
Wann hast du begonnen selber Musik zu machen?
Immer schon. Mein Papa war da ausschlaggebend. Der nahm uns Kinder einmal mit in den Ostblock und in Bratislava spielte in einem superteuren Hotel eine Hausband. Ich war zehn Jahre alt. Ich habe den Schlagzeuger geliebt, das war so elegant, wie der gespielt hat, so super. Wobei er einen totalen Schwachsinn gespielt hat, das war halt damals in der Zeit, Tanzmusik der 70-er Jahre. Das war das erste Live-Konzert in meinem Leben. Die anderen Musiker interessierten mich nicht, nur der Schlagzeuger, wie er mit den Stecken herum wirbelt. Mit den Füßen spielt. Das weiß ich noch ganz genau. Ich weiß nicht mehr viel von meinem Leben, aber das weiß ich. Schlagzeug kriegte ich dann zu Hause in mein Kinderzimmer, ein uraltes Jazz Schlagzeug, das hatte bei der Bass Trommel den Auslass noch bei der Seite! Das Hänge Tom, das war noch so weit weg. Dann hängte ich mir Bongos dazu, bastelte das Gestell selber, spielte Pink Floyd nach: „Wish you were here“ und Led Zeppelin. Irrsinnig viele Becken hatte ich, ich stehe auf Becken. Sechs Becken verwendete ich jetzt beim Gedenkkonzert für den Krise im Arena Beisl. Der Krise war ein alter Punk Freund, Musiker und langjähriger Kellner im Arena Beisl, der wurde auf seinem Motorrad abgeschossen von einem Auto aus einer Nebenstraße heraus. Tot. Zuhause habe ich nur spielen dürfen, wenn keiner da war – aber das war eh meistens der Fall.
Was waren deine Lieblings-Bands bzw. Konzerte?
Die ersten Bands waren für mich die deutschen Punk Bands Slime und Normal, eher die großen Vertreter. Bei den Engländern UK Subs und Dead Kennedys aus den USA. Die Sex Pistols waren uns zu verkauft… Mein erstes Konzert waren die Drahdiwaberl in der Stadthalle in Salzburg. Das war für mich Punk. Wir wussten alle, Drahdiwaberl spielt, da müssen wir hin. Wir schnorrten uns die Kohle dafür. Den Morak schaute ich mir auch an, der zersägte damals einen Sau-Schädel mit der Motorsäge, in dem katholischen Institut, dem Rupertinum. Dort gab es überall Sitzplätze und wir sind herum gestiefelt. Der Sound war urlaut.
Und eigene Band?
Ab 15 spielte ich schon in Bands, aber Jazz – Jazzrock auf Viertel. „Lasche Ecken Perforation“ hieß unsere Band, in Salzburg waren wir ziemlich gut unterwegs. In Salzburg kannst du nicht viel auftreten, selbst als Jazzrocker (lacht). Dann kam schon meine Band „Johannes Paul und die Ewigen Zweiten“ mit dem Starkstrom-Techniker Rolli und dem Lehrling mit Irokesen, Meiki – und Punk war angesagt. Ach ja, die Jugend… Der erste große Auftritt war in der Arge, als Vorgruppe. Dann im Stadtkino, Bandausscheidung. Im Lokal „Gegenlicht“ probten wir mit der Jazz Partie.

Ja, genauso wie der Krise. Gitarrist Alfi und ich haben uns bei einem Konzert im alten Chelsea kennengelernt: Da hamma sich zam gsoffn (lacht). Wir haben alle Instrumente und Verstärker gehabt. Dann ist der Gustl aus der Ägidigasse zu uns gestossen. Alfi sagte, ich habe einen Sampler aus New York gekauft, lauter Punks! Lauter Hardcore, eine richtige Platte, das war damals so. Den Sampler gibt es sogar noch immer, der heißt „Dope, Guns and Fucking in the Streets“. Das war einer der ersten oder zweiten Sampler damals, wir dachten, den wird es sicher nicht mehr weiter gehen, den Namen übernehmen wir einfach. Ich hackelte dann in der Arena als Tontechniker und dadurch bekamen wir den Proberaum, direkt unter dem Dach vom grauen Haus. Im Winter war es eiskalt und im Sommer Sauna. Davor lag lauter Müll und tote Tauben. Zehn Jahre haben wir den gehalten. Und viele Konzerte gespielt, megamäßig, im Ausland auch: CSSR, Polen, Ungarn, Österreich, sogar Villach. In Villach legten wir uns neben der Polizeikaserne auf die Wiese, weil wir schon um 22 Uhr zu spielen aufhören mussten. Um 24 Uhr haben die Tankstellen geschlossen!
Wie siehst du den Unterschied vom Punk damals zu heute? Ich finde die Konzerte in dem Verein „Venster“ z.B. nicht schlecht, auch wenn das Publikum keine Punker sind.
Das sind eben andere Youngsters als wir es waren. Die meisten sind sicher nicht mehr so politisch. Wir hatten grottendumme Texte, aber eins war immer klar: gegen Nazis, gegen den Staat und alles eigentlich… Wir wären nie bei Kommerz-Geschichten aufgetreten. Wenn, dann musste etwas Interessantes dahinter stecken. Die ganze Winter Open Air in der Arena war auf unserem Mist gewachsen oder die Bierwoche. Das haben wir initiiert. In der alten Arena, bevor sie umgebaut worden ist, stellten wir hinten im Durchgang einfach Ölfässer hin, bauten eine Bühne auf und dann haben wir Winter Open Air gespielt. In der Atmosphäre damals, ein verkommener Industriebau, ein hinniges Dach, da hätten die Scherben herunter fallen können, das hat ordentlich gescheppert. Wir waren immer der Haupt Gig, beim ersten Mal sind nur wir aufgetreten, beim nächsten Mal haben schon vier Bands gespielt – mehr wie vier Bands geht nicht und jede Band eine halbe Stunde, außer natürlich wir eine Stunde (lacht). Das war jedes Mal die Urhackn. Wir hatten dann schon hinten Monster stehen, die wer für uns gebastelt hatte. Es war irre, eine coole Idee. Stand sogar in der Zeitung. Am Ende waren 300 Leute da. Im eiskalten Winter. Ölfässer, Feuer – das könntest du heute nicht mehr machen, alles verboten…, das geht nicht mehr. Aber das war unser Punk, das war unsere Anarchie.

Das ist eh cool. Es gibt viele kleine Initiativen, von denen hörst du oft gar nichts, ich bin jetzt auch nicht mehr so viel unterwegs wie früher. Die jungen Leute, die sich heute Punk Musik rein ziehen, ihnen taugt die Musik, aber denen musst immer noch vorleben, was es heißt ein alter Punk zu sein. Die wissen das gar nicht so richtig. Die hören die Punk Musik und die finden die Musik, die alte und die neue geil. Wenn ich mir z.B. „American Idiot“ anhöre von den „Green Day“, dann ist der Hintergrund davon eigentlich Punk. Es ist eben etwas hintergründiger, obwohl schon sehr direkt. Das ist für mich auch Punk. Aber sich diese Musik nur anzuhören oder auch darüber nachzudenken, macht halt einen Unterschied.
Und jetzt vom Punker Leben her, von der Szene und zusammen etwas machen?
Ich war letztes Jahr auf drei Beerdigungen, danke! Und das waren alles Freunde von mir. Der Werner, der Sänger von die „Bastards“, bei denen ich gespielt habe, der war 47 Jahre alt. Dann der Krise und der „blade Walter“, der Punk von der Kettenbrückengasse. In die Pankahyttn gehe ich manchmal zu den Alt Punks Treffen.
Mir kam vor, dass eure Musik bei dem Gedenkkonzert im Arena Beisl melodiöser war als früher? Habt ihr neue Nummern?
Wir haben ein paar alte Nummern, aber die meisten sind neu. Früher spielten wir einfach auf „gib ihm“ zwei Viertel (lacht), und dann fingen wir an selber viel Hardcore zu hören und dann werden die Nummern anders. Es gibt eine Nummer, die haben wir auf alt und auf neu gespielt, da hörst du den Unterschied. Wir spielen jetzt bei der Bier Woche in der Arena und dann auf einem Open Air in Kärnten. Unseren Sound macht aus, dass wir immer zu spät oder zu früh dran sind – wir schludern so herum (lacht). Wir hatten den Krise ja eigentlich nach sechs Jahren bei unserer Band hinaus geschmissen, der ist musikalisch an seine Grenzen gestoßen und immer Hallodrio auf Feiern unterwegs. Statt ihm spielte dann der Zoran, ein politischer Flüchtling aus Serbien, ein Studiobassist aus Belgrad (lacht), der hatte noch nie Punk gehört. Und wir: „Wir spielen dir jetzt was vor!“ (lacht) Wir waren ja arg drauf, probten aber immer dreimal in der Woche. Das hört sich manchmal banal an, was wir spielen, aber da steckt harte Arbeit dahinter.
Fotos: mm-picture