Eine Band, die vor allem in den achtziger Jahren für viel Aufmerksamkeit gesorgt hat, meldet sich nach langer Auszeit nun zurück. Und das mit einem wirklich erstklassigen Stück Musik. „Dinky Diamond“ (Klanggalerie), so der Titel des neuen Albums von Modell Doo, offenbart sich als eine überaus spannende, vielschichtige und abwechslungsreiche Klangreise durch die unterschiedlichsten Formen der elektronischen Musik im popmusikalischen Kontext. Präsentiert werden die neuen Tracks am 24. November im Wiener Gürtellokal Rhiz.
Blickt man auf die bisherigen Veröffentlichungen und diversen (Filmmusik-) Projekte (I Was a Teenage Zabbadoing, Mondo Weirdo) des 1985 gegründeten Wiener Zweiergespanns, wird eines sofort ersichtlich: so richtig haben Modell Doo herkömmlichen Definitionsmustern und musikalischen Kategorien noch nie wirklich entsprochen. Stilistisch irgendwo zwischen den Polen Synthiepop, elektroakustischer Avantgarde und Industrial Music angesiedelt, betätigten sich die beiden Köpfe der Band von Beginn an mehr als experimentelle Klangforscher, denn als Songwriter. Es waren vor allem analoge Synthesizer, Drum Machines und Samples, welche die klangliche Grundlage ihrer ganz eigenen Version elektronischer Musik bildeten. Mit der Zeit kamen kantige Gitarrenriffs und andersartige perkussiv benutzte Klangquellen wie Metallfelgen und Ölfässer hinzu. Als musikalische Vorbilder führten Modell Doo Acts wie Sparks, Kraftwerk, The Residents, Bauhaus, die Einstürzenden Neubauten und andere Vertreter der experimentellen Schiene an.
Und an dieser Ausrichtung hat sich bis heute nicht allzu viel verändert. Immer noch wandelt man auf einem Pfad, der überall hinführt, nur nicht ins Gewöhnliche und tausend Mal Gehörte. Die Tracks erklingen durch die Bank ungemein vielschichtig, wiewohl einen immer ein gewisses achtziger Jahre Soundgefühl beschleicht. Modell Doo verstehen es jedoch eindrucksvoll, eine Brücke vom Damals ins Jetzt zu schlagen, ohne dabei auch nur einen Moment lang angestrengt “retro” zu wirken. Auf „Dinky Diamond“ (das Album beinhaltet zu gleichen Teilen neu bearbeitete Klassiker der Band, sowie neue Nummern) vereinen sich Pop, Elektro und Klangkunst, Anspruch, innovativer Geist und Gefälligkeit zu einem wunderbar stimmigen und facettenreichen Ganzen. Es macht schlicht Spaß, den Stücken zu lauschen.
Mit ihrem neuen Album beweisen Modell Doo, dass sie erstklassige Nummern zu produzieren nicht verlernt haben. „Dinky Diamond“ ist auf jeden Fall eine intensive Hörprobe wert. (mt)