Vor knapp einem Jahr hat Miriam Schreinzer, vormalig mit der Planung und Entwicklung von Konzertprojekten und neuen Konzertformaten bei der Jeunesse betraut, die Geschäftsführung der Bludenzer Kultur GmbH übernommen. Im Interview mit Michael Masen spricht sie über die Herausforderungen Ihres neuen Tätigkeitsbereiches sowie Ihre damit verbundenen weiteren Pläne zur Bereicherung der Bludenzer Kulturlandschaft. Das Interview führte Michael Masen.
Für deinen neuen Job bist du sozusagen von einem Ende Österreichs ans andere gezogen. Was hat dich am neuen Aufgabenbereich gereizt?
Ich bin in Vorarlberg groß geworden, bin dort zur Schule gegangen, habe dann in Wien studiert und war anschließend für lange Zeit im Ausland. Die letzten Jahre habe ich dann in Wien gearbeitet und wollte jetzt eine neue Herausforderung annehmen. Ich bin jetzt in Bludenz Kulturverantwortliche für die Stadt und ich finde es einfach spannend, in einem regionalen Kontext Kulturarbeit zu machen. Zuvor habe ich bereits Erfahrungen in Wien bei der Jeunesse gesammelt, wo ich fast sieben Jahre lang gearbeitet habe und davor habe ich auch bereits beim Schleswig-Holstein Musikfestival in einem regionalen Kontext gearbeitet. Ich finde es eine große Herausforderung, zu schauen, wie man ein Publikum finden kann, was man dort schaffen kann und dies letztlich auch mit wenigen Mitteln.
Das Programm der Remise Bludenz ist ja ziemlich breit aufgestellt. Hast du bereits vorher ein Konzept gehabt, was du erneuern wolltest? Kannst du vielleicht einen kleinen Überblick geben über die Vorhaben, die du umsetzen möchtest?
Bevor ich begonnen habe, war mir natürlich bekannt, was dort passiert. Ich kannte meinen Vorgänger ganz gut, wir sind ehemalige Arbeitskollegen und kommen eigentlich aus derselben Kaderschmiede, wenn man so will. Wir denken ähnlich, wenn es darum geht, ein Kulturprogramm auf die Beine zu stellen. Als ich nach Bludenz gekommen bin, habe ich zuerst analysiert, was es für ein Angebot gibt und was davon Sinn macht, weiter zu führen und was ich gerne ändern würde. Ich habe das natürlich im Kontext zu den sonstigen Angeboten im Land gesehen. Es ist erstaunlich, weil es in Vorarlberg wirklich viele kulturelle Angebote gibt und auch viel vom Land unterstützt wird.
Es ging anfangs darum, zu schauen, was es für bereits bestehende Zyklen und Festivals während des Jahres gibt und dann zu überlegen, wo man etwas ändern könnte. Dazu habe ich viele Ideen. Ich habe beispielsweise gleich im Herbst mit einem Zyklus für Alte Musik begonnen, weil es zuvor in Vorarlberg in diesem Bereich nicht so viel gegeben hat. Damit habe ich im September gestartet und es hat sich gezeigt, dass das ganz gut angenommen wird, dass hierfür auch Bedarf besteht und es ein Publikum dafür gibt. Mein Gedanke war es auch, zu schauen, was man in Bludenz anbieten könnte, das es sonst im Land nicht gibt. Solche Nischen zu finden ist auch ganz wichtig und die Alte Musik ist eben so ein Beispiel dafür.
Ein anderes ist etwa mein Bestreben, das Weltmusik-Angebot auszubauen. Es gab da zwar schon vorher etwas, aber nicht sehr viel. Diesen Zustand wollte ich ändern und das wird ebenfalls sehr gut angenommen. Und zwar nicht nur von Leuten aus Bludenz und den umliegenden Tälern sondern wir ziehen durchaus auch ein Publikum an, das aus Bregenz kommt oder auch aus der Schweiz. In meinen Augen ist das schon ein toller Erfolg.
Ziel ist es auch, mit lokalen Künstlern zusammen zu arbeiten. Was gibt es da für Verbindungen, wie kann man sich das strukturell vorstellen?
Die Zusammenarbeit mit lokalen Künstlern war immer mein Anliegen. Als ich dort begonnen habe, habe ich mir vorgenommen, vor allem auch die Vorarlberger Szene einzubinden. Natürlich kann man niemals alle Leute berücksichtigen, das ist unmöglich. Es gibt immer Künstler, die man nicht einladen kann, aber da ist es egal, ob sie aus Vorarlberg kommen oder aus einem internationalen Kontext. Es gibt großartige Künstler. Beispielsweise Johannes Hämmerle, ein hervorragender Organist und Cembalist, der Domorganist in Feldkirch ist und daneben dort auch noch am Landeskonservatorium unterrichtet. Ihn habe ich jetzt auch für die Alte Musik-Reihe eingeladen. Es gibt aber auch in der Jazzszene ganz tolle Leute, die aber nicht immer in Vorarlberg wohnen. Da gibt das Jazzorchester Vorarlberg, junge Musiker wie etwa Martin Eberle, der auch bei der Jazzwerkstatt Wien mit dabei ist oder seinen Bruder, Christian Eberle, der Schlagzeug spielt. Besonders erwähnenswert ist auch noch der Keyboardspieler und Pianist Benny Omerzell, der zu den ganz großen jungen Talenten zu zählen ist. Oder Herbert Walser-Breuß, der ein unglaublicher Trompeter ist und auch am Vorarlberger Landeskonservatorium eine Jazz und Alte Musik-Klasse leitet.
Es ging vor allem auch darum, tolle Nachwuchstalente einzuladen bzw. junge Musiker, die schon einen Schritt weiter sind. Das war mir ganz wichtig. Und es muss einfach um diese Verbindungen gehen, also sowohl die Vorarlberger Szene einzubinden als auch die internationale Szene einzuladen. Diese Mischung finde ich ganz gut. Beispielsweise fanden jetzt Ende Februar, 26.-28.2. zum vierten Mal in der Remise die Jazztage statt, deren Konzept es ist, einen Artist in Residence einzuladen, die Vorarlberger Szene einzubinden und auch die internationale Szene nach Bludenz zu bringen. Damit haben wir es geschafft, ein wirklich tolles Festival auf die Beine zu stellen, mit großartigen Musikern, die sowohl aus Vorarlberg kommen als auch aus der internationalen Szene.
Gibt es auch abseits der großen Festivals und Veranstaltungen, etwa im Bereich Nachwuchsförderung, ein konstantes Programm, wie beispielsweise Workshops?
Da arbeite ich noch dran. Workshops sind mir jedenfalls ein großes Anliegen. Es geht hier vor allem darum, sich ein Konzept zu überlegen, das funktioniert. Im Rahmen der Jazztage gab es einen Workshop in Kooperation mit dem Vorarlberger Landeskonservatorium. Da hat Peter Herbert mit Studenten des Landeskonservatoriums einen Workshop gegeben und das Ergebnis wurde dann am ersten Abend der Jazztage bei einem gemeinsamen Auftritt präsentiert. Dieser Auftritt fand allerdings in Bregenz statt, weil wir mit der Stadt eine Kooperation eingehen, was mir auch wichtig war.
Jugendförderung ist mir grundsätzlich sehr wichtig und ich versuche auch immer wieder, junge Künstler einzuladen, aber muss mir da noch einen Roten Faden überlegen. Workshops sind jedenfalls ein Thema, das ich gerne noch ausbauen würde.
Bei diesen Festivals und Konzertveranstaltungen gibt es natürlich auch jede Menge gute Musik zu hören. Gibt es irgendwelche Überlegungen, das auch auf Tonträger festzuhalten und dann zu veröffentlichen?
Das habe ich schon überlegt, aber natürlich bedarf so etwas auch einer guten Vorbereitung. Auf jeden Fall wäre das eine spezielle Form der Werbung, wenn man das regelmäßig machen könnte. Im Rahmen der Jazztage haben wir immer wieder die Ö1 Jazznacht live, die heuer am 27. Februar statt fand. Da hat der ORF live aus der Remise gesendet, was auch eine tolle Sache ist. Bei Tonträgern müsste man natürlich auch die Rechte klären, aber generell habe ich schon überlegt, so etwas zu machen, etwa eine Art Compilation mit den Highlights der Veranstaltungen heraus zu bringen.
Die Remise gibt es ja doch schon etwas länger. Ist es nach wie vor so, dass man allen Kontakten mühsam hinterher laufen muss oder kommen mittlerweile schon mehr Leute bezüglich Kooperationen aktiv auf euch zu?
Der Arbeitsalltag sieht so aus, dass es sehr viele Menschen gibt, die mich kontaktieren, weil sie in der Remise auftreten wollen. Den Veranstaltungsort gibt es ja mittlerweile bereits seit elf Jahren und in dieser Zeit konnte ein guter Ruf erarbeitet werden. Die Remise hat einen Konzertsaal, der von sehr vielen Künstlern wegen seiner ausgezeichneten Akustik geschätzt wird. Der Saal hat eine gute Größe mit knapp 200 Sitz- und 50 Stehplätzen und als besonderen Bonus verfügt er noch über einen hervorragenden Steinway-Flügel. Das kommt natürlich vor allem bei den Pianisten sehr gut an, die deswegen auch immer wieder gerne nach Bludenz kommen.
Es ist also schon so, dass es viele Leute gibt, die bei mir anfragen, ob sie auftreten können, aber ich überlege mir auch immer, wen ich einladen kann. Ich habe viele Kontakte und Netzwerke und mir geht es vor allem darum, konzeptionell zu arbeiten. Das finde ich sehr wichtig. Bludenz hat keine leichte Situation innerhalb Vorarlbergs. Bludenz hat ein wenig den Ruf einer schlafenden Stadt, aufgrund der Gastronomieproblematik und weil immer öfter Geschäfte eröffnen und kurz darauf wieder schließen. Im Nachbarort gibt es ein riesiges Einkaufszentrum, das viel Kaufkraft aus der Altstadt abgezogen hat. Bludenz ist also keine sehr lebendige Stadt, was sich natürlich auch auf mich und meine Arbeit auswirkt. Wenn sich herum spricht, dass es kein wirklich gutes gastronomisches Angebot gibt, dann kommen die Leute auch nicht so gerne. Nur kulturelle Veranstaltungen zu organisieren reicht also leider nicht. Man muss schon ein Package anbieten, aber ich hoffe, dass sich die Situation künftig wieder verbessern wird. Zumindest gibt es gute Anzeichen dafür und derzeit wird an einem neuen Leitbild zu einem Innenstadtentwicklungsprozess in Bludenz gearbeitet.
Das konzeptionelle Arbeiten ist jedenfalls sehr wichtig. Ich muss mir überlegen, was ich anbieten kann, damit die Leute auch von weiter her kommen, sprich aus dem ganzen Land Vorarlberg, aus der Ostschweiz und vielleicht sogar aus Süddeutschland und Liechtenstein. Teilweise funktioniert das schon und ich habe während der letzten Monate ein paar ganz gute Erfahrungen gemacht. Die Leute kommen in die Remise, weil sie hier ein Angebot vorfinden, das sie nirgendwo anders in Vorarlberg bekommen. Es geht darum, stimmige Angebote zu machen, ein hohes Niveau zu garantieren, Schienen und Zyklen zu implementieren und Inhalte anzubieten, die man ansonsten nicht so einfach zu hören und sehen bekommt.
Ich habe das ja bereits viele Jahre meines Lebens gemacht und gelernt und ich weiß auch wie das funktioniert. Man muss dramaturgisch arbeiten und denken, man muss das Publikum ködern können – das ist der springende Punkt.
Inwiefern bist du bereit, deine eigenen Vorstellungen zugunsten eines Kompromisses an den Massengeschmack hintan zu stellen, um mehr Leute anzuziehen? Man kommt ja bei so was leicht in Konflikt zwischen künstlerischem Anspruch und demjenigen, so viele Leute wie möglich anzuziehen.
Ja, das ist richtig. Es ist schon immer eine Gratwanderung. Es gibt Projekte, wo ich mir denke, ich mache es auch dafür, dass ich eben mehr Publikum ansprechen möchte, aber das Niveau muss trotzdem ein sehr hohes bleiben. Hinsichtlich des Niveaus bin ich sicher nicht bereit, irgendwelche Kompromisse einzugehen. Man kann aber trotzdem Projekte umsetzen, die vielleicht einen breiteren Publikumsgeschmack ansprechen, das ist durchaus legitim. Ich möchte ja auch nicht vor leerem Haus spielen, das kann ich schon alleine den Künstlern nicht zumuten.
Wir haben beispielsweise im Oktober immer wieder ein Festival, das nennt sich „BrassSpektakel“. Das wurde von meinem Vorgänger eingeführt und wird mittlerweile sehr gut angenommen. Da es eine große Tradition an Blasmusik in Vorarlberg gibt und dementsprechend auch viele Blasmusikvereine, lag es auf der Hand, so ein Festival in die Welt zu setzen. Und dieses BrassSpektakel möchte ich jetzt weiter führen und ich versuche, es ein wenig anders zu positionieren, indem auch hier wieder mit Artists in Residence gearbeitet werden soll, aber auch genauso Leute von außerhalb geholt werden. Ich denke, dass dieses Konzept auch hier funktionieren wird.
Eines Tages ist es vielleicht ja auch sogar zu schaffen, dass man die Blasmusikvereine und die Kapellen mit ins Programm einbindet. Was ich auch spannend finde ist, sowohl mit Professionellen als auch mit Laien zusammen zu arbeiten. Das ist vielleicht auch die Zukunft, weil es darum geht, Menschen partizipieren zu lassen, die nicht aus einem professionellen Kontext kommen.
Wie viele Leute sind aktuell bei der Remise beschäftigt?
Mit mir zusammen sind wir insgesamt ein Team von fünf Leuten. Die Remise ist aber nur einer der Orte, an denen ich Veranstaltungen mache. Ich bin Geschäftsführerin der Bludenz Kultur GmbH, dem ehemaligen Kulturamt, das dann aus dem Stadtkontext ausgegliedert wurde, aber nach wie vor eine hundertprozentige Tochter der Stadt darstellt, nur eben in Form einer GmbH. Für mich hat das den Vorteil, dass ich selbst Sponsoren suchen kann, dass ich steuerliche Vorteile habe und dass ich bei der Gestaltung ein wenig freier bin.
Die Remise ist, unter dem Dach der Bludenz Kultur GmbH, ein Ort, das Herzstück, an dem ich Veranstaltungen mache, aber sie ist nicht der einzige Ort. Ich bin so frei, dass ich, Kirchen bespielen, Open Air Veranstaltungen organisieren und in die Innenstadt gehen kann, um auch diese durch kulturelle Veranstaltungen zu beleben. Ich bin also nicht gebunden an das Haus und das ist der große Vorteil meiner Arbeit. Das Haus ist natürlich wichtig und auch, dass es regelmäßig bespielt und in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, aber ich bin nicht ausschließlich daran gebunden.
Triffst du die Entscheidungen alleine, oder wird alles im Team abgesprochen?
Ich diskutiere alles mit meinem Team und ich hole auch immer wieder Meinungen von meinen Mitarbeitern ein, auch um mich selbst korrigieren zu können und um neue Impulse zu bekommen. Ich lege sehr viel Wert auf Austausch und auf Anregungen, aber die endgültige Entscheidung treffe ich selbst, weil ich letztendlich auch die Gesamtverantwortung trage, sowohl für den künstlerischen Bereich als auch für den kaufmännischen und für mein Team.
Kannst du einen kurzen Überblick geben, was in der nächsten Zeit veranstaltungstechnisch bei euch passieren wird?
Letztes Wochenende fanden die Jazztage statt, einen Tag in Bregenz und dann zwei Tage lang in Bludenz. Das war vom 26.-28. Februar. Im Frühling geht es dann weiter mit einigen Veranstaltungen im Bereich „Fremde Nähe“. Dabei handelt es sich um einen Zyklus, der sich um Weltmusik dreht. Ich habe diesen Zyklus bis zum Ende der Saison dem Thema Love Songs gewidmet. Hierbei werden uns Musiker aus Estland, Brasilien oder dem Iran besuchen kommen.
Weiters habe ich eine Reihe, die nennt sich „Höhepunkte“, da stelle ich einen jungen Schweizer Pianisten vor, und sehr wichtig ist mir noch, dass ich auch sehr viel für Familien und Kinder mache. In diesem Bereich arbeiten wir beispielsweise sehr eng mit den Schulen zusammen. Da wird es noch einiges an Veranstaltungen geben.
Und von 19. bis 21. März wird es eine Verkaufsveranstaltung für Angewandte Kunst und Design geben, für die ich heuer die Gesamtverantwortung übernommen habe, weil es die Veranstaltung sonst nicht mehr gegeben hätte. Ich habe auch eine der Gründerinnen als Kuratorin mit ins Boot geholt und auch den Werbemanager von Getzner Textil, einer der wichtigsten Textilfirmen in Österreich, für die Sache begeistern können. Veranstaltet wird das Ganze im Schloss Gayenhofen in Bludenz, auf einem Berg. Ein wunderbarer Ort mit tollem Ausblick auf die ganze Bergkulisse. Bei dieser Ausstellung wird Textiles gezeigt, aber es geht auch um Glaskunst, um Keramik, Schmuck oder Silbergeräte. Insgesamt also eine sehr hochwertige Veranstaltung, die in ganz Österreich zu den besten dieses Bereiches zu zählen ist.
Generell muss man immer auch schauen, was man für eine Stadt für Marken schaffen kann, weil es ja auch darum geht, eine Stadt zu positionieren. Das habe ich von Anfang an versucht und das werde ich auch weiterhin verfolgen. Es ist einfach wichtig, dass eine Stadt innerhalb eines Landes über ihre Kultur und ihr Kunstangebot positioniert wird. Und da Bludenz so einen schwierigen Ruf hat und viele Menschen an dieser Stadt vorbei fahren, habe ich mir gedacht, ich muss etwas tun, damit die Stadt wieder mehr Zulauf hat. Ich glaube, dass man dahingehend auch sehr markenstrategisch denken muss und solche Marken zu schaffen, ist gar nicht so einfach, weil es Zeit und Geduld braucht. Die Unikat B, wie die vorhin erwähnte Ausstellung heißt, ist eben genau ein solches Beispiel, ebenso wie das BrassSpektakel oder die Bludenzer Jazztage. Letzteres ist ein Festival, das jetzt schon seit vier Jahren existiert und mittlerweile explizit mit Bludenz assoziiert wird.
Es geht genau darum, diese Dinge zu erhalten und heraus zu finden, was man noch anbieten kann, um die Stadt und die Region zu positionieren. Später kann man das sicher auch noch touristisch, im Sinne eines Kulturtourismus, vermarkten. In etwa so, wie das bei den Bregenzer Festspielen oder der Schubertiade gelungen ist. Das sind zwei kulturelle Ereignisse, die mittlerweile über Vorarlberg hinaus bekannt sind. Vorerst geht es mir aber primär um die Inhalte, wenngleich ich natürlich auch davon träume, so etwas auch für Bludenz möglich zu machen. Aber ich habe einen Dreijahresvertrag, von dem nun auch schon wieder das erste Jahr vorbei ist und die Frage ist natürlich, inwieweit man so ein Ziel überhaupt in dieser Zeit realisieren kann.
Das Publikum springt ja auf neue Angebote nicht immer sofort an. Wie lange lässt du dir Zeit, bis du ein Projekt endgültig verwirfst? Warst du schon mal in einer solchen Situation?
In dieser Situation bin ich immer wieder mal. Meine Erfahrung sagt mir, dass man zwei bis drei Jahre braucht, um Produkte wie etwa eine Alte Musik-Reihe publikumswirksam zu realisieren. Man braucht Zeit, um etwas gedeihen zu lassen, Zeit, dass sich etwas entfaltet und das auch angenommen wird. Projekte müssen sich erst mal herumsprechen und das geht halt nicht von heute auf morgen. Drei Jahre sind aber ein guter Zeitrahmen, um dann noch mal analysieren und schauen zu können, ob etwas funktioniert oder nicht. Und dann muss man eben auf die jeweiligen Erkenntnisse reagieren. Wenn man immer wieder vor leerem Haus spielt, was glücklicherweise kaum der Fall ist, ist das eine schwierige Situation, die man sicherlich überdenken muss, aber man darf nicht gleich bei den ersten Schwierigkeiten aufgeben. Man muss den Dingen Zeit geben.
Vielen Dank fürs Interview.
Foto: Peter Füssl