Mickey (c) Daniel Angermayr

MICKEY – „MICKEY“

GIN GA, eine der bekanntesten österreichischen Indie-Bands, erlebt gerade eine Ruhephase. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn wie auf der FACEBOOK-Seite zu lesen ist, orientieren sich zurzeit alle Bandmitglieder in andere Richtungen. So auch Sänger ALEX KONRAD und Gitarrist KLEMENS WIHLIDAL. Die beiden bilden unter dem Namen MICKEY ein selbst ernanntes Survival-Electro-Pop-Duo. 

Und bevor man sich fragt: Nein, dieses Musikgenre gibt es offiziell nicht. Deshalb müssen sich die zwei Musiker auch nicht an vorgeschriebene Normen halten oder sich an gewissen Kategorien messen. Gut, Electro-Pop stimmt sehr wohl und der Begriff „Minimal“, den die beiden für ihre Musik verwenden, trifft auch zu. Die Effekte sind gewollt und spärlich eingesetzt, sorgen aber trotzdem für dichte Songs.

Eben sind vier Songs auf einer EP namens „Mickey“ erschienen. Wer diese Platte auf SoundCloud nachhören möchte, soll sich dabei nicht von dem Profilbild verwirren lassen. Darauf sieht man nämlich die Hand von Mickymaus, die uns den Stinkefinger zeigt. Doch vom Comic-Nager hat das Duo seinen Namen nicht. Vielmehr ist damit der Trainer Mickey aus den „Rocky“-Filmen gemeint.

Moderne Ästhetik zu minimalen Beats

Konrad und Wihlidal präsentieren sich auch ein bisschen in dem Stil einer Rags-to-riches-Geschichte. Vor allem in dem Video zu „Horizon“ kommt dies zur Geltung, wenn sie mit ihrem ausgedientem Škoda durch urbane Vororte cruisen, mit neonfarbenem Haar und in bunte Trainingsklamotten gehüllt. Diese Ästhetik à la „Ich versuche mit dem wenigen, das ich habe, so cool wie möglich zu wirken” findet sich vor allem in der im Internet gefeierten Vaporwave-Bewegung wieder.

Cover “Mickey”

Gut, richtig ernst genommen werden die Waver wahrscheinlich nie werden, aber eine eigene Stilrichtung hat sich da sicherlich schon etabliert. Den Ursprung der pastellfarbenen Jogginganzug-Welt findet sich im Mikro-Musikgenre Cloud Rap, das von jungen Leuten wie Young Hurn, Young Lean und Crack Ignaz repräsentiert wird. Zu trägen Hip-Hop-Beats rappen die Boys in fast gelangweilter Manier. Der Clou ist aber, dass die Tracks durchaus nicht langweilig, sondern eine abgestimmte Mixtur aus Chill und elektronischen Effekten sind.

Auch Mickey bedienen sich auf „Horizon“ ähnlicher Spielarten. Die von übertriebenem Autotune gefärbte Stimme Konrads schwebt über einem langsam dahingleitendem Beat und verliert sich immer wieder in den künstlichen Höhen. Auf den übrigen Tracks kommen andere musikalische Welten ins Spiel. Die Elektro-Trompete auf „Party Bodies“ erinnert an die Ausschmückungen der Rap-Tracks von Cakes da Killa oder Samir. Und „In Your Face“ geht sowieso ganz in die Minimal-Electro-Pop-Schiene, wie es ja von der Band selbst vorhergesagt wurde.

Auf „Mickey“ haben sich Mickey des Eklektizismus bedient: Die vier Songs sind wie die vier Elemente oder die vier Himmelsrichtungen. Bei einer EP ist das auch nicht so schlimm, schließlich kann man sie auch wie eine Kostprobe auf eine kommende LP wahrnehmen – aber auf einem Langspieler sollte man schon auf etwas mehr Zusammenhang hoffen können.

Anne-Marie Darok

Links:
Mickey (Facebook)
Mickey (Soundcloud)