mica-Interview mit The Sado Maso Guitar Club

“We love you too“ heißt das Erstlingswerk der Grazer Combo The Sado Maso  Guitar Club. Um in die Fangemeinde des musikalischen Quintetts eintreten zu dürfen, brauch es nicht viel. Ihre Musik muss man halt einfach lieben. Und das ist bei so frisch-fröhlichen Songs wie  „Set me free“ oder „The one that got away“ gar nicht mal so schwierig. Frontman Matthias Krejan und seine Clubmitglieder Christoph Mandl (Bass), Felix Krüger (Schlagzeug), Daniel Staber (Gitarre) sowie Dominik Krejan (Orgel)  wissen eben genau, was die musikhungrige Meute hören will: Reine, authentische Klangmalerei, die verdammt viel Spaß macht. Aber Vorsicht mit diversen Genre-Beschreibungen, da hört sich der Spaß nämlich ganz schnell wieder auf. Im Interview mit mica – music austria, haben uns zwei der der fünf Jungs verraten, was tatsächlich hinter den Sado Masos steckt und warum man bei Statussymbolen lieber auf zig Instrumente, als auf fette Autos setzt.

Ich werde jetzt mal nicht nach der Entstehungsgeschichte eures Bandnamens fragen, denn die habt Ihr sicherlich schon oft genug erzählt. Außerdem kann man diese Geschichte sowieso auf Eurer Homepage nachlesen. Aber eines würde mich schon interessieren. Welche Seite ist bei SMGC mehr ausgeprägt, die Sadistische oder die Masochistische?
Matthias Krejan: Verschieden, das ist personenabhängig.

Quält ihr die Instrumente oder quälen die Instrumente euch?
Krejan: Beides. So und so. Je nach Verfassung.

Daniel Staber: Manchmal plagt man sich an den Instrumenten, manchmal eben nicht. Sowohl auf der Bühne, als auch bei den Proben.

Krejan: Für mich geht das Hand in Hand. Wenn man auf der Gitarre nur so daher klimpert, muss man ehrlicherweise auch zugeben, dass man gerade nicht motiviert ist, Gitarre zu spielen. Ich kann nur gut Gitarre spielen, wenn ich mich konzentriere und voll dahinter bin. Wenn ich nicht gerade motiviert bin, dann wählt das Instrument eher mich aus. Aber dann passiert auch nicht gerade viel, weil das Instrument alleine ja nichts kann. Kurz gesagt: Ein Instrument zu spielen heißt für mich volle Konzentration.

Wie viele Gitarren besitzt du denn etwa?
Krejan: Eine Gute und viele Schlechte. Aber ich wähle natürlich immer die Gute aus. Die anderen hängen an der Wand herum.

Zur schönen Betrachtung.
Krejan: Nicht einmal das. Wir in der Band sind ja mittlerweile alle große Equipment- und Instrumentensammler. Der Daniel kommt auch jedes Mal mit irgendeinem neuen Schrott daher und es häuft sich schon sehr Vieles an. Was auch gut ist. Man kann damit nämlich viel Neues ausprobieren.

Staber: Wir haben extrem geiles Equipment. Wenn man das alles zusammenrechnet, kommt man auf eine verdammt hohe Summe. Jeder von uns hat echt professionelles Zeug im Besitz.

Krejan: In dem Alter wo wir uns jetzt befinden, geht es ja schon um einen bestimmtes Status, den man haben möchte; also darum, ob man ein Haus oder ein fettes Auto kauft. Wir haben uns eben für ein fettes Equipment entschieden. Das was wir besitzen, damit hätte sich jeder von uns schon ein schönes Auto kaufen können.

Euer Debütalbum, welches Anfang dieses Jahres veröffentlicht wurde, hört auf den Titel „We love you too“. Daraus schließe ich, dass Ihr von einigen Leuten sehr geliebt werdet. Ich habe mitbekommen, dass Ihr ziemlich viele Fans habt. Allein auf Facebook sind es über 2000 „likes“. Warum sollte man SMGC lieben?
Krejan: Weil wir eben doch ein bisschen anders spielen, als alle anderen Bands. Und weil wir unser Projekt komplett ernst meinen.

Staber: Ich glaube wir machen einfach eine Mischung aus guter Musik, gepaart mit einem direkten, ehrlichen Auftreten. Ohne irgendwelchem unechten Schnickschnack.

In der Presse wird euer Sound oft als authentischer 60ies Rock’n‘Roll beschrieben. Könnt Ihr mit dieser Bezeichnung leben, würdet Ihr das so unterschreiben?
Krejan: Nein, gar nicht. Unser erstes Album geht halt ein bisschen in diese Richtung, weil wir als Band einfach eine hohe Affinität zu diesem Musikstil haben, aber ich glaube unser zweites Album wird anders klingen. 60ies Pop… ja, es geht in die Richtung, das gebe ich zu. Man muss halt dem Hörer immer ein Genre aufdrücken, damit er sich was darunter vorstellen kann. Aber grundsätzlich geht unsere Soundtendenz schon in Richtung 60ies-Quintett. Diese Genre-Fragen möchte ich schon gar nicht mehr beantworten, weil man das eh immer gefragt wird. Dadurch entsteht ja genau dieser Blödsinn. Jemand schreibt zum Beispiel, dass unsere Nummern Richtung Rockabilly gehen, die anderen sagen wieder, es geht in Richtung Pop. Jeder soll sagen was er will, weil jeder genau das hört, was er eben hören will. Und derjenige muss es schlussendlich dann auch für sich klassifizieren. Aber unserer Meinung nach assoziieren die Leute eh immer das Falsche. Wahrscheinlich kann man viele Sounds auch einfach gar nicht in Worte fassen. Würden wir jetzt ausschließlich sagen, dass wir 60ies Psychedelic spielen, würden sich das viele Leute vielleicht gar nicht anhören, mit der Begründung, dass ihnen das Genre überhaupt gar nicht gefällt. So gesehen sind alle Genre-Beschreibungen Blödsinn!

Naja, Genres sind ja auch relativ…
Krejan: Du sagst es!

Wie würdet Ihr dann die Leute davon überzeugen, dass sie eben doch Eure Musik anhören sollen?
Krejan: Man braucht eben gar keinen Werbeslogan mit irgendeiner Musikbezeichnung. Es reicht wenn man sagt: „Hey, hör dir die Band an, die ist verdammt cool!“

Ihr kommt ja alle aus unterschiedlichsten Bandprojekten, habt gespielt bei The Incredible Staggers, Once Tasted Life, Sick of Silence usw. Wie habt ihr Euch zum Sado Maso Guitar Club zusammengefunden?
Krejan: Das war ganz einfach. Der Kri, unser Bassist hat auch bei den Staggers gespielt, Der Felix war auch mal bei den Staggers und bei Once Tasted Life. Das heißt, wir haben uns auch schon ewig gekannt. Meinen Bruder kenn ich auch schon lange, der spielt Orgel. Und den Dani kennen wir über die Band Red Lights Flash, weil er da bei einem Videodreh mitgemacht hat. So haben wir uns kennen gelernt und er ist dann auch gleich in die Band miteingestiegen.

Du hast das Projekt SMGC also initiiert.
Krejan: Genau. Entstanden ist das Ganze als ein Nebenprojekt zu den Staggers, wo ich für mich persönlich ein paar Lieder aufgenommen habe. Nichts wirklich Konkretes. Erst gemeinsam mit der Band ist das Ganze mehr oder weniger gewachsen.

Euch als Band gibt es ja jetzt doch schon ein paar Jahre…
Krejan: Als The Sado Maso Guitar Club spielen wir seit etwa eineinhalb Jahren Live-Konzerte.

Staber: Wir? Spinnst komplett? Das sind doch bald drei Jahre!

Krejan: Was echt?

Staber: Im Jänner sind es genau drei Jahre, wo wir das erste Konzert gespielt haben.

Kreja. Ach ja, du hast Recht. Zeit ist ja auch relativ, wie wir wissen…

Warum hat es dann so lange gedauert, bis Ihr schlussendlich Euer Debüt rausgebracht habt?
Staber: Das hat ja gar nicht so lange gedauert.

Aber wenn es doch Euch schon seit drei Jahren gibt!

Staber: Also die Platte ist vor etwa einem Jahr fertig geworden, und für die Aufnahmen haben wir auch ein Jahr gebraucht. Also nach einem Jahr Live spielen, haben wir die erste Platte produziert. Das ist ja eh nicht so lange. Ok, wir haben schon ziemlich lange gebraucht für die Platte, das stimmt schon. Wir haben uns da sehr viel Zeit gelassen. Es wäre sicher auch schneller gegangen, aber wir haben einfach diese Zeit gebraucht. Und da es auch für den Matze ein ganz ein wichtiges Projekt war, hat es einfach genau so klingen müssen, wie es jetzt nun mal eben klingt. Es ist sehr viel an der Platte herumgetüftelt worden. Wir haben Alles in einem Haus aufgenommen, wo Matze und ich zusammen gewohnt haben. Hinter unserer Musik steckt sehr viel Lust und Liebe. Wir gesagt, wir hatten nicht wirklich Stress.

Krejan: Stress haben wir jetzt insofern, da nun alle meinen, dass sofort ein zweites Album her muss. Booking, Management…darum müssen wir uns jetzt wirklich voll kümmern. Es soll zumindest bald mal ein neues Album rauskommen, damit wir darauf aufbauen können. Das heißt wir müssen uns auch beeilen. Der Plan ist der, dass wir bis Frühjahr nächsten Jahres mit einem neuen Album aufwarten können, und dieses spätestens im Herbst herausbringen. Wir sind gerade voll beschäftigt; viele Konzerte, viele Proben und grundsätzlich viel Stress momentan. Wir bringen im Dezember eine EP mit einer Rolling Stones-Coverversion heraus. Das wird eine eher lockere, lustige Akustik-EP, mit der Coverversion auf der A-Seite und 2 alten Songs auf der B-Seite.

Staber: Und alles wurde komplett live aufgenommen. Das ist ja eigentlich völlig untypisch für die heutige Zeit, dass man so etwas überhaupt macht. Das unterstreicht auch irgendwie wieder das, was wir eigentlich machen wollen. Live spielen – auch im Studio.

Krejan: Da kommen wir halt wieder zurück zu den Wurzeln der 60er. Die Stones und die Beatles haben das früher nicht anders gemacht, nachdem die Aufnahmetechnik damals noch nicht so weit war. Man hat alles gleichzeitig live im Studio eigespielt und genau das haben wir jetzt auch probiert. Wir haben erst vor einer Woche alles live eingespielt, inklusive Gesang. Da sind keine Overdubs dabei – es klingt so wie es klingt. Jeder Fehler ist aufgenommen. Wir wollten es so authentisch wie möglich aufnehmen. Dazu gibt es dann übrigens auch einen Live-Mitschnitt. Hochprofessionell aufgenommen mit vier Kameras. Als Beweis sozusagen, dass wir alles selbst eingespielt haben. Das Video werden wir dann sicher auf Youtube stellen.

Haben Euch die Rolling Stones am meisten beeinflusst?
Krejan: Ich kann nur von mir reden. Als ich in jungen Jahren zum Gitarre spielen angefangen habe, haben mich die drei ganz Großen aus England am meisten beeinflusst: The Who, die Beatles und die Rolling Stones. Und die Kinks… Da ist so die erste Musik, die ich bewusst gehört habe.

Staber: Mich haben am Anfang ziemlich intensiv die Beatles geprägt. Später ist es dann bei mir eher ins rockige gegangen, da habe ich mich mehr auf Gitarristen von Deep Purple, Pink Floyd fixiert… und die Stones eben.

Krejan: Ich gebe es zu, ich bin erst vor kurzem darauf gekommen, vielleicht vor etwa vier Jahren, dass es ziemlich viel Gutes da draußen in der Musikwelt  gibt. Damit meine ich auch viele unbekannte Bands. Komplett spartenübergreifend: das geht vom Elektronischen ins Akustische, Rock, Soul, bis hin zu Metal.

Gibt es einen persönlichen Lieblingssong auf der Platte „We love you too“?
Krejan: Also meine Lieblingsnummer ist nach wie vor die letzte Nummer, „Take it as a matter of time“. Da haben wir dieses Sitar-ähnliche Instrument mit eingebaut und es ist eine lockere Nummer, die nur so dahingleitet.

Staber: Diese Nummer geht auch am Ehesten in die Richtung, in die wir mit unserer nächsten Platte gehen möchten. Es werden sicher viele Songs sehr smooth und groovy produziert werden. Kann ich mir so vorstellen…

Krejan: Ich mir auch.

Wie sieht denn überhaupt Euer Publikum aus? Ist bei Euren Konzerten zwischen 15 und 50 Jahren Alles vertreten?
Staber: Ja! Das ist ja gerade das Schöne. Es kommen zu unseren Konzerten unglaublich viele junge Leute. Es ist sehr durchgemischt.  Zum Teil kommen die Konzertbesucher danach zu uns und erzählen, wie superbegeistert sie waren. Außerdem kommen zu den Konzerten auch die vollen Alt-Hippies, denen unsere Musik anscheinend besonders gefällt.

Krejan: Wenn du eine Prozent-Aufschlüsselung willst:  Ich würde einmal ganz grob sagen, dass 20% unseres Publikums um die 18 Jahre alt sind, 40% bis 34 Jahre und der Rest ist älter.

Staber: Das ist klarerweise auch abhängig von der Location. Ich kann mich erinnern, dass wir mal in Vorarlberg gespielt haben und da war nur altes Publikum. Aber das war auch ziemlich lässig. Es war total ruhig und alle Leute haben voll konzentriert zugehört.

Krejan: Das ist auch eine ganz neue Erfahrung für uns, dass die Leute bei unseren Konzerten wirklich zuhören. Vielleicht gar nicht so arg abgehen, aber wo man sieht, dass sich das Publikum gerade mit dem auseinandersetzt, was sie in dem Moment live zu hören bekommen. Wir haben auch ein gesetztes Publikum, das gute Musik zu schätzen weiß. Unabhängig von Genres – um das Thema mal wieder einzubringen.

The Sado Maso Guitar Club – The Marriage by mica

Apropos Genres. Viele Musiksparten werden beim bald stattfindenden Waves Vienna Festival zu hören sein. Auch Ihr werdet dort am Donnerstag dem 29. September ein Konzert geben. Wisst Ihr eigentlich unter welchem Schwerpunkt das gesamte Festival steht?
Krejan: Keine Ahnung, was denn?

Und zwar steht das Festival unter dem Motto „East meets West“. Viele Bands aus dem Osten werden nach Wien eingeladen um sich dort dem österreichischen Publikum zu präsentieren. Musiker aus Polen, Ungarn, Tschechien usw. Wurdet Ihr auch schon mal in den Osten eingeladen?
Krejan: Wir wurden gerade eben von der Band The Types in den Osten eingeladen. Nämlich nach Moskau,wo wir auch fix hinfahren werden.

Habt Ihr sonst schon mal außerhalb von Österreich gespielt?
Staber: Deutschland, Kroatien Italien…

Krejan: Unser Plan ist der, dass wir zuerst einmal in Österreich so viele Konzerte spielen, bis wir die Sicherheit haben, dass wir als Musiker alle gut zusammenpassen. Als Aufbau bietet Österreich eh eine gute Basis. Im Frühjahr werden wir vermutlich eine ausgedehnte Deutschland-Tour machen und dabei schauen, dass wir dort musikalisch Fuß fassen. The Sado Maso Guitar Club soll nach einem Plan funktionieren. Ja nichts Chaotisches mehr.

Ist Euch schon mal der Gedanke gekommen, auf Deutsch zu singen?
Krejan: Ja, mir schon. Aber in Österreich kann man eben nur in einer Musiksparte richtig was reißen. Unser nächster Plan wird sein, dass wir für Schlagerfuzzis Lieder schreiben, fett die Tantiemen einkassieren und uns damit dann das Projekt SMGC finanzieren. Das wär was!

Welche Pläne stehen sonst noch an?
Staber: Am Donnerstag spielen wir eben ein Akustik-Konzert beim Waves Vienna Festival. Am Tag darauf folgt Innsbruck, da spielen wir im Weekender. Da waren wir schon zweimal und dort herrscht immer super Stimmung. Und am Samstag spielen wir im Posthof in Linz als Support von „I’m from Barcelona“.

Welche Band würdet ihr sonst noch gerne supporten, wenn ihr die Möglichkeit hättet?
Krejan: Beatles!

Staber: Queen!

Krejan: Es gibt so viele neue Bands die mir total taugen, die aber gar nicht so bekannt sind…

Staber: Ich würde zum Beispiel gerne mal mit Mumford & Sons oder mit  Elbow gemeinsam auf der Bühne stehen.

Krejan: Und ich rede sogar von noch unbekannteren Bands, wo ich eine Freude hätte, diese supporten zu dürfen.Wie zum Beispiel Spindrift oder Brian Jonestown Massacre. Das sind zwar auch alles Szene-Bands, die aber meiner Meinung nach viel geiler sind, als so manch großer Act.

Danke fürs Gespräch!

Termine:
29.09.:  Waves Vienna/ Projetraum Viktor Bucher
30.09.: Weekender, Innsbruck
01.10.: Posthof, Linz
08.10.: Gasthof Preuner, Frankenburg OÖ
24.11.: Filmbar im Kesselhaus, Krems

Fotos (c) Robert Uranitsch, Stephan Doleschal