Seit 2009 machen The Neatpickers miteinander Countrymusic, ein erstes Album wurde 2011 im Eigenverlag veröffentlicht. Längst gibt es genügend Lieder für einen zweiten Longplayer. Bevor der erscheinen wird, spielt die Band – Fleischskandal hin, Fleischskandal her – aber noch auf einem Pferdebauernhof.
Begonnen hat alles ganz entspannt im Wohnzimmer. Gitarrist Roman Sonnleitner und Sänger Bruno Geissmann sitzen zusammen und „zupfen rund ein Jahr lang herum“ (Geissmann). So entstehen die ersten eigenen Lieder. Als Schlagzeuger Rob Niedl dazu stößt und die Band um Claudia Fenzl (Violine), Tine Widmann (Gesang) und Tines Onkel Fritz Dürauer (Bass) erweitert wird, ist das bis heute bestehende Line-Up komplett. Dass miteinander Countrymusic gemacht wird, war von Anfang an klar, auch wenn The Neatpickers-Schlagzeuger Rob Niedl gerne mal ganz andere Musik hört. Rund 2500 Vinyl-Platten und 1000 CDs umfasst seine weit gefächerte Musiksammlung: Von Madness und Tom Waits bis Hank III und AC/DC. Das Album ‚Blue’ von Joni Mitchell gehört auch zu Niedls so genannten ‚Inselplatten’: Unter diesem Namen veranstaltet er gemeinsam mit Christian Bauer DJ-Abende, bei der je zwei DJs die für sie zehn wichtigsten Platten auflegen – somit die Scheiben, die sie auf die phantasmagorische einsame Insel mitnehmen würden.
„Mir geht es immer nur um den guten Song“, sagt Rob Niedl und einen ähnlichen Ansatz vertritt auch Bruno Geissmann: „Meine zehnjährige Tochter hört zum Beispiel Die Ärzte und da muss ich auch sagen: Diese Songs sind gut gemacht.“
Überhaupt stimmt heute der Zusammenhalt innerhalb der Band – das war nicht immer so. „Am Anfang hat uns nichts miteinander verbunden“, sagt Geissmann rückblickend. Geglückte Konzert haben die Band noch mehr zusammen geschweißt. „Wir haben sicher mehr gute als schlechte Konzerte gespielt“, erzählt Rob Niedl, der kleine Locations wie das Cafe Stadtbahn bevorzugt. Als schönstes Banderlebnis nennt die Band einen Open-Air-Auftritt auf einem Pferdebauernhof im Burgenland, lange vor dem Pferdefleischskandal. Auch wenn die Gelsen Schlagzeuger Niedl zerstochen haben. Aber das gehört zu Countrymusic wohl dazu.
Bruno Geissmann hat mehr als vier Jahre lang in Tennessee gelebt und diese Zeit hat ihn geprägt, „weil Musik dort einfach allgegenwärtig ist“. Auch eine U.S.-Tournee könnte sich die Band vorstellen. „Man könnte sich in einen Tourbus setzen und jeden Abend irgendwo anders spielen“, berichtet Geissmann von den Erfahrungen seiner Zeit in den Vereinigten Staaten. Nur verdienen würde man dabei fast nichts. Vorläufig bleiben The Neatpickers also in Österreich – Alpen statt Appalachen.
In den U.S.A. hat Geissmann ausgiebig Hank Williams gehört und sich mit Bluesgrass-Musik beschäftigt. Die Lockerheit der US-MusikerInnen hat ihn beeindruckt, die nicht „ein Jahr lang an einem Lied basteln“. „Ich bin ein schwerer Verfechter des Unperfekten“, ergänzt Rob Niedl kongenial. Das erste The Neatpickers-Album wurde in wenigen Tagen aufgenommen und selbst produziert, für die nächste CD würden sich Niedl und Geissmann mehr Zeit für die Produktion wünschen. „Ich könnte mir vorstellen, dass wir unser nächstes Album irgendwo auf einer Schweizer Alm aufnehmen“, sagt Geissmann. Dann würden sich The Neatpickers wie am Beginn ihrer Bandgeschichte in ihre eigenen vier Wände zurückziehen – und wieder ganz entspannt ans Werk gehen.
Jürgen Plank
Live:
9. März 2013: Bebop, Breitenseer Str. 39, 1140 Wien, 20h
4. Mai 2013: Cafe Stadtbahn, Gersthofer Straße 47, 1180 Wien, 20h
24. Mai 2013: Friedrichshof (Burgenland)