mica-Interview mit Sawoff Shotgun

Im vergangenen Jahr haben The Sawoff Shotgun mit “Never Mind The Botox, Here Comes The Sawoff Shotgun” ein mehr als beachtliches Erstlingswerk auf den Markt gebracht. Musikalisch bietet das Dreiergespann mitreißenden Elektropop mit starken Trash-Anleihen und einer gehörigen Portion Humor. Markus Egger sprach mit zwei Drittel (Susanna und Monica Reyes) der Band über Riot Girls, Peaches, Berlin, über ihr neues Album, das im Februar 2011 erscheint und wie man sich beim Videodreh nicht die Finger verbrennt.

Stimmt es, das Sawoff Shotgun an einem betrunkenen Abend in Barcelona entstanden ist?
Susanna: Das stimmt tatsächlich. Wir waren privat auf Urlaub in Barcelona und dort haben wir gesoffen und dann ist die Idee dort entstanden, was gemeinsamzu machen, denn wir machen ja schon jahrelang Musik, aber jeder seine eigenen Geschichten.

Monica:…Und dann haben wir uns gedacht es wäre mal lustig was gemeinsam zu machen, alle drei Schwestern.

War das von Anfang an klar in welche Musikrichtung es da geht?
Monica: Naja, wir wußten, dass es zumindest popig und trashig werden sollte und gemeinsam mit dem Produzenten, den Georg Hartwig, der da auch mit war, war es relativ klar das es in die Elektropoprichtung gehen.

Susanna: Ja und wir wollten uns vor allem die Leichtigkeit bewahren. Weil in den ganzen anderen Projekten, da steckt man eh so mit dem Herz und mit der Seele drin, das tun wir hier auch, aber wir wollen es nicht zu verkrampft machen. Es soll irgendwie lustig bleiben.

Wie wichtig ist der Faktor Humor in eurer Musik?
Monica: Natürlich sehr wichtig, wie man auch an den Texten merkt. Es ist ein bisserl ein Augenzwinkern in so gut wie jedem Song dabei.

Susanna: Ich find diese Branche an sich ist ja schon etwas zum Lachen. Um da nicht völlig zu verzweifeln muß man einen gewissen Galgenhumor entwickeln und warum nicht auch gleich den am Besten in der Musik dann auch verbraten.

Euer Album heißt ja „Nevermind the Botox, here comes the Sawoff Shotgun”, seid ihr Sexpistols Fans (Anmerkung: Das wohl bekannteste Album der Sex Pistols heißt “Nevermind the Bollocks, Here´s the Sexpistols!”) oder wie kam es zu dem Titel?

Beide lachen laut.
Monica: Auch hier haben wir uns wieder einen Scherz erlaubt…

Susanna: Eben das Klischee der drei Frauen. Wenn drei Frauen Musik machen, ist das immer wieder ein Thema. Ist das jetzt Gender. Und wir sind alle um die 30 herum, und die Popindustrie ist auf 20-Jährige fixiert und deshalb auch das Augenzwinkern zur Jugend mit dem Botox.

Weil ihr das Gender-Thema erwähnt. Wird man nicht auch zwangsläufig in die Riotgirl-Schublade gesteckt, oder ist das was, was ihr selber forciert?
Beide: Nein, wir forcieren es überhaupt nicht!

Monica:…Und gewisse bei unterschiedlichen Journalisten entstehen unterschiedliche Assoziationen. Ich weiß nicht wer mit diesem Riotgirl angefangen hat. Wir waren es jedenfalls nicht.

Bei Riot Girl fällt mir immer gleich Peaches ein. Könnt ihr mir der was anfangen?

Susanna: Also ich finde sie super spannend. Sie hat eine irrsinnige Härte, aber ich finde interessant, was sie macht. Und ich finde sie sehr, sehr Ernst zu nehmend, wie sie sich positioniert und…Sie ist halt diese tuffe Frau, die schon auch vom Vokabular, das sie verwendet hart ist. Wir sind ja immer, schon allein, wenn wir auf der Bühne sind, haben wir immer einen Grinser drauf.

Monica: Also wir kokettieren mit dem eigenen Klischee.

Und das macht sie nicht!

Susanna: Nein, das macht sie nicht.

Wäre das was für euch, auch diese Härte zu haben?
Susanna: Nein, wir sind das nicht. Wir wollten zwar ursprünglich so auf hart und auf tuff machen.

Monica:…Aber das ist dann nicht authentisch.

Susanna: Wir hauen uns viel zu sehr ab, über den Blödsinn, den der andere gerade macht auf der Bühne. Da spielt sicher auch das familiäre mit, das wir drei Schwestern sind auf der Bühne und man das nicht zu ernstnehmen kann.

Also steht bei euch auch der Funfaktor im Vordergrund?
Monica: Definitiv. Die Dinge die man macht, müssen Spaß machen, weil die Businessseite ist ja sowieso ein großer Teil davon.

Susanna: Da muß man zumindest auf der Bühne Spaß haben, weil das Rundherum, das ganze Musikbusiness (lacht) ist eigentlich eh nur zum Weinen. Und es ist Business. Das ist eh trocken genug.

Wäre das anders, dass ihr euch auf der Bühne nicht so fallen lassen könntet, wenn ihr nicht Schwester wärt, die sich schon ein Leben lang kennen?

Monica: Das funktioniert auch mit Freunden. Wir haben ja alle schon in anderen Formationen gespielt. Aber der Vorteil, wenn man mit der Familie auch spielt ist, dass man sich so lange kennt und jegliche Stimmungen auch akzeptiert werden. Da muß man nicht ein Fröhlichkeit heucheln, wenn sie nicht da ist. Das ist ganz angenehm.

Hat irgendwer von euch einen Waffenschein?

Beide: (lachen) Nein!

Euer Song „Stereo Sexuality“ ist auch auf dem Soundtrack von „Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott“ zu hören (zu Monica) ist das, weil Du da mitspielst?

Monica: Ja, genau. (lacht). Ich hab dem Regisseur (Anmerkung Andreas Prochaska), der ja sehr musikaffin ist, also der unterstützt ja auch eine Vielzahl an österreichischen Musikern und interessiert sich sehr dafür, mal während der Drehzeit eine CD von uns gegeben. Aber definitiv ohne Hintergedanke. Aber ich habe mich dann sehr gefreut, als er mich bei der Postproduktion angerufen hat und gesagt hat „Hör zu wir wollen einen Song verwenden. Ist das OK?“.

Susanna: Ja es war sehr nett, weil wir haben dann auch auf der Premierenfeier vom Film live gespielt.

Ihr inszeniert euch ja ziemlich anarchisch und trashig mit euren Künstlernamen Lola Python und…?
Susanna: Nein das haben wir mittlerweile abgelegt. Und verwenden jetzt unsere eigen Namen und unsere eigene Biografie.

Monica: Das war auch die Suche nach unserer eigenen Identität von der wir am Anfang gesprochen haben. Am Anfang wollten wir so hart sein. Aber das kommt nicht authentisch rüber: Das sind wir nicht. Peaches kann das machen, aber wir nicht.

Wie entstehen eure Songs? Zuerst ein Gitarrenriff oder einen Text? Wer schreibt überhaupt die Nummern?
Monica: Es schreibt jeder fertige Nummern. Aber wir schreiben nicht gemeinsam an einer Nummer. Die schicken wir dann herum per e-mail. Dann gibt jeder seinen Senf dazu ab, und der Georg…

Susanna:…macht dann mal so einen rough Mix. Der Georg produziert das mal schickt es wieder herum. Es gibt wieder jeder seinen Senf dazu und so geht das dann wieder bis zur fertigen Version, oder?
Monica: Ja, genau.

Ihr lebt ja alle in unerschiedlichen Städten?
Monica: Wir zwei leben in Berlin, die Sonja lebt in Wien. Der Schlagzeuger lebt in Graz und der Produzent auch in Berlin.

Wie steht es da mit den Proben?
Susanna: Wenn dann ist das geblockt. Das muss man ein paar Monate schon vorplanen, einen Probeblock, damit mit die fünf Leute zusammenkriegt. Ein Probeblock hat dann fünf Tage, aber so oft passiert das dann auch nicht.

Monica: Vor Konzerten machen wir  wieder so einen Auffrischungblock, oder wenn es neues Material gibt.

Wo wurde euer letztes Album eingespielt?
Monica: Das alte Album wurde noch in Graz eingespielt. Das neue wird hauptsächlich in Berlin eingespielt. Das liegt auch daran, dass der Georg jetzt auch nach Berlin gezogen ist und weil wir beiden auch dort leben und dann dort einsingen.

Das neue Album kommt ja Anfang 2011. Wollt ihr schon was verraten? Wie wird es heißen?
Susanna: Wenn wir das nur schon wüßten. Keine Ahnung wie es heißen wird, aber es kommt im Februar heraus. Und es wird glaub ich ganz cool. Das erste Album wurde ja sehr schnell rausgeschossen. Jetzt beim zweiten Album wurde auch mehr über den Stil nachgedacht, was wir für ein Album machen wollen.

Monica: Es hat jede von uns wieder Nummern geschrieben. Und jede von uns schreibt sehr unterschiedliche Nummern und das das ein homogener Sound wird, muß man sich überlegen, wie es produziert wird und das wurde jetzt auch mehr gemacht.

Beim ersten Album wurden die Nummern ja nach zwei Takes aufgenommen?
Monica: Genau, ungefähr so. Es war ein bisserl ein Schnellschuß. Das zweite ist jetzt reifer und wir sind jetzt auch schon viel näher an dem Sound, den wir uns vorgestellt haben.
Susanna: Ja.

Ihr habt ja inzwischen auch ein EP herausgebracht!
Susanna: Genau, das ist der Vorbote zum neuen Album. Rein aus Promogründen. Die neue Single wird jetzt auch schon in Deutschland beworben und da brauchst halt einfach vorab schon Material zum bestücken.

Eure Hitsingle „Lip My Stockings“ basiert ja aus einem Zitat aus Lost ins Translation. Wie kam es dazu?

Monica: Wir mögen den Film sehr gerne und die Szene ist einfach zum Schreien. Und Bill Murray sowieso. Wir wollten das einfach zitieren.

Wie oft habt ihr euch die Finger zum Videodreh vom „My Fresh Dress“, der neuen Single verbrannt? (Anmerkung die drei Musikerinnen stehen beim Video in der Dusche und zünden abwechselnd Streichhölzer an)
Monica: Gar nicht. Das war wirklich einer dieser Drehs, da waren wir schon die ganze Woche in Berlin unterwegs und haben kleine unterschiedliche Videos gedreht, und dann waren wir in meiner Wohnung und haben gesagt, so jetzt mach ma noch schnell was in der Dusche.

Susanna: Eigentlich waren wir verstunken vom ganzen Tag drehen und waren müde und wollten uns eigentlich duschen. Und dann haben wir gesagt wir machen noch was in der Dusche. Nein wir haben und die Finger nicht verbrannt, aber einige Streichhölzer. Das war in einem Take gedreht und Low Budget. 30 Cent für die Streichhölzer und vielleicht 50 Cent für den Strom, wegen den Strobo-Effekt haben wir das Licht immer ein und ausgeschalten.

Wie wichtig sind für euch im Zeitalter von Youtube und Facebook Videos?
Monica: Sie sind sehr wichtig. Die Leute sind sehr visuell geprägt. Das auditive allein reicht nicht mehr und man erreicht auch mehr Menschen mit Youtube Videos, als wenn man nur ein Audiofile postet.

Susanna: Absolut. Die Leute fordern viel von einem.

Braucht man zu jeder neuen Single ein Video?
Monica: Zum einen ist es klar, dass man Videos macht. Und zum anderen kommen die Bandmitglieder mit lustigen Ideen, die man umsetzen will.

Das Album kommt im Februar. Was ist denn da drauf?
Monica: Die EP Songs kommen drauf. Und Kids on Coke ist die erste Singleauskoppelung und  rennt eh schon auf FM4 und auf diversen deutschen Radiostationen. Wir haben auch viel gedreht und es wird auch viele Video geben.

Gibt´s dann auch eine Deutschlandtour?
Susanna: Natürlich wollen wir in Deutschland eine Tour spielen und jeder wird sich die Zeit auch nehmen. Es scheint ganz gut anzukommen. Wir spielen hauptsächlich in Österreich. Konzertmäßig haben wir Deutschland noch nicht erobert, aber das kommt hoffentlich mit dem Release von dem neues Album. Das wäre schön.

Danke für das Gespräch!

http://www.sawoffshotgun.com/
http://www.myspace.com/sawoffshotgun