Open House Sessions: Deckchair Orange

Vergangene Woche porträtierte They Shoot Music in ihrem zweiten Teil ihrer Open House Sessions Reihe auf dem Wiener Fernsehsender Okto mit Deckchair Orange eine hochtalentierte österreichische Indierock-Band, von der man durchaus annehmen kann, dass sie in Zukunft noch einiges an Staub aufwirbeln wird. Und das nicht nur hierzulande.

Porträt:  Deckchair Orange

Um einen Geheimtipp handelt es sich bei Deckchair Orange eigentlich nicht mehr wirklich. Zwei wirklich  erstklassige und von den Kritikern allerorts mit viel Lob bedachte Alben, eine Vielzahl an Konzerten im In- und Ausland, unter anderem in Ungarn und Deutschland, sowie vielumjubelte Supportshows für internationale Größen wie Shout Out Louds, Clap You Hands Say Yeah oder Electric Soft Parade stehen auf der Habenseite der 2004 gegründeten Wiener Formation Deckchair Orange. Wohl nicht viele heimische Bands oder MusikerInnen können von sich behaupten, an einem solch jungen Karrierepunkt bereits so weit gekommen zu sein. Was die heute fünf Köpfe zählende Combo auf den Weg bringt, ist lupenreiner, intelligent arrangierter, melodiöser und höchst eigenständiger Indierock, der sich aufgrund seiner nicht allzu glatten Produktion auf erfrischende Art und Weise von ähnlichen Formaten dieser Richtung abhebt. Kein Wunder also, dass der Band von allen Seiten das Potential zu Größerem bescheinigt wird.

Deckchair Orange sind ein weiteres eindrucksvolles Beispiel dafür, dass auch hierzulande MusikerInnen am Werken sind, die über die Formel, wie man erstklassige Songs zusammenbastelt, Bescheid wissen. Sänger Alex, Bassist Klaus, Gitarrist Christoph, Keyboarder Joachim und Schlagzeuger Wolfgang Bruckner beweisen, wie es auch zuletzt auf ihrem im Frühjahr 2011 erschienenen und von Ron Flieger in München und Wien produzierten Zweitlingswerk „The Age Of The Peacock“ zu hören war, dass sie in Sachen Songwriting ihre Lektion vortrefflich gelernt haben. Um irgendwelche aktuellen modischen Trends, Strömungen oder Erwartungen kümmert sich das Quintett nicht wirklich. Mit dem ausgeprägten Gespür für eingängige, sich sofort in den Ohren festsetzende Melodien und spannende Arrangements verwirklichen die fünf Wiener ihre ganz eigene Version von Indierock, eine, die ganz ohne Zweifel internationalem Niveau entspricht.

In den Stücken des Quintetts schwingt immer etwas Ureigenes mit, etwas unverkennbar nach der Band Klingendes. Man merkt bei jedem Ton, dass Alex, Klaus, Christoph, Joachim und Wolfgang eine ganz bestimmte Vorstellung von dem Sound haben, den sie entstehen lassen wollen. Was Deckchair Orange bieten, ist authentischer, geradliniger, von jeglicher Opulenz befreiter vielschichtiger Gitarrenrock der etwas kantigeren, jedoch gleichzeitig auch sehr gefühlvollen Sorte, der mal von ungewöhnlichen Perkussionselementen, vielschichtigen Stimmen, von Klängen einer Zither oder diversen Synthie-Fanfaren begleitet wird.  Darüber hinaus steht der Band mit Sänger Alex, der vom Rolling Stone Germany (2009) mit der lebenden Legende Mick Jagger verglichen wird, ein Frontmann vor, der mit seinem unverwechselbaren und ausdruckstarken Gesangsorgan den Songs zusätzlichen Charakter verleiht.

Bei so viel Qualität und Einfallsreichtum kann man eines mit Sicherheit sagen: das Ende der Fahnenstange haben Deckchair Orange noch lange nicht erreicht. Die nächste Gelegenheit, den Fünfer hierzulande auf der Bühne zu sehen, gibt es am 7. Dezember im Wiener Flex. (mt)

Im dritten Teil der Open House Sessions Reihe (24.10. 2011, 22.05 Uhr, Okto) widmet sich They Shoot Music den Experimentalrockern Tupolev.

 

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