
Weit weg von alles Klischees rund um Kleinganoven -Karriere und Ghetto Kid, ist Harlekin im kleinen, beschaulichen Baden aufgewachsen. Noch dazu wird der niederösterreichischen Bezirkshauptstadt ein recht biederer Kleinstadtcharme zugeschrieben. Kein guter Ausgangspunkt also, eine aufregende Biographie zu beginnen. Zum Glück hat das der Parkwächter gar nicht nötig. Sein Können überzeugt auch ohne große Street – Credibility. Das Album kommt ganz ohne Bling Bling-Gedöns aus, überzeugt dafür aber umso mehr mit großer lyrischer Ausdruckskraft. Das wird alleine an den Titeln der Platte ersichtlich.
Hinter Songs wie „Die Disneyesque Verwunderung des Experten“ oder „Sehne, Scheide, Entzuende“ lassen sich eher Gedichte eines psychisch angeschlagenen Literaten vermuten, anstatt Einzeltracks eines wirklich gelungenen Rap-Albums. Ein Hauch Avantgarde, gesellschaftspolitischer Input und verschrobene Melodien, die sich auch gut auf einer Indie-Platte wiederfinden könnten, machen „Liebe“ zu einem Ausnahme-Werk. Spätestens wenn man sich den Song „Exil“ zu Gemüte führt, weiß man, dass das Sprechtalent den Sprung aus dem gemütlichen Baden bei Wien schaffen könnte und vielleicht schon bald im schwarzwälderischen Baden – Baden Konzerte spielen wird. Ein kleiner Schritt für die großen Erwartungen, die schon jetzt an Parkwächter Harlekin gelegt werden.
Am 19. Dezember ist er übriges im Rahmen der Problembär Records – Labelnight neben Der Nino aus Wien, Neuschnee und MOB live im Flex zu erleben. (bw)