
Das gleichnamige Klangkunstausstellung NIXE, die im öffentlichen Raum zu erleben ist, zeigt für diesen Kontext neu entstandene Sound Art Arbeiten von Künstler/innen aus ganz Europa, die sich an den vielfältigen Schnittstellen zwischen Kunst, Wissenschaft und Forschung bewegen. Ungewöhnlich fürs musikprotokoll der Beginn und das Ende der Grazer NIXE: Eröffnet wird sie am 8. Oktober 2015 von Bundespräsident Dr. Heinz Fischer, beendet am 18. Oktober 2015 von einem Worldmusic-Solokonzert des auf Mallorca lebenden Senegalesen Omar Niang. Und weil das, was rund ums und am Mittelmeer im Jahr 2015 passiert, mit Sorge erfüllt, macht das musikprotokoll NIXE auch zum humanitären Projekt. Spendenboxen bei unseren Veranstaltungen bieten die Möglichkeit, sich an der ORF Flüchtlingshilfe-Aktion „Helfen. WIE WIR“ zu beteiligen.
Vor 50 Jahren wurde in Graz das Institut für Elektronische Musik und Akustik, kurz das IEM gegründet. Bis heute ist es ein bemerkenswerter Ort der Innovation, des Forschens, des musikalischen, künstlerischen und technischen Weiterdenkens. Auch ein Ort, an dem die vielen Berührungspunkte und Überschneidungen zwischen Kunst und Wissenschaft permanent ausgelotet und weitergedacht werden. In diesem Sinn ist das IEM auch eine Art Seelenverwandter des musikprotokoll und feiert an drei Nachmittagen gemeinsam mit purer Elektronik auf den Kasematten. Die Helmut-List-Halle ist am 9. und 10. Oktober das Zentrum des musikprotokoll-Konzertreigens. In Kooperation mit Orchestrator Gottfried Rabl hat Christian Fennesz erstmals ein Orchesterwerk geschaffen, das vom RSO Wien uraufgeführt wird. Und die grandiose „Symphonie fleuve“ von Jorge López wird erstmals zur Gänze in Österreich gespielt werden.
Uraufführungen für die ungewöhnliche Besetzung Viola, Klavier und Elektronik präsentiert das Trio Noise Me Tender. Uraufführungen präsentiert auch das ensemble recherche aus Freiburg, u. a. ein Stück der jungen Komponistin Wen Liu. Sie erhielt dafür den vom musikprotokoll bereits zum dritten Mal vergebenen Emil Breisach Kompositionsauftrag, der als Verbeugung vor dem heuer verstorbenen visionären Gründer dieses Festivals initiiert wurde. Zeitgenössisch und eklektisch versteht sich das musikprotokoll: Vervollständigt werden diese beiden Konzertabende durch ein Scelsi-Projekt des Musikers Uli Fussenegger, eine Uraufführung von Teresa Carrasco, die mit Elektronik und Klavier arbeitet, und durch ein nächtliches neues, basslastiges Projekt von Ulrich Troyer namens „Dolomite Dub“.
Eingerahmt wird das Festival von Konzerten, die das kreative Ergebnis einer vom musikprotokoll gemeinsam mit 15 anderen internationalen Festivals gegründeten Plattform namens SHAPE (Sound, Heterogeneous Art and Performance in Europe) sind. Beim Konzertabend Reshaping Club Music in der generalmusikdirektion sind einige der in diesem Rahmen als besonders spannend befundenen Projekte zu erleben. Auch das Gastspiel der isländischen Komponistin und Cellistin Hildur Guðnadóttir in der Grazer Dreifaltigkeitskirche ist Teil dieser Kooperation.
Das musikprotokoll war und ist auch ein Festival des Mediums Radio. Es findet in Graz statt. Es findet aber auch im Radio und im Netz statt: Insgesamt 23 Ö1-Sendungen werden über das Festival berichten, werden die Konzerte live oder zeitversetzt übertragen. Dreimal gibt es die Möglichkeit, als Publikum bei Livesendungen vom mp dabei zu sein: Die und das Ö1 Kulturjournal werden am Freitag, 9.10.2015 ab 17.30 Uhr live aus dem Joanneum senden, der Ö1 Klassiktreffpunkt am Samstagvormittag mit Albert Hosp bietet auf der Murinsel die Gelegenheit, Radioatmosphäre und Festivalatmosphäre hautnah und gemeinsam zu erleben.