Österreichische Erstaufführung am Tiroler Landestheater | Musiktheater von Johannes Maria Staud | Libretto von Thomas Köck
Dieses Musiktheater beginnt mit dem Ende der Zeit: ein leerer Palast, verwüstet, verlassen, die Welt kollabiert. Ein Seher zieht Bilanz. Er hat alle Katastrophen vorhergesehen, aber keine abwenden können. Im Dialog mit Echo stellt er sich der Anklage.
missing in cantu (eure paläste sind leer) entfaltet sich als Rückblick in Schleifen, Brüchen und Wiederholungen. Das Libretto des erfolgreichen österreichischen Dramatikers Thomas Köck verknüpft dabei mehrere Bildwelten: die Eroberung des amerikanischen Kontinents durch spanische Konquistadoren, die heutige Opiatkatastrophe in den USA und dystopische Szenen aus einer Fleischfabrik, die die brutalen Auswüchse eines Turbokapitalismus zeigen. Nach dem Zusammenbruch der westlichen Welt erscheint Geschichte rückblickend als endlose Spirale aus Machtrausch, Unterwerfung, Ausbeutung und Verdrängung.
Johannes Maria Staud, 1974 in Innsbruck geboren, vielfach international ausgezeichnet und zuletzt mit dem Tiroler Landespreis für Kunst geehrt, verbindet in seinen Arbeiten gesellschaftliche Analyse mit einer äußerst erfindungsreichen und mitreißenden Klangsprache. Der Titel missing in cantu wirkt wie ein Requiem auf das Ende einer Zivilisation, doch Staud setzt der dystopischen Bilderflut eine farbige, offensiv lebendige Musik entgegen. Die klassische Orchesterbesetzung ist erweitert um umfangreiches Schlagwerk, Klavier und Hammondorgel; hinzu kommt eine zentrale elektronische Ebene. Fragile Klangflächen treffen auf machtvolle Chöre, heroische Gesangsgesten, Opernpathos sowie Einflüsse aus Gospel, Swing und Bigband.
Die Inszenierung dieses hochaktuellen, 2023 in Weimar uraufgeführten Werks, das am Tiroler Landestheater seine Österreichische Erstaufführung erlebt, liegt in den Händen der Regisseurin und Co-Direktorin Schauspiel Bettina Bruinier.
Regieteam und Besetzung
Musikalische Leitung Timothy Redmond, Inszenierung Bettina Bruinier, Choreografie Volker Michl, Bühne Volker Thiele, Video Ayşe Gülsüm Özel, Kostüme Chani Lehmann, Live-Elektronische Realisation SWR Experimentalstudio, Klangregie Michael Acker, Dramaturgie Julia Spinola, Seher Marcel Brunner, Echo Hazel Neighbour, Don Gairre Stephen Chaundy, Don Stepano Christian Miedl, Hexe Jennifer Maines, Don Miguel William Blake, Übersetzer Michael Gann, Konquistador / Ureinwohner Jannis Dervenis, Stanislav Stambolov, William Tyler Clark, drogenabhängiger Hausbesitzer / Attentäter Stefan Riedl, Reporterin / Schlachthausassistentin / Drogensüchtige Mutter / 1. Polizistin Bernarda Klinar, Kameramann / Schlachthausbesitzer / Drogensüchtiger Vater / 2. Polizist Jakob Nistler, 3. Polizistin Sabrina Henschke, Kind Jakob Noggler, Tiroler Symphonieorchester Innsbruck, Chor des Tiroler Landestheaters
Termine
Österreichische Erstaufführung Samstag, 23.5.26
19.00 Uhr, Großes Haus (Dauer ca. 1 h 40, keine Pause)27.5.26 / 19.30 Uhr, 5.6.26 / 19.30 Uhr, 18.6.26 / 19.30 Uhr, 3.7.26 / 19.30 Uhr
Zwanzig Minuten vor Beginn jeder Vorstellung gibt Co-Musiktheater-Direktorin Julia Spinola spannende Einblicke in die Entstehung und Inszenierung der Produktion.
Link:
Tiroler Landestheater: missing in cantu (eure paläste sind leer)
