbaumsorte für Zahnlose, Spuckfaule und die Schwarzwälderkirschindustrie arbeiten („I liassat Kirschn fia di wachsen ohne Kern“). So findet man den Herrn Karl Hodina nicht auf Facebook und Konsorten (es gibt auch keine Homepage), aber gerne immer wieder bei Wien im Rosenstolz und natürlich beim Akkordeonfestival, und zwar schon sehr bald. Der Herrgott wird schon wissen, auf welchen Stein er da die Zukunft des Wienerliedes gebaut hat, auf jeden Fall auf einen, der mit seinem ganzen Herzen darin aufgeht. Guter Plan C. Das (und der) Beste, das diesem Genre passieren konnte und erfreulicherweise Ansporn für viele Junge und neue Alte, es ihm gleich zu tun.
Alexandra Leitner

nächster Termin:
19. März 14, 20h, Akkordeonfestival
Diknu Schneeberger TRIO feat. Karl Hodina
Schutzhaus Zukunft, Wien

Foto Karl Hodina © Herbert Zotti