FV Audiovisionsindustrie fordert sofortige Aufnahme von Verhandlungen
Wien (PWK434) – Die Parlamentarische Enquete Zukunftsmusik am 3.6.2008 hat eine Reihe von auch für die Musikwirtschaft und die Musikschaffenden relevanten Themen abgehandelt – der nachmittägliche Themenblock “Musikwirtschaft und Standortentwicklung” hat einige Überraschungen gebracht. Insbesondere das Panel, das der Medienpräsenz österreichischer Musik auf den Sendern gewidmet war, war hoch diskursiv .
Nachdem Rundfunkdirektor Willy Mitsche erwartungsgemäß die Programmpolitik des ORF verteidigt hat und sich mit den von ihm genannten öst. Marktanteilen auch im Gegensatz zu der üblicherweise anerkannten Sendezeitstatistik der AKM gesetzt hat, überraschte Mitsche die anwesenden Mitglieder des Kulturausschusses, vor allem aber die zahlreichend anwesenden Vertreter der Musikbranche, mit dem Angebot einer freiwilligen Vereinbarung über eine Steigerung des Markanteiles österreichischer Musik auf den ORF-Radios unter Beteiligung der Privatsender. Eine ähnliche Forderung – nämlich eine freiwillige Quotenvereinbarung, wie es sie beispielsweise mit der Schweizer Musikcharta gibt, wurde auch vom Fachverband seit vielen Jahren nachdrücklich verlangt und verhandelt.
Die Reaktion – sowohl der Teilnehmer am Panel, als auch Diskussionsteilnehmer aus dem Auditorium zeigte, dass im Hinblick auf die nahezu jahrzehntelange Diskussion mit dem ORF eine Vielzahl der Anwesenden der Ansicht war, dass dieses Angebot nun nicht genug sei. Insbesondere die Ankündigung von Mitsche, dass die Verhandlungen erst im Herbst 2008 aufgenommen werden sollen, wurde als Anzeichen Leitmotiv für dieses Angebot gewesen sein kann. Dementsprechend forderten auch die Redner des Panels unisono vor den Mitgliedern des Parlamentarischen Ausschusses eine Konkretisierung des öffentlich-rechtlichen Auftrages hinsichtlich des Anteiles heimischer Musik auf den ORF-Sender und damit eine gesetzliche Quotenverpflichtung, wie dies in vielen anderen europäischen Ländern
auf gesetzlicher oder zumindest auf freiwilliger Basis (aber mit Sanktionen bei Nichterfüllung!) der Fall ist. Diese Quote müsste in Analogie zu bestehenden europäischen Regelungen jedenfalls 40 % oder höher sein.
Der Fachverband hat in einer ersten Reaktion zusammen mit der Musikergilde die sofortige Aufnahme von Verhandlungen über dieses Thema gefordert und wird sich in den nun noch vor dem Sommer mit Nachdruck zu betreibenden Verhandlungsprozess zeigen, ob hier eine ernst zu nehmende Steigerung des Österreichanteils – gewichtet nach Herkunftstatus, nach Neuheit und nach Sendezeit und Sender – möglich sein wird. Ist ein Ergebnis alá Musikcharta Schweiz erreichbar, wäre dies jedenfalls ein Meilenstein in der Beziehung des ORF zu den österreichischen Musikschaffenden und im Erfolgsfall der Abschluss eines jahrzehntelang schwelenden Konflikts. Insofern ist dem Rundfunkdirektor für diese Botschaft zu danken.
Weitere Forderungen die auf dem Panel thematisiert wurden, waren von Seiten des Fachverbandes neben der oben erwähnten Steigerung der Medienpräsenz österreichischer Musik in öffentlichen und privaten Rundfunk:
– eine freiwillige Vereinbarung zwischen Film/Musik und der ISP-/Telekombranche zur gemeinsamen Pirateriebekämpfung
– die Einführung einer Musikquote für Rundfunk in Analogie zur Fernsehquote der Mediendienstrichtlinie auf EU-Ebene
– die Schaffung eines Musikstandortsicherungsgesetzes, das in Analogie zum Filmförderungsgesetz bestehende Aktivitäten der Produktförderung (Österreichischer Musikfonds) des Toursupports Inland / Ausland (OMF, AMAN, FAF), der Exportförderung (AMAN, FAF) und diverser, die Musikwirtschaft unterstützender Einzelinitiativen auf Gesetzesebene synergetisch zusammenfasst und mit einem stabilen Finanzrahmen ausstattet.
Die Themen Pirateriebekämpfung und prozessuale Maßnahmen zur Rechtssicherheit waren explizit nicht Teil des Themenkatalogs, da Urheberrechtsthemen von der Komplexität her durchaus Diskussionsstoff für eine eigene Enquete wären – als wesentliches Thema fanden sie jedoch in der Enquete Erwähnung und wurden im Hinblick auf neue Technologien und deren möglichen Auswirkungen auf bestehende Formen der Rechtewahrnehmung im Musikbusiness diskutiert. (US)
Quelle: APA-OTS; 04.06.2008
Aussender: FAF – Fachverband der Audiovisions- und Filmindustrie
Die mica-Serie: “Parlamentarische Enquete Musik – Die Reaktionen” ist eine Artikelreihe von mica-music austria, die Reaktionen und Presseaussendungen zur Enquete “ZukunftsMusik” auf der Website präsentiert. MusikerInnen und KomponistInnen sind eingeladen ihre Positionen und Meinungen an mica-music ausrtia zu schicken. Die an uns gesendeten Texte werden im Rahmen dieser Serie veröffentlicht.
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Betreff: parlamentarische Enquete: Reaktionen
