mica-Interview mit Valeot Records

Alexandr Vatagin und Peter Holy, Mitglieder der Post-Rock-Formation Tupolev und auch sonst im Dunstkreis der Mödling Szene ziemlich umtriebige Musiker, haben vor kurzem ihr eigenes Label gegründet – Valeot Records. Im mica-Interview mit Michael Masen stellen sie nun ihr Label vor, das fortan die heimische Musiklandschaft bereichern wird.

Wie lange gibt es das Label Valeot Records jetzt bereits?
Alexandr Vatagin: So ziemlich genau ein halbes Jahr.

Gab es einen bestimmten Grund, warum ihr Valeot gegründet habt?
Peter Holy: Grundsätzlich eigentlich, weil wir das Tupolev-Album “Memories Of Björn Bolssen” raus bringen wollten und wir dafür kein Label gefunden haben. Während der Label-Suche haben wir uns gedacht, dass, wenn wir nicht bald einmal eine positive Antwort bekommen würden, wir es eben selber machen.
Alexandr Vatagin: Wir hatten ja an sich auch schon länger den Plan, ein Label zu machen, nur ursprünglich eben noch nicht zu diesem Zeitpunkt. Es war also eher ein Zukunftsplan, aber nachdem wir jetzt eben das Tupolev-Album fertig hatten und es niemand sonst raus bringen wollte, haben wir diesen Plan einfach bereits jetzt in die Tat umgesetzt.

Die erste Veröffentlichung, die auf Valeot erschienen ist, war dann aber nicht das Tupolev-Album, sondern eines von Port-Royal auf Doppel-Vinyl. Wie hat sich das ergeben? Ist von euch beiden auch jemand aktiv in diese Band involviert?
Alexandr Vatagin:
Ich spiele seit Sommer 2007 bei Port-Royal als Live-Gast und gerade arbeite ich bei ihnen am dritten Album mit. Vor etwa genau einem Jahr haben wir, mit Tupolev, zusammen mit ihnen eine Tour gespielt und da bin ich dann irgendwie bei denen hängen geblieben und habe über sie auch diverse Kontakte aufgebaut.
Da uns deren letztes Album auch ziemlich gut gefallen hat, haben wir uns gedacht, dass wir das auf Vinyl raus bringen könnten. Die CD ist bei einem nicht gerade großen Independent-Label erschienen und hat sich dabei trotzdem irrsinnig gut verkauft – fast 4000 Stück in einem Jahr. Bei uns ist das Album dann jetzt mit Bonus-Tracks auf Doppel-Vinyl erschienen, das wirklich sehr hübsch aussieht.

Das Port Royal Album ist auf Vinyl erschienen, die neue Tupolev auch auf Vinyl und zusätzlich noch auf CD. Ist euch das als Label irgendwie wichtig, eure Veröffentlichungen auch als Vinyl-Ausgabe raus zu bringen, oder hat sich das einfach bloß so ergeben?
Peter Holy:
Teils – Teils. Mit Tupolev wollten wir schon auf jeden Fall irgendwann einmal einen Release auf Vinyl haben – dieser Plan ist immer im Raum gestanden. Bei Port Royal war es dann so, dass es eben bereits eine Veröffentlichung auf CD gegeben hat und uns somit nur noch die Möglichkeit geblieben ist, “Afraid To Dance” auf Vinyl raus zu bringen.
Alexandr Vatagin: An sich finden wir Vinyl-Sachen schon sehr wichtig, auch für die Zukunft, nur müssen wir, gerade jetzt am Anfang, auch ein wenig an uns denken, schauen, dass wir uns ein wenig positionieren. Wenn wir jetzt Vinyl raus bringen von einer Band, die nicht live so präsent ist wie Tupolev, oder den Bekanntheitsgrad hat wie Port Royal, dann ist die Gefahr sehr groß, dass das irgendwie mangels eines festen Kundenstammes etwas untergehen wird. Daher kommen jetzt erstmal wahrscheinlich eher mehr CD-Releases, aber wenn sich etwas Passendes ergibt, dann machen wir sicher auch sehr gerne wieder Vinyl.

 

 

Bevor das Label vor sechs Monaten gegründet wurde, habt ihr euch da bereits länger Gedanken darüber gemacht, wie das alles laufen und funktionieren soll, wie ihr das angehen werdet, oder habt ihr euch einfach in die Arbeit gestürzt und auf das “learning by doing”-Prinzip gesetzt?
Alexandr Vatagin:
Nein. Für ungefähr 80 Prozent der Organisation bei Valeot bin ich verantwortlich und da habe ich mir schon vorher eine Menge Gedanken gemacht, wie das anzugehen ist. Ich habe auch mit anderen Label-Machern gesprochen, beispielsweise mit Stefan Parnreiter, der früher “aRtonal” gemacht hat, Jürgen Hofbauer von “Niesom”, oder Robert Pinzolits von Karate Joe Records. Ich habe mich also schon ein wenig umgehört.
Wenn man dann aber selbst so ein Label macht, ist es natürlich schon anders, als die Vorstellungen, die man sich vom Hörensagen aufgebaut hat. Natürlich helfen die Ratschläge, die man bekommt, oder gesammelt hat, aber ein wirklicher Eindruck bildet sich dann doch erst, wenn man selbst anfängt, so was zu machen. Im Endeffekt kann man daher schon irgendwie sagen, dass das Label über Nacht gegründet wurde.
Wir haben Valeot beim LSG angemeldet, haben uns eine Internet-Domain gesichert, einen Verein gegründet und uns über diverse Dinge begonnen, zu informieren. So ist das alles angelaufen. Und dann haben wir die Alben pressen lassen – das Tupolev-Vinyl hat leider etwas Verspätung, aber die kommt schon noch. Es ist also alles relativ schnell gegangen, wobei es sich dann schon etwas gezogen hat, bis alles wirklich fix geworden ist. Weiters mussten natürlich auch noch Vertriebe gesucht werden, aber das ist mittlerweile auch alles fixiert.

Von wem und wo werden eure Veröffentlichungen überall vertrieben?
Alexandr Vatagin:
In Österreich natürlich von Trost, der ersten Anlaufstelle, wenn es um solche Musik geht. Dann haben wir, das ist noch ganz neu, eigentlich einen ganz guten Independent-Vertrieb in Frankreich, der zu ungefähr 120 Indie-Shops Kontakt hat. Diesen Kontakt habe ich über Port Royal bekommen, weil die für die Band in Frankreich als Promotion-Manager fungieren. Wie das alles laufen wird, wird sich noch zeigen. Einen Vertrieb haben wir dann noch für alle drei Benelux-Staaten, also für Luxemburg, Belgien und die Niederlande; auch so ein mittelgroßer Independent-Vertrieb, die das aber schon länger und auch ganz gut machen. Das sind eigentlich die drei richtigen Vertriebe, derer wir uns bedienen.
Dann gibt es noch ein paar Mailorder – einen nach England, einen nach Italien und nach Amerika wird jetzt auch noch ein größerer hinzukommen; die machen Mailorder und Distribution zugleich. Und einen digitalen Vertrieb gibt es zu alldem auch noch. Das ist der derzeitige Stand.

Digital – also MP3s über eure Homepage?
Alexandr Vatagin:
Nein, im Internet-Bereich gibt es mittlerweile ja auch so etwas wie Independent-Vertriebe. Die machen das weltweit für alle Independent- und MP3-Shops – Download-Shops. Und dieser Vertrieb, den wir nutzen, hat Kontakte zu knapp 400 MP3-Shops und wir schauen jetzt einfach mal, was dabei raus kommt und ob sich jemand unsere Sachen runter lädt.

War es zuviel logistischer Aufwand, dass ihr MP3s nicht auch über eure eigene Homepage zum Kauf angeboten habt, oder hat das für euch einfach keinen Sinn gemacht?
Alexandr Vatagin: An sich wollten wir das so machen, nur dann hat sich die Möglichkeit mit diesem Internet-Vertrieb ergeben. Wir wollten auf jeden Fall haben, dass die Sachen irgendwo in ernsthaften MP3-Shops angeboten werden. Und über unseren Vertrieb haben wir es eben geschafft, in die wichtigsten Independent-MP3-Shops, wie Boomkat oder Bleep, hineinzukommen, was für gewöhnlich nicht gerade einfach ist. Über diese Kanäle werden unsere Sachen jetzt hoffentlich auch bald angeboten werden.
Wie das im Endeffekt laufen wird, können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch überhaupt nicht einschätzen, noch viel weniger, als beim Tonträgermarkt, wo das ja auch schon ziemlich schwierig ist. Wir nehmen einfach mal an, dass wir null verkaufen werden, aber das wird sich alles zeigen.

Der Name “Valeot” ist mir schon einmal untergekommen und zwar bei deinem gleichnamigen Solo-Release. Hat er irgendeine besondere Bedeutung, weil er nun auch als Label-Name verwendet wurde?
Alexandr Vatagin:
Das ist eigentlich bloß ein Kunstwort – sofern es nicht bereits irgendwo vorher existiert hat; das wäre mir aber nicht bekannt.

 

 

Gibt es hinsichtlich der Bands, die ihr veröffentlichen wollt, von eurer Seite aus irgendwelche “Zugangskriterien”, nach denen ihr selektiert?
Peter Holy:
Es muss einfach gefallen.

Genremäßig vielleicht irgendwelche Einschränkungen?
Peter Holy: Ich glaube, auf der Homepage steht “Label für experimentelle Popmusik”, oder so, aber das ist schon ein einem sehr weiten Rahmen gedacht. In Wirklichkeit sind wir allem gegenüber offen und haben keinerlei Berührungsängste.
Alexandr Vatagin: Wir haben ja auch mal überlegt, vielleicht eine Hardcore-Band oder etwas in dieser Richtung raus zu bringen – das würde uns auch interessieren, einmal in ferner Zukunft. An sich können wir uns alles von wirklich experimenteller Popmusik bis hin zu Postrock oder auch Elektronik vorstellen. In dieser Hinsicht sind die Berührungsängste wirklich sehr klein. Eine Grenze wäre eventuell bei Reggae oder Techno zu ziehen, aber so generell kann man das auch nicht sagen.

Sind bisher, so lange gibt es euch ja jetzt als Label noch nicht, schon irgendwelche Bands/Künstler an euch herangetreten, die bei euch veröffentlichen wollen?
Alexandr Vatagin:
Es ist so, dass relativ viele Anfragen über MySpace kommen, die ein wenig nervig sind. Nervig dahingehend, dass die meisten Anfragen, die wir über diese Seite bekommen, ganz einfach Massenmails sind. Die Bands haben ihren vorgefertigten Text und schicken ihn dann an alle raus, die bei ihrem Profil-Namen “Records” dabei stehen haben.
Von anderen, die ihre Sachen gezielt an uns schicken, hören wir uns natürlich schon alles an. In nächster Zeit haben wir allerdings nicht vor, Bands, die nicht unserem eigenen Umfeld angehören, raus zu bringen, weil sich in diesem Bereich in den letzten Jahren wirklich so viel Material angestaut hat, von dem wir denken, dass es auf jeden Fall wert ist, veröffentlicht zu werden. Und das wollen wir jetzt mal zuerst in Angriff nehmen.

Welche Bands oder Formationen sind für die anstehenden Veröffentlichungen heiße Kandidaten? Was kann man da in nächster Zeit erwarten?
Alexandr Vatagin:
Die nächste Veröffentlichung, die schon relativ fix fest steht, wird wohl mein zweiter richtiger Solo-Release sein. Das ist ein Mini-Album, das irgendwann im Herbst 2008 erscheinen wird.
Ansonsten gibt es noch ein paar andere Ideen. Beispielsweise ein Release meiner sozusagen Dritt-Band Slon, deren Musik etwas schwierig zu beschreiben ist. Vielleicht, Postrock mit Noise- und Math-Rock-Einflüssen, würde ich sagen. Da ist eine Veröffentlichung jedenfalls eine Überlegung wert. Mit denen nehme ich das Album jetzt im Sommer auf und dann werden wir mal schauen, wie wir vorgehen werden. An sich kann ich mir schon auch vorstellen, es bei einem ausländischen Label raus zu bringen, aber das wird sich noch alles zeigen.
Peter Holy: Dann gibt es da noch die Quartz EP, ein Seitenprojekt von Alex und Lukas, der bei Tupolev die Electronics macht. Das ist Elektronik, gemischt mit echten Instrumenten, wo auch ein wenig aufs Songformat eingegangen wird.

Danke fürs Interview.

Valeot Records